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Rothenfelderin fordert Lübbersmann heraus Grüne wählen Anna Kebschull zur Landratskandidatin

Anna Kebschull ist die neue Landratskandidatin der Grünen im Landkreis Osnabrück. Foto: Jean-Charles FaysAnna Kebschull ist die neue Landratskandidatin der Grünen im Landkreis Osnabrück. Foto: Jean-Charles Fays

Osnabrück. Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Kreistag, Anna Kebschull, ist am Freitagabend bei einer Kreismitgliederversammlung in den Räumen der Bundesfriedensstiftung in Osnabrück zur Landratskandidatin gewählt worden. Die unabhängigen Landratskandidaten Frank Vornholt und Horst Baier werden von der Öko-Partei somit nicht unterstützt.

Die Chemie-Ingenieurin und Inhaberin von drei Nachhilfeschulen aus Bad Rothenfelde hatte keinen Gegenkandidaten bei der Kreismitgliederversammlung. Von 54 anwesenden Grünen-Mitgliedern votierten 51 für die Landratskandidatin Kebschull, zwei enthielten sich ihrer Stimme und ein Mitglied stimmte gegen sie.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr in 30 bis 45 Minuten in Osnabrück

Die Landratswahl findet parallel zur Europawahl am 26. Mai statt. Die 45-Jährige sieht als wichtigstes Thema ihres Wahlkampfs „den Aufbau eines serviceorientierten öffentlichen Nahverkehrs“. Sie erläuterte: „Von jedem Punkt im Landkreis sollen die Menschen mit dem öffentlichen Nahverkehr in 30 bis 45 Minuten in Osnabrück sein können.“ Wichtig sind ihr aber auch gut organisierte Querverbindungen in alle übrigen Orte im Landkreis.

Kebschull: Alle Kinder und Jugendlichen sollen beitragsfrei im Landkreis fahren dürfen

Im ersten Schritt strebt sie an, dass alle Kinder und Jugendlichen beitragsfrei im Landkreis fahren dürfen. Mittelfristig fordert sie auch, dass alle Bürger im Landkreis kostenlos mit Bus und Bahn fahren können. „Der öffentliche Nahverkehr reduziert den Individualverkehr, schont die Luft, erhöht die Teilhabe junger, alter und auch kranker Menschen.“ Die Attraktivität und Wirtschaftskraft auf dem Land könne so erhöht werden. Der öffentliche Nahverkehr könne komplett neu strukturiert und finanziert werden. Sie bezeichnete das als „riesige Chance für unsere Region“.

Wie soll das finanziert werden?

Wie das finanziert werden soll? Sie sprach von „Ewigkeits- und Klimafolgekosten“. Diese würden bislang in allen Kalkulationen sträflich ausgeblendet. Wenn diese künftig aber einkalkuliert würden, dann lohnt sich die Investition ihrer Überzeugung nach. Ein funktionierender und getakteter Nahverkehr reduziere die Autofahrten im Landkreis. Somit würden Energieverbrauch, Klimagase und Staus sowie auch die Straßenausbaukosten reduziert. Kebschull will im Wahlkampf auf ein klares grünes Profil setzen und schwörte die Mitglieder in ihrer Wahlkampfrede in der Bundesfriedensstiftung darauf ein: „Für Straßenbau ist immer Geld da. Wir müssen anders rechnen, denn die Klimafolgekosten fangen langsam, uns zu belasten und werden uns langsam auch auffressen.“ Darüber hinaus könnten auch die Erlöse aus dem Verkauf der RWE-Aktien in Höhe von voraussichtlich 42 Millionen Euro in die Neustrukturierung und den Aufbau des „serviceorientierten öffentlichen Nahverkehrs“ investiert werden.

Kritik am Landrat

Kebschull kritisierte, dass der Landkreis Osnabrück sich „als reglementierende und bevormundende Kraft aufspielt“. Der Landkreis werde aktuell „faktisch wie ein autokratisches System geführt“. Landrat Michael Lübbersmann (CDU) sei an öffentlichen Diskussion nicht interessiert. Auch in anderen Parteien werde das intern durchaus bereits kritisiert, sagt sie. Daher gab sie sich selbstbewusst, als grüne Landrätin auch den Rückhalt anderer Parteien zu bekommen und schon in den kommenden zwei Jahren „richtig etwas bewegen zu können“.

Wirtschaft ankurbeln, aber keine Flächen verbrauchen

Sie sprach sich „gegen ein Weiter so mit wachsendem Konsum und Müll“ aus. Die Wirtschaft solle angekurbelt werden, Flächen sollten dafür aber nicht weiter verbraucht werden. Zudem forderte sie, unbedingt mehr in das Thema Bildung zu investieren. „Bildung muss uns etwas wert sein. In den ersten acht Lebensjahren passiert am meisten.“ Bildung müsse an den Bedürfnissen der Schüler orientiert werden. „Da müssen wir sie stärker fördern“, betonte die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin im Kreistag. Insgesamt forderte sie mehr ganzheitliche Ansätze, denn all diese Themen könnten nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

Bundestagsabgeordnete Polat für die erste Landrätin des Landkreises Osnabrück

Anna Kebschull sagte bei einer Kreismitgliederversammlung der Grünen, dass sie als grüne Landrätin gerne dafür kämpfen will, dass die Menschen von jedem Punkt im Landkreis mit dem öffentlichen Nahverkehr in 30 bis 45 Minuten in Osnabrück sein können. Foto: Thomas Osterfeld

Die Bramscher Bundestagsabgeordnete der Grünen, Filiz Polat, beglückwünschte die Grünen-Landratskandidatin und will sie im Wahlkampf unterstützen, damit Anna Kebschull „die erste Landrätin des Landkreises Osnabrück wird“.


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