Musikalische Daseinsreflektion Winnetou-Sound mit Gitarrist Claus Boesser-Ferrari in Osnabrück

Magier an der Gitarre: Claus Boesser-Ferrari im Lutherhaus. Foto: André  HavergoMagier an der Gitarre: Claus Boesser-Ferrari im Lutherhaus. Foto: André Havergo

Osnabrück. Claus Boesser-Ferrari spielte im Lutherhaus in Osnabrück seine ganz eigenen Interpretationen der Musik, die Martin Böttcher einst für die Karl-May-Filme komponierte.

Der Mann im Scheinwerferlicht klopft mit seinen Fingern auf dem Korpus seiner Gitarre herum. Es hört sich an, als galoppierte Winnetou mit Old Shatterhand durch die Weiten der Prärie. Ohne Pause wechselt der Musiker vom Perkussiven zu einer romantischen Melodie. Spielt er das Liebesthema von Nscho-tschi, der Schwester von Winnetou, die sich in den weißen Blutsbruder des Häuptlings verliebt hat? Auch wenn die musikalischen Zitate aus dem Oeuvre des Komponisten Martin Böttcher eher zart eingestreut werden, schwelgt manch ein Karl-May-Fan im Lutherhaus in seiner Faszination für Mays spannende Indianergeschichten.

Was ist geschehen? Nun, das Karl-May-Fieber ist in Osnabrück ausgebrochen. Anlässlich der Ausstellung „Blutsbrüder“ im Kulturgeschichtlichen Museum, die den Mythos Karl May beleuchtet, erinnern sich viele Menschen an ihre Kindheit, an die Bücher, die sie verschlangen, und die Filme, die sie begeisterten. „Sich mit Karl May zu beschäftigen, ist eine Art Daseinsreflektion“, sagt denn auch der renommierte Gitarrist Claus Boesser-Ferrari.

Winnetou-Album

Im vergangenen Jahr hat er zusammen mit seinem Kollegen Adax Dörsam ein Album mit dem Titel „The Winnetou Tapes“ aufgenommen. Den Tribut an die Musik Böttchers, der die Soundtracks für die Winnetou-Filme geschrieben hat, kannte Uni-Professor Andreas Brenne, der die Ausstellung mitkuratierte. Daher lag es nahe, den Gitarristen Boesser-Ferrari, der beim hiesigen Label Acoustic Music Records unter Vertrag ist, zur Eröffnung der Schau nach Osnabrück einzuladen. Mit seinen eigenwilligen Interpretationen der Filmmusiken eröffnete der Musiker zunächst die Indianer-Schau im Museum, um am folgenden Abend ein komplettes Konzert im Lutherhaus zu spielen.

„Die Böttcher-Melodien wurden zu Bestandteilen unserer biografischen Tonspuren“, erklärt Boesser-Ferrari. So geht es ihm offenbar auch mit der Rock- und Popmusik der 60er-Jahre. Denn in seinem Konzert verbindet der Gitarrist die Musik der Beatles, von Pink Floyd und die Songs von Fleetwood Mac mit Themen aus Liedern von Kurt Weill. 

Effekte mit Hall und Echo

Dabei behandelt er die sechs Stahlsaiten seiner Gitarre wie kein anderer. Pfeilschnell mixt er brisant-dynamisches Akkordspiel mit sanften Solotönen, seine Gitarre stöhnt und ächzt bisweilen kläglich, er nutzt Hall und Echo als Effekte, lässt mal das Bottleneck über die Bünde gleiten oder sein Instrument erdig-verzerrt wie eine Dobro klingen. Zwei Zyklen ohne Zwischenstopp spielt er und fügt immer mal dezent eine Winnetou-Melodie in sein unvergleichbar abwechslungsreiches Spiel ein. Mit dem wunderschönen Track „In A Quiet Place“ aus dem Marc-Johnson-Album „The Sound Of Summer Running“ verabschiedet sich Claus Boesser-Ferrari.


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