Serie zum Osnabrücker Wissensforum Digitale Medienkompetenz. Tablets in die Kitas?

Von Dominik Krinninger (Gastautor)

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Osnabrück. Pädagogik ist keine Technologie, bei der man mit Bestimmtheit Effekte von Maßnahmen vorhersagen kann, sondern hat mit der Förderung der Entwicklung und Bildung von Kindern als Personen zu tun. Wegen der damit einhergehenden besonderen Komplexität kann man zwar wissenschaftlich über gute Gründe für oder auch über wahrscheinliche Effekte von pädagogischen Maßnahmen sprechen, aber eben nicht mit Sicherheit Vorhersagen machen.

Für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die pädagogische Praxis hat es sich deswegen etabliert, nicht Entscheidungen vorwegzunehmen, sondern Anhaltspunkte dafür zu benennen, wie Entscheidungen getroffen werden können. In diesem Sinn werden hier drei Aspekte aufgeführt.

Diese Grafik stammt von Kunststudentin Christina Porat. Grafik: Porat


Erstens spielt der Lebensweltbezug eine wichtige Rolle. Mit diesem Begriff wird erfasst, inwieweit Pädagoginnen und Pädagogen Themen und Gegenstände aus der Gesellschaft aufnehmen, in der die Kinder aufwachsen. In diesem Kontext ist klar festzuhalten, dass in einer digitalisierten Gesellschaft Digitalisierung auch eine Bildungsfrage ist. Digitale Medien sind selbstverständlicher Teil der Lebenswelt von Kindern (zum Beispiel digitale Fotografie in Familien, Vorlesen übers Tablet, Videos und Spiele für Kinder im Netz), weswegen Konsens darüber besteht, dass es eine pädagogische Aufgabe ist, Kindern digitale Medienkompetenz zu vermitteln. Dies gilt auch für die Kita.

Dominik Krinninger ist Professor für Pädagogische Kindheits- und Familienforschung. Foto: Havergo


Zweitens geht es bei dieser Frage um Entwicklungsangemessenheit. Für den Gebrauch digitaler Medien ist diesbezüglich nicht nur auf die Dauer und auf die Inhalte zu achten, sondern auch darauf, dass die gestellten Anforderungen zur kognitiven und motorischen Entwicklung der Kinder passen. Aufmerksamkeit sollte hier etwa der Differenziertheit der Wahrnehmung, dem Symbolverständnis oder der Feinmotorik gelten. In der Praxis findet man oft Regelungen, nach denen sehr junge Kinder bis zum Alter von circa drei Jahren digitale Medien nicht nutzen sollen; und es für Kinder von circa drei bis sechs Jahren Nutzungszeiten von bis zu 30 Minuten gibt.

11. Osnabrücker Wissensforum
Beim 11. Osnabrücker Wissensforum im November 2018 haben 33 Professoren der Universität Osnabrück Fragen von Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung beantwortet. Heute als Beitrag: Digitale Medienkompetenz. Tablets in die Kitas?


Drittens sollten digitale Medien auch in Einrichtungen der Elementarpädagogik nicht als Selbstzweck, sondern zur Ermöglichung kindlichen Lernens eingesetzt werden. Dazu ist es wichtig, dass Kinder die Zusammenhänge zwischen eigenem Tun und den Folgen beziehungsweise Ergebnissen dieses Tuns erkennen können. Um dies zu fördern, sind Gebrauchsweisen vorteilhaft, bei denen Kinder eigene Interessen einbringen können.

Aktive Begleitung erforderlich

Wegen der Komplexität der Technik und auch, damit nicht nur den von den Programmen vorgesehenen Hauptwegen gefolgt wird, ist eine aktive Begleitung durch Erwachsene erforderlich. Selbstverständlich ist eine Balance mit anderen Bedürfnissen wie Bewegung oder sozialen Aktivitäten zu wahren. Man könnte sich also gut vorstellen, mit Vierjährigen eine Fotorallye durch den Stadtteil oder den Wald hinter der Kita zu machen (vielleicht in der Form eines Jahreszeitenprojekts) oder mit den Kindern einer Vorschulgruppe ein kleines Filmprojekt zu entwickeln.

Insgesamt sollte sich das kindliche Lernen nicht nur auf eine Anpassung an gesellschaftliche Erfordernisse richten, also etwa auf die Erwartungen von Schule und Arbeitswelt, sondern zu einer Befähigung zu einem selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien führen.


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