Studie zum Einzelhandel Gutachter: Osnabrück hat extremen Hang zum Schlechtreden

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Symbolfoto: Michael GründelSymbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Müssen wir uns Sorgen machen um die Anziehungskraft des Einzelhandels in Osnabrück? Nein, sagt Gutachter Martin Kremming. Die Zahlen seien solide. Der Hang, die Lage schlecht zu reden, sei aber "extrem" ausgeprägt.

Der Diplom-Georgraph von der Cima Beratung und Management GmbH in Hannover aktualisiert zurzeit im Auftrag der Stadt das Märkte- und Zentrenkonzept. Kremming kennt den Standort Osnabrück sehr genau. Er hat 2009 das erste Konzept von 2001 fortgeschrieben und zwischenzeitlich zwei Gutachten über die Verträglichkeit eines Einkaufszentrums am Neumarkt erarbeitet. Am Donnerstagabend informierte Kremming den Stadtentwicklungsausschuss über erste Ergebnisse der aktuellen Untersuchung und zog Vergleiche zum Märkte- und Zentrenkonzept von 2010.

Kein Grund zur Panik

Kremmings sagt: Die Lage ist stabil. Der Handel in der City und die Fachmarktzentren außerhalb der Innenstadt seien solide aufgestellt. "Es gibt keinen Grund zur Panik", so Kremming, aber auch keinen Anlass, die Hände in den Schoss zu legen. Vor allem einige Ergebnisse der Onlinebefragung lohnten einer genaueren Betrachtung.

Parallel zu Datenerhebungen und Experteninterviews hat das Cima-Team im Herbst vergangenen Jahres in der Innenstadt 497 Passanten befragt. An einer zeitgleichen Onlineumfrage beteiligten sich 1141 Menschen.

Die Ergebnisse zeigten eine insgesamt hohe Zufriedenheit der Kunden. Allerdings: In der Onlinebefragung gaben 58 Prozent an, dass sie heute weniger im stationären Handel in Osnabrück einkaufen als noch vor drei Jahren. Ein Drittel der Online-Teilnehmer lebt im Umland. 50 Prozent der Onliner gaben an, dass das Auto ihr bevorzugtes Verkehrsmittel beim Einkauf ist. 

Bei der Passantenbefragung auf der Straße ergab sich ein etwas anderes Bild. 80 Prozent der Teilnehmer leben in der Stadt. Von ihnen haben 23 Prozent weniger im stationären Handel eingekauft. Für 35 Prozent ist das Auto das bevorzugte Shopping-Verkehrsmittel, gefolgt von Rad (27 Prozent) und Bus (19 Prozent). Diesen Modal-Split (die Verteilung auf die Verkehrsträger) bewertete Kremming als "in Ordnung für eine Großstadt".

Parken ist für die Kunden kein Problemthema

Das Parkplatzangebot ist offenbar kein großes Thema bei den Kunden, wie Kremming meint: "Das Parken ist eher positiv genannt worden." Teilnehmer der Onlinebefragung beklagten Staus auf den Einfallstraßen, vor allem aus Richtung Norden. Kremmings Erklärung: Die Befragung fand im September und Oktober statt, als mehrere Baustellen den Verkehr lähmten und die Öffentlichkeit lebhaft über das Baustellen-Management in Osnabrück diskutierte. 

17 Prozent weniger Geschäfte 

Die Kaufkraft liegt laut Cima in Osnabrück fast genau im Bundesdurchschnitt und hat seit 2009 mit dem Bundesdurchschnitt Schritt gehalten. Die Verkaufsfläche in Osnabrück stieg seit 2009 um 1,2 Prozent auf 396.995 Quadratmeter. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe um 16,5 Prozent auf 1079 zurückgegangen. Dieser Rückgang sei "branchenüblich" und vergleichbar mit anderen Großstädten. Der Jahresumsatz im Osnabrücker Einzelhandel liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Ein Umsatzvergleich mit 2009 sei wegen veränderter Ausgangsdaten nicht möglich.

Kremming meint, dass der Osnabrücker Einzelhandel besser ist als er sich selbst darstellt. "Osnabrück ist einer der am besten untersuchten Standorte", so der Experte. "Sie reden hier über Probleme, von denen andere Städte noch gar nicht wissen, dass sie sie haben." Auf die Frage von Ratsherr Wulf-Siegmar Mierke (UWG), ob es in der Stadt einen Hang gebe, die Lage des Einzelhandels schlecht zu reden, sagte Kremming: Ja, diesen Eindruck habe er. Im Vergleich zu anderen Städten, die er untersucht habe, sei das in Osnabrück sogar "extrem".

 


Märkte und Zentrenkonzept

Wie sehen die Einkaufsmöglichkeiten in Osnabrück aus? Wo ballen sich Geschäfte, wo gibt es eine Unterversorgung? Wie weit muss ein Bürger fahren, um Produkte des alltäglichen Bedarfs, Fachartikel zu erwerben? Wie groß ist die Strahlkraft Osnabrücks als Oberzentrum in die Region? All dies wird durch das Märkte- und Zentrenkonzept (MZK) bewertet, das der Stadt seit 2001 einen Überblick über den Einzelhandel in Osnabrück verschafft. Das Märkte- und Zentrenkonzept stellt nach Angaben der Stadt das wesentliche städtebauliche Instrument zur Entwicklung und Steuerung der Einzelhandelsentwicklung dar. Da sich der Einzelhandel verändert und weiterentwickelt, erfolgte 2010 eine Überarbeitung des MZK. Nach einigen Teilfortschreibungen hat nun die Stadt Osnabrück im Mai 2018 die CIMA Beratung + Management GmbH, Hannover, erneut mit einer Fortschreibung beauftragt.

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