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150 ziehen durch die Stadt Schüler streiken in Osnabrück für mehr Klimaschutz

Jörg Sanders und Mathis Gluch

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Osnabrück. Kaltes Pflaster statt warme Schulbank: Rund 150 Schüler sind am Freitag in Osnabrück erneut in den Streik getreten und haben sich vor dem Rathaus versammelt. Um 13.15 Uhr zogen die Demonstranten durch die Innenstadt.

Um 10.30 Uhr trafen sich die Schüler verschiedener Schulen sowie einige Studenten vor dem Rathaus, um unter dem Motto „#FridaysForFuture“ („Freitage für die Zukunft“) für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. 

Vorbild des Protests ist die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden, die bereits seit dem Sommer jeden Freitag in den Streik tritt und für mehr Klimaschutz kämpft. Auf dem Klimagipfel in Kattowitz durfte sie sprechen – und hielt eine beeindruckende Rede.

Weltweite Bewegung

Ihrem Vorbild folgen immer mehr Schüler – weltweit. Auch heute streiken wieder Tausende Schüler in vielen deutschen Städten, in Niedersachsen in Braunschweig, Bremen, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Stade – bundesweit waren es rund 25.000 Schüler in mehr als 50 Städten. Die Osnabrücker Schüler gehen seit  Dezember freitags auf die Straße. Die Organisation Campact unterstützt die Bewegung bundesweit mit Flyern und Plakaten, die auch in Osnabrücker Schulen aufgehängt wurden.

Rund 100 Schüler sind am Freitagmorgen erneut in den Streik getreten und haben sich vor dem Rathaus versammelt. Foto: Mathis Gluch

Um 13.15 zogen die Schüler durch Innenstadt bis zum Theater – lautstark mit Parolen wie „Wir sind hier, Wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“ Am Theater machte Jakob zur Heide, Student und einer der Osnabrücker Organisatoren, in einem Redebeitrag deutlich, welche Auswirkung der Klimawandel bis zum Jahr 2050 auf die Erde haben werde. Bis zu diesem Jahr werde sich der Niederschlag um ein Viertel reduzieren.

Auch die folgenden Generationen wollten eine saubere Erde, sagte der Aktivist. „Die Jugendlichen haben mehr Verantwortung als Politiker“, sagte er im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal bei VW und den geplanten Rodungen im Hambacher Forst. „Wir sollen nicht warten, sondern jetzt handeln und damit anfangen, regionale und saisonale Produkte zu kaufen", so zur Heide. Und anstelle des Autos sollten die Menschen vermehrt auf Bus und Fahrrad setzen.

Auch ein Sprecher des Osnabrücker Jugendbündnisses kam zu Wort sowie ein Vertreter der Lehrergewerkschaft GEW. Dieser habe sich positiv zu den Streiks geäußert, sagt zur Heide. Um 14.30 Uhr löste sich die Versammlung auf.

Rund 100 Schüler sind am Freitagmorgen erneut in den Streik getreten und haben sich vor dem Rathaus versammelt. Foto: Mathis Gluch

Einige Schüler, so berichtete Jakob zur Heide unserer Redaktion, hätten sich beurlauben lassen. Dabei sei ihm noch kein Schüler bekannt, der wegen der Teilnahme an einem der vergangenen Streiks Konsequenzen zu tragen hatte. Viele Lehrer stünden hinter den Protesten, wenngleich sie sie während der Unterrichtszeit nicht unterstützen können.

Video vom 14. Dezember 2018: Schülerprotest in Osnabrück: "Es geht um unsere Zukunft"

Grüne und Linke solidarisieren sich

Rückhalt bekommen die Osnabrücker Aktivisten von den Grünen. „Die Klimakrise ist die drängende Frage unserer Zeit. Und CDU und SPD vergeben jetzt auf allen Ebenen die Chance, ambitioniert zu handeln. Die jungen Menschen um die Klimastreiks haben das erkannt und versuchen, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Dafür haben sie unsere volle Solidarität“, wird Loreto Bieritz, Sprecherin der Osnabrücker Grünen, in einer Mitteilung zitiert.

Auch die Linken solidarisieren sich mit den Osnabrücker Schülern. „Die Lehrer, Eltern und Schulen fordern wir auf, etwaiges Fehlen der Schüler zu entschuldigen und nicht rigoros zu ahnden. Es geht hier um ein überaus wichtiges Ziel und die politische Meinungsäußerung einer Generation für ihre Zukunft“, wird die Linken-Ratsfrau Heidi Reichinnek in einer Mitteilung zitiert. „Das sollten wir alle unterstützen und es als Ansporn nehmen unser Verhalten und unsere politischen Entscheidungen zu hinterfragen.“

In Bremen gingen mehr als 400 Teilnehmende auf die Straße, in Göttingen waren es mehr als 200, ebenso in Lüneburg. In Oldenburg waren es etwa 50.

Ministerium verweist auf Schulpflicht

Das niedersächsische Kultusministerium wies unterdessen in Hannover darauf hin, dass ein solcher Protest im Grundsatz nach dem Ende des Schulunterrichts stattfinden müsse. „Wir begrüßen das Engagement der Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz sehr", sagte eine Sprecherin von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Doch obwohl sie sich für ein schützenswertes Anliegen einsetzten, lägen die Voraussetzungen für eine Beurlaubung vom Unterricht nicht vor.

Zur Heide versichert dennoch: Der Protest wird weitergehen – auch in Osnabrück.

(Mit dpa)


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