Masterplan Innenstadt So könnte die Osnabrücker City in 20 Jahren aussehen

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Mit dem Masterplan Innenstadt: (von links) Steffen Wörsdörfer Büro (Machleidt), Stadtplanerin Helma Pötter und Stadtbaurat Frank Otte. Foto: Jörn MartensMit dem Masterplan Innenstadt: (von links) Steffen Wörsdörfer Büro (Machleidt), Stadtplanerin Helma Pötter und Stadtbaurat Frank Otte. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Noch mehr Baustellen in Osnabrück? Wenn es nach dem Willen der etwa 200 Bürger geht, die an dem Masterplan Innenstadt mitarbeitet haben, wird in den nächsten 20 Jahren an vielen Ecke der City gebaut.

Vor knapp zwei Jahren haben sich Stadtplaner, Politiker und fast 200 Osnabrücker Bürger gemeinsam auf den Weg gemacht, einen großen Plan für die Entwicklung der Innenstadt zu entwerfen. Die Arbeit ist getan, der Plan ist so gut wie fertig und soll am Mittwoch, 13. Februar, ab 19 Uhr im Ratssitzungssaal der Öffentlichkeit vorgestellt werden. "90 Prozent der Ideen sind konkret umsetzbar", sagte Stadtbaurat Frank Otte am Mittwoch in einem Pressegespräch. Der Masterplan sei ein "pragmatischer Handlungsrahmen", der nun der Politik vorgelegt werde, um dann die konkrete Umsetzung in Angriff zu nehmen.

Der Blick richtet sich auf den Stadtkern innerhalb des Wallrings. Den Bürgern seien die öffentlichen Räume und Plätze besonders wichtig gewesen, sagte Stadtplanerin Helma Pötter. Die meisten Plätze seien heute vom Verkehr dominiert, stark versiegelt und mit geringer Aufenthaltsqualität. So widmeten sich die Bürger-Planer dem Ledenhof, der in der Prioritätenlisten der Stadt weit oben steht und in den kommenden Jahren umgebaut werden soll. Der Raiffeisenplatz unweit des Bahnhofs ist im laufenden Planungsprozess schon neu gestaltet worden. 

Vom Altstadtbahnhof in die City? Foto: Jörn Martens

Hasetor und Bischofsgarten

Große Pläne entwickelten die Bürger für das Viertel am Hasetor/Altststadtbahnhof/Herrenteich. Die Idee ist, die Hase, den Herrenteichswall, den bischöfliche Garten, Teile der Altstadt und den Bahnhof als Tor zur Altstadt zu einem attraktiven Quartier zu zusammenzuführen. Mit dem vierspurigen Wall und der großen Hasetor-Kreuzung ist das nicht vereinbar. Also legen die Planer den Verkehr in einen Tunnel, der am Nonnenpfad beginnen und am Hasetor enden soll. Oben könnte ein Platz mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen, Fußgänger und Radfahrer könnten direkt den Bahnhof erreichen. Der Busverkehr würde nicht durch die Röhre, sondern oberirdisch über eine eigene Spur geführt.

Parkplatz am Haarmannsbrunnen. Hier wäre Platz für einen Neubau. Foto: Jörn Martens

Berliner Platz und Haarmannsbrunnen

Insbesondere der westliche Wallring bietet nach Meinung der Workshop-Teilnehmer erhebliches Potenzial. Stadtbaurat Otte sprach von "Hochpunkten", die entlang des Walls platziert werden könnten. Hochpunkte – das sind im Planerdeutsch markante Gebäude oder Hochhäuser, die über die Bebauung der Umgebung herausragen.

Parkplatz am Berliner Platz. Für dieses Areal gibt es bereits konkrete Pläne. Foto: Jörn Martens

Platz für solche Hochpunkte wäre am Haarmannsbrunnen, am Berliner Platz, für den es bereits konkrete Entwürfe gibt, auf dem Stresemann-Platz und auf der dreieckigen Fläche vor dem Gewerkschaftshaus (in der Nähe des Bahnhofs). Die Flächen sind in städtischem Besitz und werden heute als Parkplätze genutzt. Investoren können sich schon mal warmlaufen – vorausgesetzt, die Politik stimmt zu, diese Flächen an den Markt zu bringen.

Stresemann-Platz. Ein Dreieck mit Entwicklungspotenzial. Foto: Jörn Martens

Die Nachverdichtung sei ein großes Thema in den Workshops gewesen, sagte Otte, obwohl Osnabrück "so gut wie keine Baulücken" habe. Es gebe aber Innenhöfe, die für Wohnungsbau genutzt werden könnten. In den Workshops sei intensiv darüber diskutiert worden, wie eine Nachverdichtung gestaltet sein müsste, um eine zu große Versiegelung zu vermeiden und das Stadtklima zu schützen.

Kosten von 75.000 Euro

Der Planungsprozess kostete 75.000 Euro. Den Anstoß hatte der Stadtrat 2014 gegeben. Zugleich mit dem Beschluss über den Bau des Einkaufszentrums am Neumarkt erteilte der Rat der Verwaltung den Auftrag, auch die anderen Quartiere in der Innenstadt unter die Lupe zu nehmen. In Kooperation mit dem Büro für Stadtplanung Machleidt in Berlin und dem Landschaftsarchitekturbüro Sinai fanden zwei Werkstattrunden statt, an denen jeweils etwa 100 Bürger teilnahmen.

Eigenleben ohne Bindung zur City

Als weitere Grundlage der Masterplanung diente eine Ist-Analyse, die Stadtplaner Benjamin Will vom Büro Machleidt 2017 erstellt hatte. Wille identifizierte innerhalb des Wallrings zehn Quartiere mit unterschiedlichen Charakteren. Besonders großes Entwicklungspotenzial erkannte er im Dom-Viertel und im Dreieck zwischen Hase und Remarque-Ring (mit Domschule und Iduna-Hochhaus). Den Bischofsgarten an der Hase stufte er als "verborgenen Schatz" ein. Er schlug auch vor, mit dem Bistum über eine Öffnung zu bestimmten Tageszeiten zu sprechen. 

Der Hafen, das Justizviertel, der Hauptbahnhof, das KME-Werk oder das Quartier am Marienhospital führen nach dieser Bestandsanalyse jeweils ein Eigenleben ohne Bindung an die Innenstadt. Es lohne sich, darüber nachzudenken, wie diese Bereiche etwa durch attraktive Rad- und Fußwege oder begrünte Plätze „erlebbar gemacht“ werden könnten, sagte Wille zum Start des Beteiligungsprozesses.

Hier sind die Workshop-Ergebnisse dokumentiert


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