Jugend musiziert aus Lehrersicht Regionalwettbewerb in Osnabrück: Das ist immer aufregend

Von Jan Kampmeier


. Jedes Jahr spielen unzählige Kinder und Jugendliche bei Jugend musiziert. Am Sonntag fand wieder die erste Runde statt, der Regionalwettbewerb. Wir haben die Cellolehrerin Christiane Gleisner begleitet.

Seit über 20 Jahren schon erlebt Christiane Gleisner den größten deutschlandweiten Jugend-Musikwettbewerb aus der Perspektive der Cellolehrerin mit, Jahr für Jahr meldet sie einige Schüler bei Jugend musiziert an. „Viele möchten das wahnsinnig gerne, und dann unterstütze ich sie natürlich auch. Das Schöne ist, sie üben dann viel intensiver und lernen viel dabei.“

Anspielen

Da die Kleinsten zuerst dran sind, spielen vier ihrer Schüler direkt hinter einander, gleich zu Beginn. Um zehn Uhr geht’s los, doch Christiane Gleisner hat ihre Schüler schon eine halbe Stunde früher bestellt. „So früh seid ihr schon aufgestanden“, begrüßt sie die Kleinen, „seid ihr denn schon ausgeschlafen?“ Doch viel Zeit verliert sie nicht, denn jedem bleiben nur ein paar Minuten, um noch einmal den Anfang aller Stücke anzuspielen.

Auf einem winzigen Kinderstuhl sitzt Christiane Gleisner neben der Tür und hört zu, wie die zehnjährige Lisette Gambietz spielt. Die wirkt konzentriert, aber nicht sehr aufgeregt. Sie lernt ihr Instrument schon seit ein paar Jahren, hat einen kräftigen Ton und gute Intonation. Dann stimmt Christiane Gleisner das winzige Cello der kleinen Mariella Wolf, die gemeinsam mit ihrer Schwester Chiara am Klavier spielt. Mariella ist erst sechs Jahre alt und sagt die ganze Zeit kein Wort, doch sie spielt geradezu unerhört sicher und außerdem ihr komplettes Programm auswendig. „Jetzt noch Leonard“, sagt Christiane Gleisner und rückt ihm den Notenständer zurecht, es ist bereits kurz vor zehn. Der siebenjährige Leonard Sofianos entpuppt sich als echter Draufgänger am Cello. „Siehst du, da bist du doch gut hingekommen, in die hohe Lage.“

Auf der Bühne

Dann wird es ernst. „Das ist immer aufregend“, sagt Christiane Gleisner und trägt den kleinen Stuhl für Mariella auf die Bühne. Kaum hat die den letzten Ton gespielt, stürmt Christiane Gleisner aus dem Raum, um rasch auf dem Flur das Cello für Leonard zu stimmen. Auch Paula Wasmuth ist inzwischen eingetroffen. Es war nicht sicher, ob sie spielen kann, denn sie war in der Woche zuvor krank. „Schön, dass es dir besser geht und dass du auch spielst“, freut sich ihre Lehrerin.

Nach den Wertungsspielen ist sie sehr zufrieden mit ihren kleinen Schülern, wuschelt ihnen kurz durchs Haar, tätschelt ihnen die Schulter und meint: „Jetzt könnt ihr auch endlich wieder was anderes spielen.“

Überzeugend

Am Abend stellt sich heraus, dass ihre jungen Cellisten auch die Jury überzeugt haben. Alle vier haben erste Preise erhalten. Lisette, die eine Altersgruppe höher eingestuft war, wird mit ihren 23 Punkten sogar weitergeleitet zum Landeswettbewerb, und Mariella erhielt wie ihre Schwester die Höchstwertung von 25 Punkten. „Sie werden auch beim Preisträgerkonzert spielen, da freue ich mich drauf. Mal sehen, wie die Kinder weitermachen in den nächsten Jahren“, meint Christiane Gleisner, „das ist immer spannend.“


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