Osnabrücker Forschungsprojekt Mein Haus, mein Block, meine Universität

Eine gute Begleitung von Studienanfängern ist wichtig für das Zugehörigkeitsgefühl und kann sich positiv auf das Studium auswirken, sagen Osnabrücker Forscher. Unser Foto entstand bei der Erstsemester-Begrüßung am Campus Westerberg im September 2015. Foto: Archiv/Michael GründelEine gute Begleitung von Studienanfängern ist wichtig für das Zugehörigkeitsgefühl und kann sich positiv auf das Studium auswirken, sagen Osnabrücker Forscher. Unser Foto entstand bei der Erstsemester-Begrüßung am Campus Westerberg im September 2015. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Wenn Studenten sich mit ihrer Hochschule identifizieren, schaffen sie eher einen Abschluss, sagt Berufs- und Wirtschaftspädagogin Miriam Buse von der Universität Osnabrück. Es lohne sich deshalb, in das Zugehörigkeitsgefühl der Studenten zu investieren – zum Beispiel durch bessere Betreuung.

Im internationalen Forschungsprojekt "#Ibelong" untersuchen Wissenschaftler der Universität Osnabrück mit Partnern aus England, den Niederlanden, Portugal und Malta, was das Zugehörigkeitsgefühl von Studenten zu ihrer jeweiligen Universität ausmacht und wie sich diese Identifikation stärken lässt. Über die Situation in unserer Stadt sprachen wir mit Berufs- und Wirtschaftspädagogin Miriam Buse, die das Projekt in Osnabrück zusammen mit Miriam Burfeind verantwortet.

Frau Buse, identifizieren sich die Osnabrücker Studenten mit ihrer Universität?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Viele Studierende aus dem Osnabrücker Umland wählen einen Studiengang an dieser Universität, um einen regionalen Bezug zu markieren, der ihnen wichtig zu sein scheint. Prinzipiell gilt auch: Je kleiner der Studiengang und je besser die Betreuung der Studierenden, desto höher ist die Identifikation mit der Universität. Die kann damit je nach Studienort und Studiengang ganz unterschiedlich sein.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ein Berliner Jurastudent mit Hunderten von Kommilitonen ohne direkten Kontakt zu seinen Dozenten entwickelt nur selten eine hohe Identifikation mit seinem Studiengang. Wir konnten generell feststellen, dass es Studierenden in verschiedenen Ländern schwer fällt, sich an ihrer Universität einzuleben. Man sollte ihnen in der Anfangsphase des Studiums deswegen Angebote eröffnen, die ihnen die universitäre Kultur näherbringen.

Was zeichnet das Zugehörigkeitsgefühl aus?

Stellen Sie sich vor, Sie sind neu in einer Stadt. Wenn Sie sich dort wohl und den Menschen um Sie herum verbunden fühlen, dann haben Sie auch Lust dazu, die Stadt genauer zu erkunden. Sie möchten sich womöglich sogar in Ihrem Stadtteil engagieren. Dies ist vergleichbar mit der Zugehörigkeit zur Universität.

Berufs- und Wirtschaftspädagogin Miriam Buse leitet an der Uni Osnabrück das Forschungsprojekt "#Ibelong". Foto: Miriam Buse


Und was macht ein Gefühl der Zugehörigkeit mit den Studenten?

Ein höheres Zugehörigkeitsgefühl steigert die Lernmotivation und die Leistungsbereitschaft der Studierenden für das Studium. Studierende, die sich mit ihrer Universität identifizieren, beenden somit ihr Studium häufiger erfolgreich und haben ein höheres Selbstwirksamkeitsgefühl. Sie sind auch eher dazu bereit, sich über das Studium hinaus an ihrer Universität zu engagieren. Dem steht aber häufig eine hohe Distanz zu den Lehrenden sowie eine Unklarheit über den Studienverlauf oder die Klausurvorbereitung entgegen. Lehrende wissen häufig auch kaum, was die Studierenden in ihrem Studienalltag beschäftigt.

Was ist das Ziel Ihres Forschungsprojekts?

Bestimmte gesellschaftliche Gruppen streben häufiger eine Hochschulbildung an als andere. Diese Gruppen prägen wiederum die Hochschulen auch stärker. Nur langsam beobachten wir hier einen Wandel. Studierende mit Migrationserfahrung oder mit nicht-akademischem Bildungshintergrund haben es deswegen schwerer, sich die Gepflogenheiten der Universität anzueignen. Daraus resultieren Bildungsungleichheiten, welchen wir mit dem Projekt begegnen möchten.

Die Uni Osnabrück erhält 80.000 Euro Fördermittel für das Forschungsprojekt. Was genau passiert mit dem Geld?

Im Vordergrund des Projekts steht der internationale Austausch über die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls an der Universität. Beispielsweise sollen "Dialogtage" einen stärkeren Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden ermöglichen. Zum anderen schulen wir die Lehrenden, um sie für die vielfältigen Hintergründe der Studierenden zu sensibilisieren. 

Außerdem wird ein sogenanntes "Community Mentoring" angeboten: Hier werden erfahrene Studierende zu Mentoren ausgebildet, die dann Neustudierende bei ihrem Studienbeginn begleiten. Wir wollen insgesamt besser verstehen, wie wir den Studierenden dabei helfen können, ihre vielfältigen Herausforderungen im Alltag besser zu bewältigen.


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