Die Fallen des Songwriting Viviane Kudo im Interview vor ihrem Auftritt in Osnabrück

Viviane Kudo mit ihrem Duopartner Jo Schultz. Foto: Manfred PollertViviane Kudo mit ihrem Duopartner Jo Schultz. Foto: Manfred Pollert

Osnabrück. Zusammen mit dem Musiker Jo Schultz hat sie bereits vier Alben mit wunderschönen Songs aufgenommen: Viviane Kudo. Anlässlich eines Auftritts in Osnabrück erzählt die Sängerin im Interview von neuen Liedern, authentischen Texten und japanischen Wurzeln.

Viviane Kudo, Ihr letztes Album „Little Detours“ erschien vor mehr als zwei Jahren. Dürfen Ihre Fans darauf hoffen, dass Sie bald neues Material veröffentlichen?

Oh ja, mein Duo-Partner Jo Schultz und ich haben bereits einige neue Songs in der Schublade. Tatsächlich planen wir, noch in diesem Jahr unser fünftes Album aufzunehmen.  

Die meisten deutschen Künstler singen mittlerweile deutsche Texte. Sie singen bislang alles auf Englisch. Haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, auf deutsche Texte umzusteigen?

Tatsächlich haben wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt, als wir vor einiger Zeit bei großen Plattenfirmen angeklopft haben, um zu erfahren, ob bei denen nicht eventuell Interesse besteht, uns unter Vertrag zu nehmen. Wir bekamen eine interessante Antwort: Unsere Musik sei ganz toll, nur müssten wir Deutsch singen, dann würden sie uns sofort nehmen. Der Markt sei heute ausschließlich auf deutsche Texte fixiert. Im Endeffekt kam das aber für uns nicht in Frage. Mir liegt die deutsche Sprache nicht, sie ist umständlich und schränkt mich in meiner Melodieführung zu sehr ein. Englisch ist da doch sehr viel kompakter und griffiger. Außerdem treten wir nicht nur im deutschsprachigen Raum auf. Im Ausland funktioniert Englisch nun mal viel besser.

Wohin haben Ihre Konzertaktivitäten Sie denn bereits geführt?

Unter anderem sind wir in Israel und Ägypten aufgetreten, mit der International Guitar Night sind wir mit Peter Finger und anderen Musikern nach Frankreich gereist. Zudem waren wir in den Niederlanden und Österreich. Das waren großartige Live-Erlebnisse, die wir vermutlich nicht gehabt hätten, wenn wir nur mit deutschen Texten arbeiteten.

Jetzt treten Sie in Peter Fingers Lutherhaus auf. Werden Sie dort auch neue Songs spielen?

Ja, wir haben vier - vielleicht sogar fünf - neue Lieder, die auf der Setliste stehen. Außerdem werden wir noch etwas Neues ausprobieren: Bei einigen Songs wird uns die Sängerin Gisa Wilfarth als Chorsängerin begleiten.

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Songs?

Ich glaube, dass man authentische Songs nur schreiben kann, wenn man emotional involviert ist. In unseren Texten steckt immer etwas Eigenes, Persönliches von mir oder Jo. Das neue Material ist zum Teil von einer Reise geprägt, die Jo Anfang im letzten Jahr in den Irak geführt hat. Er hat dort im Auftrag von terre des hommes in einem Flüchtlingslager einen Musik-Workshop gefilmt, den die syrisch-amerikanische Sängerin Dima Orsho für traumatisierte Kinder durchgeführt hat. Als Jo zurückkam, war er von den Eindrücken, die er dort gesammelt hat, tief berührt und auch geschockt. Ich habe mich von seinen Erzählungen »anstecken« lassen und kurze Zeit später haben wir begonnen, das Erlebte in Lieder zu fassen.

Wie gehen Sie dabei vor? Schreibt einer den Text, der andere die Musik, oder arbeiten Sie gemeinsam daran?

In der Regel schreibt einer von uns einen Text und hat vielleicht auch schon eine passende Melodie dazu im Kopf. Dann setzen wir uns zusammen und feilen daran herum, bis alles stimmig ist.

Sie haben fernöstliche Wurzeln: Ihre Mutter stammt aus Japan. Macht sich das in Ihrer Musik bemerkbar?

Nein. Obwohl ich bis zu meinem 16. Lebensjahr regelmäßig in die Heimat meiner Mutter gereist bin, hat mich zunächst eher die europäische Klassik beeinflusst. Mein Vater war bis zu seiner Pensionierung Mitglied des Osnabrücker Symphonieorchesters, meine Mutter ist klassische Konzertpianistin. Meine beiden älteren Brüder und ich haben zuhause musiziert, wir haben mit allen Familienmitgliedern Hausmusik gemacht. Ich selbst habe zunächst Violine, dann Klavier und Gitarre gelernt. Nach dem Abitur habe ich dann am Institut für Musik hier an der Hochschule studiert und mich der Popmusik und dem Songwriting zugewandt.

Mit Jo Schultz haben Sie einen Musikerpartner gefunden, den man eigentlich aus einem anderen Kontext, nämlich als Mitglied der Angefahrenen Schulkinder kennt. Wie erklären Sie sich die offensichtliche Harmonie zwischen zwei so unterschiedlichen Charakteren?

Vermutlich ist gerade der scharfe Kontrast zwischen uns beiden der Grund, warum wir so gut zusammenarbeiten. Musikalisch ergänzen wir uns hervorragend, andererseits schaffen wir gegenseitig eine Distanz zu dem, was wir kreieren. Wenn Jo mir etwas vorspielt, sage ich ihm ganz offen, was mir gefällt und was nicht – und umgekehrt. So entgehen wir den Fallen, in die man tappt, wenn man allein arbeitet.


Viviane Kudo live: 25. Januar, 20 Uhr Lutherhaus. 

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