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Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ Prekäre Existenzen

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Osnabrück. Sartres „Fliegen“, Wilders „Unsere kleine Stadt“, Camus’ „Missverständnis“: Diese und andere Bühnenklassiker der Nachkriegszeit fordern uns als Parabeln auf Grundfragen menschlicher Existenz heraus. Für die Figuren dieser Stücke gibt es kein Entkommen. Sie haben sich zu positionieren – um jeden Preis.

Ist so viel moralischer Rigorismus unmodern geworden? Manche der modernen Klassiker unter den Theaterstücken kommen uns heute so vor, als seien sie zur Schulbuchweisheit erstarrt. Dabei bleiben ihre Fragen nicht nur aktuell, sie entfalten vielleicht gerade inmitten modisch gewordener Beliebigkeit eine ungeahnte Magie.

Gibt es ein Stück, auf das diese Wertung besonders zutrifft? Ja: Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“. Das 1949 uraufgeführte Stück, 1968 mit Heinz Rühmann und 1985 mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle des glücklosen Willy Loman verfilmt, demontiert nicht allein den amerikanischen Traum. Millers Klassiker entlarvt jede Existenz als Illusionund Lüge, die auf materiellen Wohlstand allein gegründet ist.

Millers Stück handelt vor allem von Menschen, die nicht zur Wahrhaftigkeit finden. Keiner kann seine Niederlage eingestehen, keiner hat das Vertrauen, sich auch im Scheitern bei anderen aufgehoben zu wissen. Willy Lomans Existenz ist prekär. Das kommt uns bekannt vor – gerade heute.


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