Kulturausschuss berät Theatersanierung Welche Form des Theaters brauchen wir im Jahr 2050?

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Sanierung kommt, das steht fest. Was das inhaltliche für das Theater am Domhof bedeutet, muss noch diskutiert werden. Foto: Michael GründelDie Sanierung kommt, das steht fest. Was das inhaltliche für das Theater am Domhof bedeutet, muss noch diskutiert werden. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. In der Sitzung am 29. Januar soll der Rat der Stadt Osnabrück eigentlich sein Votum für die Sanierung des Theaters am Domhof abgeben. Der FDP geht das aber zu schnell: Sie sieht noch Beratungsbedarf. Das wurde jetzt in der Sitzung des Kulturausschusses deutlich.

Alle wollen dasselbe, und trotzdem gibt's Streit - eine paradoxe Situation, aber so funktioniert Demokratie. Außerdem: Das Thema ist es wert, ausführlich und umfassend diskutiert zu werden, und die Summe sowieso: 80 Millionen Euro sind für die Sanierung des Theaters veranschlagt, vermutlich ein der teuersten Baumaßnahmen, die die Stadt Osnabrück je getätigt hat. 

Ausschuss tagt im Theater

Anderthalb Stunden lang hat nun Matthias Köhn dem Kulturausschuss die Pläne zur Sanierung dargestellt. Passenderweise war der Ausschuss dafür ins Theater gekommen: Vor der Sitzung führten Köhn und der Leiter des Gebäudemanagements, Jens Griese, die Politikerinnen und Politiker durchs Haus, um ein paar neuralgische Punkte zu zeigen, an denen der Sanierungsbedarf besonders deutlich wird. Dann tagt der Ausschuss im Oberen Foyer, dort wo sonst Kindertheater gezeigt wird, Liederabende über die Bühne gehen oder das Haus seine Premieren feiert.

Nun bezweifelt niemand die Notwendigkeit der Sanierung. Quer durch die Fraktionen bekennen sich die Abgeordneten zum Theater und der Bedeutung für die Stadt, und die Dringlichkeit der Sanierung hat Köhn ausführlich und nachdrücklich in seinem Vortrag begründet. Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erläutert einmal mehr die hohe Bausumme: So haben die Gutachter von Partnerschaft Deutschland einen "Risikopuffer" von 18 Millionen Euro eingerechnet. Allerdings bleiben dann immer noch 62 Millionen Euro, und das bleibt ja eine stolze Summe. Einkalkuliert sind da fünf Millionen Euro für Baukostensteigerungen sowie zehn Millionen Euro für die Planung. Doch wie man es auch rechnet: Unterm Strich stehen im günstigsten Fall 62, im ungünstigsten 80 Millionen Euro. Weiterlesen: Warum die Sanierung 80 Millionen Euro kostet

Die Zweifel der FDP

Während SPD und CDU nun ein euphorisches Lied aufs Theater singen, mischt die FDP ein paar schneidende Dissonanzen in den Jubelklang: Robert Seidler kennt das Brandschutzgutachten nicht, fordert aber, "alle Infos müssen auf den Tisch". Außerdem meldet er grundsätzliche Zweifel an: "Die Räume hier sind zu klein, um unterzubringen, was wir wollen", sagt er.  "Will man ein Orchester nach heutigen Maßstäben einsetzen, braucht der Orchestergraben eine Erweiterung um zwei Reihen", hat die FDP bereits im Vorfeld der Sitzung mitgeteilt. Daher bringen die Liberalen eine Lösung ins Spiel, nach der das Theater am Domhof zum reinen Schauspielhaus würde, während für Musiktheater und Konzert eine neue Spielstätte errichtet wird - zum Beispiel am Ringlokschuppen.

Dahinter stehen Fragen nach dem Theater der Zukunft, und die stellen auch die Grünen. Sie verbinden mit der Sanierung die Forderung nach einer kulturpolitischen Debatte über das Theater. "Wie sieht das Theater 2050 aus?" fragt Ausschussvorsitzender Sebastian Bracke. Auch müssten Fragen nach den Bedürfnissen der Zukunft gestellt werden. "Da ist noch nicht ganz so viel da", sagt er mit Blick auf die Beschlussvorlage. "Da ist das Theater gefordert, aber auch die Kulturverwaltung und die Kulturpolitik." Er fordert den offensiven Diskurs und Antworten, die über Selbstbehauptungen hinausgehen. "Was genau sichert denn die Demokratie, was ist es, das das Leben reicher macht?" Wohl deshalb kann er gut mit der Forderung der FDP leben, die Entscheidung des Stadtrats für die Sanierung auf die Sitzung im März zu verlegen: Das eröffnet die Chance auf "Verbesserungen im Beschlusstext".

Diskussionsbasis

Auch Intendant Ralf Waldschmidt bekennt sich zur Notwendigkeit der Debatte über die Zukunft des Theaters. Die Basis der Diskussion aber sei der Ratsbeschluss, und den brauche man "so schnell wie möglich", sagt er. Dafür wirbt auch Brigitte Neumann von der CDU, während Heiko Schlatermund (SPD) mehr an einem einstimmigen Beschluss gelegen ist, der Signalwirkung nach außen wegen. Dabei bedeutet der Beschluss in seiner jetzigen Form keineswegs, dass damit die Bagger anrollen. Vielmehr beauftragt der Rat der Stadt die Kulturverwaltung und das Theater, die Sanierung des Theaters vorzubereiten und vor allem Geld einzuwerben. Denn auch das steht in jedem Fall fest: Zwei Drittel der Bausumme müssen Geldgeber von Bund und Ländern, von Stiftungen und Privatsponsoren aufbringen. Der Kulturausschuss spricht nun fürs erste die Empfehlung an den Rat aus, diesen Grundsatzentscheid zu fassen, und er empfiehlt das einstimmig, bei einer Enthaltung der FDP. Das darf doch schon mal als gutes Zeichen gewertet werden.


Führung zur Theatersanierung

In Führungen durch das Theater am Domhof vermitteln Jens Griese, Leiter Gebäudemanagement, und Matthias Köhn, Kaufmännischer Direktor, die Hintergründe zur anstehenden Sanierung. Der erste Termin am 2. Februar ist bereits ausgebucht. Für die Führung am Samstag, 16. März, um 15 Uhr, gibt es noch Karten. Weitere Termine werden auf der Website www.theater-osnabrueck.de und im Monats-Leporello bekannt gegeben. Die Platzanzahl ist begrenzt, kostenfreie Tickets sind an der Theaterkasse erhältlich. Treffpunkt ist im unteren Foyer, der Eintritt ist frei.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN