Stadt wollte Warnsystem testen Warnsystem „Bike Flash“ ist verboten – Wie reagiert Osnabrück?

Das Warnsystem Bike-Flash an einem Mast in einem Gewerbegebiet in Garbsen: Das System überwacht den toten Winkel von Fahrzeugen durch Wärmesensorik bis zu einer Entfernung von 40 Metern. Foto: dpa/Hauke-Christian DittrichDas Warnsystem Bike-Flash an einem Mast in einem Gewerbegebiet in Garbsen: Das System überwacht den toten Winkel von Fahrzeugen durch Wärmesensorik bis zu einer Entfernung von 40 Metern. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich 

Osnabrück. Das Warnsystem Bike Flash, das Radfahrer vor rechts abbiegenden Lkw schützen soll, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung. Die Stadt Garbsen testet es derzeit, auch Osnabrück hatte das vor. Hält die Stadt daran fest?

Das Warnsystem Bike Flash darf im Straßenverkehr nicht installiert werden, es verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung. Zu dieser Einschätzung kommt das Niedersächsische Verkehrsministerium, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. Das System habe weder eine Genehmigung noch sei es behördlich geprüft worden, gibt die „HAZ“ eine Ministeriumssprecherin wieder. Auch der Bund-Länder-Fachausschuss der Verkehrsminister hatte Bike Flash schon im Oktober als unzulässig erachtet, allerdings gibt er nur Empfehlungen ab.

Verwaltung: System zu teuer

Die Stadt Osnabrück wollte das System eigentlich an zwei stark frequentierten Grundstückseinfahrten entlang des Radschnellwegs Osnabrück-Belm testen. Dazu kommt es nun nicht mehr: Die Verwaltung machte sich vorher schlau und kam zu dem Schluss: Bike Flash ist nicht mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar. Stadtsprecher Gerhard Meyering: „Es gab in Osnabrück keine Tests, wir werden die Geräte nicht anschaffen.“ Schon im Oktober sei der Verwaltung klar gewesen, dass Bike Flash nicht einfach so installiert werden darf.

Überwachung mittels Wärmesensorik

Das System wird als zusätzliche Warneinrichtung an Kreuzungen fest installiert und überwacht mittels Wärmesensorik eine nach Bedarf einstellbare bis zu 4 Meter breite und bis zu 40 Meter tiefe Erkennungszone, um Kraftfahrer vor dem Zusammenstoß mit einem Radfahrer zu warnen. Insbesondere die gefährlichen Abbiegesituationen, bei denen der Kraftfahrer Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel übersieht, will Bike-Flash entschärfen.Der Bike-Flash wird zudem als Hindernis am Straßenrand erkannt und fungiert als Anfahrschutz, da insbesondere Lkw mit nachlaufender Hinterachse beim Abbiegen so mehr Abstand halten müssen. Das Gerät registriert den Radfahrer durch Wärmebildsensoren und aktiviert das Warnsystem mit LED-Licht. Der abbiegende Verkehr wird auf Verkehrsteilnehmer im toten Winkel durch oranges Blinken hingewiesen und kann so rechtzeitig die Gefahr entschärfen und bremsen. Bike-Flash bietet durch das Überwachen des toten Winkels mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. dk
Die Leuchtdioden warnen den Lkw-Fahrer, wenn sich ein Radfahrer im toten Winkel befindet. Gleichzeitig zwingt der Bike Flash den Kraftfahrer die Abbiegekurve voll auszufahren. Foto: MRS MobileRoadSafety

Verwaltung hatte ohnehin Vorbehalte

Die Osnabrücker Verwaltung hatte das System schon zuvor als unzureichend erachtet. Größtes Manko: Wegen der hohen Anschaffungskosten von 15.000 bis 20.000 Euro pro Anlage sei ein flächendeckender Einsatz kaum möglich. Auch die Unterhaltung sei zu teuer, zudem könne das System nur unterstützend wirken, teilte die Verwaltung im September 2018 auf Anfrage der Grünen-Fraktion mit. Zudem könnte das blinkende Warnsystem vor anderen Signalzeichen ablenken. 

Bike Flash erstmals in Garbsen installiert

Im November vergangenen Jahres war das erste System dieser Art in Deutschland in Garbsen an den Start gegangen. Womöglich steht dort nun eine recht unzulässige Anlage, selbst wenn es sich nur um einen Modellversuch handelt, der im Frühjahr evaluiert werden soll. Die Anlage in Garbsen hatte 34.000 Euro gekostet. Die Stadt Garbsen und die Region Hannover teilten sich die Kosten.


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