Runder Tisch gescheitert? Bund Osnabrücker Bürger fordert Neubewertung der Entlastungsstraße West

Sebastian Philipp und PM

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OS: über die Sinnhaftigkeit  die "Berliner Kissen", wie hier an der Gluckstr., ist erneut eine Diskussion entstanden. 16.01.2019. Foto: Gert WestdörpOS: über die Sinnhaftigkeit die "Berliner Kissen", wie hier an der Gluckstr., ist erneut eine Diskussion entstanden. 16.01.2019. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) fordert eine Wiederaufnahme der Diskussion um die sogenannte Entlastungsstraße West. Das Konzept des "Runden Tisches" zur Verkehrsberuhigung am Westerberg sei vermutlich gescheitert, zudem mit veränderten Rahmenbedingungen zu rechnen.

Vor rund fünf Jahren sprachen sich die Osnabrücker bei einer unverbindlichen Bürgerbefragung mit knapper Mehrheit gegen den Bau der Entlastungsstraße West aus. Geht es nach dem BOB, soll die Diskussion nun ergebnisoffen mit Befürwortern und Gegnern wiederaufgenommen werden. 

Berliner Kissen werden abgebaut

Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr: In der vergangenen Woche wurde der Abbau der sogenannten Berliner Kissen auf der Gluckstraße und der Händelstraße beschlossen, die eigentlich als Teil des Plans zur Verkehrsberuhigung am Westerberg dienen sollten. Allerdings waren sie von Anfang an umstritten – beispielsweise verhindern sie eine rüttelfreie Anfahrt von Rettungswagen zum Klinikum.

Foto: Gert Westdörp

Durch die Berliner Kissen seien die Durchschnittsgeschwindigkeiten zwar von 38 auf 36 Kilometer pro Stunde reduziert worden, heißt es in einer am Montag versendeten BOB-Pressemitteilung. Dennoch sei es nicht zu einer deutlichen Reduktion der Verkehrsmenge gekommen, da eine Nord-Südtangente durch die Stadt weiterhin fehle. 

Berliner Kissen

Verursachen das Abbremsen und Anfahren zusätzlich Lärm?  
Der Abstand zwischen den Kissen ist nach Angaben der Verwaltung so gewählt, dass die Autofahrer zu gleichmäßiger Fahrt veranlasst werden. Mit Tempo 30 könnten die Kissen problemlos überfahren werden. Zusätzlicher Lärm entstehe nicht. Die Oberfläche der Kissen habe eine Lärm mindernde Beschaffenheit.
Fahren die Autofahrer langsamer?
Vor und während der Testphase im Winter 2016/2017 mit vier Kissen auf dem Lieneschweg ließ die Stadt die Geschwindigkeiten messen. Die sogenannte v85-Geschwindigkeit (die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der Autofahrer unterschritten wurde), betrug vor dem Aufbringen der Kissen 38 km/h. Mit Kissen sank die v85-Geschwindigkeit auf 36 km/h. "Es bleibt festzuhalten, dass die gleichmäßigen Abstände der Kissenpaare zu einem gleichmäßigen Geschwindigkeitsniveau führen", heißt es in der Bilanz der Verwaltung.
Wird der Verkehr weniger werden?
Vor und während der Testphase passierten 8300 Pkw binnen 24 Stunden den Lieneschweg. Die Testkissen hatten also keinen Einfluss auf die Verkehrsmenge. Allerdings war auch nur ein kurzer Abschnitt von etwa 500 Metern mit den Bremsbuckeln bestückt.
Beeinträchtigen die Kissen den Busverkehr?
Die Stadtwerke haben Testfahrten mit einem Solobus (Länge 12 m) und einem Gelenkbus (18 m) unternommen. Störungsfrei ist die Überfahrt nicht, da die hinteren Zwillingsreifen die Kissen überfahren. Das Überholen von langsamen Radfahrern ist erschwert. Fazit der Stadtwerke: Die Kissen mindern die Beförderungsqualität.

Anwohner, Verkehrsexperten, Interessenvertreter und Politiker hatten sich im Rahmen eines Runden Tisches über die Bremsbuckel und weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung verständigt. In der Pressemitteilung bezeichnet BOB das Konzept des Runden Tisches jetzt "eher als gescheitert".

Diskussion um Stickoxidgrenzwerte

Der BOB-Vorstoß, die Entlastungsstraße West (ESW) wieder zur Diskussion zu stellen, hat laut Mitteilung aber noch weitere Gründe: Zwar bestünden erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der derzeitigen Stickoxidgrenzwerte, diese seien aber rechtsverbindlich und strafbewehrt. Ergebnisse aus anderen Städten hätten gezeigt, dass Fahrverbote und vermehrte E-Mobilität nicht zwingend geeignet sind, Immissionen effektiv zu senken. 

Auch die Ergebnisse des geplanten Umweltsensitiven Verkehrsmanagements in Osnabrück seien völlig offen, zumal die mögliche Neumarkt-Schließung zu schwer zu kalkulierbaren Verdrängungseffekten der Verkehre im innerstädtischen Bereich führen werde.

In der Mitteilung heißt es weiter:

"Aus den Untersuchungen zur Entlastungsstraße West wissen wir, dass diese Nord-Südtangente den Wall und die Innerstädtischen Bereiche entlasten wird."BOB-Pressemitteilung

Schon im Masterplan Mobilität 2010 sei festgehalten, dass eine Neumarktsperrung ohne ESW kaum realisierbar ist. "Die neuen Baugebiete am Klinikum und auf dem Gebiet der alten Westumgehung warten ebenfalls auf die Erschließung. Es ist der Wunsch aller politischen Parteien, den Radfahrverkehr in Osnabrück zu stärken: Auch eine Fahrradstadt wie Groningen funktioniert nur mit einem äußeren und inneren Verkehrsring."

BOB fordert außerdem, die Notwendigkeit eines geschlossenen inneren Rings zu prüfen und neu zu bewerten.


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