Zunehmende Probleme Schimmeln die Osnabrücker Kirchen?

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Archivfoto: Michael HehmannArchivfoto: Michael Hehmann

Osnabrück. Sind die Kirchengebäude in Osnabrück und Umgebung zunehmend von Schimmelbefall bedroht? Ein Experte sagt: tendenziell ja. Die Verantwortlichen beruhigen: alles im grünen Bereich.

Professor Klaus Niehr ist Kunsthistoriker an der Universität Osnabrück. Er sagt: „Es ist ein Problem, dass Kirchen immer weniger genutzt werden und dementsprechend länger geschlossen sind. Da kann es zu Schimmelbefall kommen, der dann auch später bemerkt wird.“ Seiner Meinung nach ein Phänomen, das in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen hat, vor allem bei kleineren Dorfkirchen auf dem Lande.

Orgeln sind besonders anfällig

Besonders betroffen sind die empfindlichen Orgeln. Die unterschiedlichen Feuchtigkeitsgrade der Luft, die durch die Pfeifen geht, begünstigt die Ansiedlung von Schimmelsporen. Die hannoversche Landeskirche hat 2016 eine eigene Empfehlung zum Umgang mit schimmelnden Orgeln an ihre Gemeinden herausgegeben.

In der Region Osnabrück ist die Lage halb so schlimm, sagen jedenfalls die zuständigen Stellen. Detlef Abel, Leiter des Amts für Bau- und Kunstpflege, zuständig für die evangelischen Kirchenkreise Bramsche, Emsland-Bentheim, Melle-Georgsmarienhütte und Osnabrück, bestätigt aber: „Wir stellen fest, dass wir es vermehrt mit Schimmel zu tun haben. Die Problematik steigt.“ Er führt das auch auf den Klimawandel mit längeren, trockenen Sommern und kürzeren, feuchten Wintern zurück.

Probleme in Marienkirche

„Wir halten die Gemeinden an, über Datenlogger das Innenklima langfristig zu prüfen“, erläutert Abel. Probleme gebe es, wenn das Gerät dauerhaft Werte unter 45 oder über 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit melde. Die Einflussfaktoren sind zahlreich, auch eine Vermischung verschiedener Probleme ist möglich. So trat auf einem Altarbild der Marienkirche Osnabrück ein Pilz in Verbindung mit Staub auf, allerdings nur in marginalem Umfang. Probleme gab es zuletzt etwa in der Petrikirche in Melle, die weiterhin unter Beobachtung steht.

Auch Hermann Haarmann, Pressesprecher des katholischen Bistums Osnabrück, räumt ein, dass es Einzelfälle von schimmelnden Kirchbauten gebe: „Aber das ist keine völlig neue Erscheinung, sondern ein natürlicher Prozess.“ Haarmann schätzt, dass etwa fünf Prozent der 250 Kirchen im Bistum betroffen seien. Vor einigen Jahren hatte es die Sakralbauten St. Johannis in Glandorf und St. Joseph in Osnabrück erwischt. In St. Joseph passierte etwas, was nach Haarmanns Angaben häufiger vorkommt: Der Schimmel trat nach Baumaßnahmen auf. „Frische Farbe bringt viel Feuchtigkeit in den Raum.“ In solchen Fällen werde eine Baubiologin hinzugezogen, die den Pilz identifizieren kann. Mittels Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung bekomme man das Problem meist in den Griff, so Haarmann. Auf chemische Mittel verzichte man.

Keine Gesundheitsgefahr

In der Bistumsverwaltung sieht man eine Ursache von Schimmel darin, dass die Luft insgesamt saurer geworden sei. Gesundheitsgefahr bestehe aber nicht: „In häuslichen Wohnungen ist im Vergleich mehr Schimmel“, so Hermann Haarmann. Kunsthistoriker Niehr betont ebenfalls: „Es ist nicht so, dass Kirchen schließen müssten.“


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