Versorgungslücke geschlossen Übergangslösung für Osnabrücker Hebammenzentrale gefunden

Von PM, Corinna Berghahn und Sebastian Philipp

Der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück bietet ab sofort Hilfestellung für Schwangere und junge Mütter. Das neue Angebot stellten jetzt vor (von links): Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes für Landkreis und Stadt Osnabrück, Landrat Michael Lübbersmann, Corinna Lange, Nicole Pottharst und Minaz Khalaf  vom Gesundheitsdienst. Foto: Landkreis Osnabrück/PentermannDer Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück bietet ab sofort Hilfestellung für Schwangere und junge Mütter. Das neue Angebot stellten jetzt vor (von links): Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes für Landkreis und Stadt Osnabrück, Landrat Michael Lübbersmann, Corinna Lange, Nicole Pottharst und Minaz Khalaf vom Gesundheitsdienst. Foto: Landkreis Osnabrück/Pentermann

Osnabrück. Ende 2018 hat die Hebammenzentrale Osnabrück ihre Vermittlungstätigkeit eingestellt. Landkreis und Stadt Osnabrück wollen nun die Versorgungslücke schließen. Bis zur Etablierung eines festen Angebots bietet der gemeinsame Gesundheitsdienst eine Zwischenlösung an.

Schwangere und junge Mütter können sich künftig direkt an den Gesundheitsdienst wenden. Zunächst ist dies nach Angaben des Landkreises via E-Mail an hebammenzentrale@landkreis-osnabrueck.de und telefonisch unter 0541/501-3333 möglich. Über die neue Telefonnummer und Mailadresse gibt der Gesundheitsdienst Hilfestellungen und vermittelt gegebenenfalls an eine Hebamme. Das Telefon ist montags, mittwochs und freitags jeweils von 9 bis 11 Uhr sowie mittwochs zusätzlich von 14 bis 15.30 Uhr besetzt. 

Kommunal geförderte Zentrale

„Der Gesundheitsdienst wird in der Zwischenzeit ein Konzept für eine langfristig tragfähige kommunal geförderte Hebammenzentrale erarbeiten, in der die Vermittlung und weitere Aufgaben wie zum Beispiel die Netzwerkarbeit von angestellten Hebammen wahrgenommen wird“, wird Landrat Michael Lübbersmann in einer Pressemitteilung des Landkreises zitiert.

Zu den Aufgaben von Hebammen gehören etwa die Ausstellung des Mutterpasses, die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen sowie die Hilfestellung bei Geburtsvorbereitungen. Dazu werden Gebärende bei der Geburt unterstützt. Bei Wöchnerinnen geht es insbesondere um die Hilfe bei psychosozialen Problemen und die Beobachtung der Rückbildungs- und Abheilungsvorgänge. Zudem werden stillende Mütter beraten.

Recht auf Hebamme

Jede Schwangere, Gebärende, entbundene oder stillende Frau kann in Deutschland Hebammenhilfe in Anspruch nehmen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Privatversicherte müssen sich über ihre Leistungsansprüche bei ihrer Krankenkasse informieren.
Hebamme gilt als einer der ältesten Frauenberufe. Arbeitet ein Mann in dem Berufsstand, wird er in Deutschland „Entbindungspfleger“ genannt. Laut Hebammengesetz kann eine Hebamme eine normal verlaufende Geburt alleine leiten. Ein Arzt dagegen darf eine Frau nur in Notfällen ohne eine Hebamme entbinden. Diese Hinzuziehungspflicht gibt es nur in Deutschland. Sie gilt übrigens auch bei einem Kaiserschnitt. (cob)

Hebammenmangel in und um Osnabrück

Der Mangel an Hebammen in Stadt und Landkreis Osnabrück habe sich zum ersten Mal eklatant im vergangenen Sommer gezeigt, als die vermittelnde Hebammenzentrale Osnabrück zum ersten Mal seit ihrer Gründung geschlossen blieb, weil keine Hebamme Zeit hatte. Seitdem die Hebammenzentrale Ende des vergangenen Jahres komplett eingestellt wurde, sei dieser Mangel noch stärker zu spüren gewesen, berichten Hebammen im Gespräch mit unserer Redaktion immer wieder. (Weiterlesen: Wer hilft, wenn Schwangere in Osnabrück keine Hebamme finden?)

Grenze der Belastbarkeit überschritten

Für den hinter der Hebammenzentrale stehenden Verein habe sich keine andere Möglichkeit als die Auflösung geboten, sagte uns damals Hebamme Arezou Alipour: "Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht: In jüngerer Zeit gab es durch Wegzug und Schwangerschaften immer weniger Mitglieder."

Bis zu ihrer Einstellung reichte ein Anruf, und eine dort ehrenamtlich tätige Hebamme schaute in der Kartei nach, wer von den Mitgliedern zu der Zeit Kapazitäten hat und dorthin fährt, wo eine Betreuung benötigt wird. Oftmals fand sich so sogar noch eine Hebamme für Mütter, die sich erst nach der Geburt des Kindes nach einer umgesehen haben. 


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