Entspannt im Hier und Damals Max Raabe und das Palast Orchester in der Osnabrück-Halle

Runter auf die Erde kommt Max Raabe am Freitag, wenn er mit seinem Palast Orchester in der Osnabrück-Halle spielt. Foto: Gregor HohenbergRunter auf die Erde kommt Max Raabe am Freitag, wenn er mit seinem Palast Orchester in der Osnabrück-Halle spielt. Foto: Gregor Hohenberg

Osnabrück. Allerorts ist von Entschleunigung die Rede. Achtsamkeit ist die momentan Sau, die durch das Dorf gejagt wird. Max Raabe hat den Dreh diesbezüglich raus. Sein aktuelles Album heißt: „Der perfekte Moment... wird heut verpennt“. Am Freitag, 25. Januar, stellt er es in der Osnabrück-Halle ganz stressfrei mit dem Palast Orchester vor.

Max Raabe und das Palast Orchester haben sich in den Achtzigerjahren an der Berliner Hochschule der Künste gefunden. Was zunächst als Studenten-Scherz geplant war, entwickelte sich zu einer formidablen Karriere. Die Musik der Zwanziger- und Dreißigerjahre mit ihren frivolen, spitzbübischen und pointierten Texten kam und kommt beim Publikum an – und das nicht nur in Deutschland.

Auch die Berufskleidung des 1962 in Lünen als Matthias Otto geborenen Sängers und seiner Mitstreiter gehört zum Gesamtkonzept dazu. Stets gestriegelt und streng gescheitelt treten Max Raabe und das Palast Orchester auf. Passt da der Albumtitel „Der perfekte Moment... wird heut verpennt“ überhaupt? Die Antwort ist, dass die Herrschaften zwar mit Musik aus der Vergangenheit ihren Lebensunterhalt verdienen, aber keinesfalls in ihr leben.

Die Lieder der neuen Platte entstanden in Zusammenarbeit mit Pop-Koryphäen wie Annette Humpe, Christoph Israel, Peter Plate, Ulf Leo Sommer, Daniel Faust und Achim Hagemann. Humpe war Sängerin bei Ideal sowie Produzentin von Ich + Ich. Plate ist ein Teil des Duos Rosenstolz. Hagemann schlüpft hauptberuflich in die Rolle des Pawel Popolski. Israel stammt ebenfalls aus Lünen und arbeitete mit Meret Becker, Otto Sander und anderen Schauspielern zusammen. Sommer produzierte und komponierte Songs für Rosenstolz, 2Raumwohnung, Sarah Connor und Helene Fischer. Faust schrieb zahlreiche Soundtracks, unter anderen für „Bibi und Tina“.

Diese geballte Ladung Pop-Kompetenz sorgt jedoch nicht dafür, dass Max Raabe und das Palast Orchester plötzlich ganz modern klingen. Vielmehr haben sie der Musik einen Feinschliff verpasst und gezeigt, welch exzellente Komponisten, Songschreiber und Produzenten sie sind.

Auf der Bühne sind sie natürlich nicht dabei. Da wird musikalische Qualität geboten, wie die Kritikerin der Hannoverschen-Allgemeinen Zeitung nach einem Auftritt des Palast Orchesters in der niedersächsischen Landeshauptstadt konstatierte. Sie ging auch noch mal auf den Albumtitel ein: „Nichts an diesem Abend wird verpennt, vom Scheitel bis zur Sohle sitzt alles, der Sänger mühelos und dabei punktgenau, die Moderation lakonisch bis charmant, die Wortspiele in den Stücken heiter bis ernst.“

Die Kritikerin hob auch die perfekte Balance zwischen dem Zeitkolorit der „Goldenen Zwanziger“ und der Gegenwart hervor und glaubte, das Geheimnis für Raabes Entspanntheit gefunden zu haben. Der Mann ist Radfahrer und als solcher mit dem Deutschen Fahrradpreis als „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit 2019“ ausgezeichnet worden. In seinem Stück „Fahrrad fahr‘n“ singt er denn auch fröhlich beschwingt: „Die Autos steh‘n im Stau, ich fahr‘ vorbei, alle Ampeln grün, die Bahn ist frei.“

Max Raabe und das Palast Orchester, Osnabrück-Halle, Fr. 25. 1., 20 Uhr, Eintritt: 27,90 bis 82 Euro, Karten erhältlich unter www.deinticket.de oder Telefon: 0541/349024.




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