Mitglied einer Spezialeinheit? "Er war hier als Soldat stationiert" – Osnabrücker sucht seinen Vater

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George Winterhoff hat nur dieses eine Foto von seinem Vater (links im Bild). Foto: Jörn MartensGeorge Winterhoff hat nur dieses eine Foto von seinem Vater (links im Bild). Foto: Jörn Martens

Osnabrück. An seinen Vater hat George Winterhoff nur verschwommene Erinnerungen: ein Lied, ein Tattoo, eine Uniform. Als Soldat soll er in Osnabrück stationiert gewesen sein, ehe er aus dem Leben von George Winterhoff verschwand. Gerne würde der 35-Jährige seinen Vater nun kennenlernen, und vielleicht hätte er sich schon viel eher auf die Suche nach ihm begeben, wenn nicht so viel Leben dazwischen gekommen wäre.

Zwei oder drei Jahre muss er alt gewesen sein, als sein Vater die Familie verließ. "Meine Mutter hat mir erzählt, dass er sich kurz nach meiner Geburt nicht mehr gemeldet habe", sagt George Winterhoff. Aber mittlerweile hat er seine Zweifel an dieser Version. Dafür hat er dann doch zu viele Erinnerungen an ihn. "Ich weiß noch, dass er mir abends immer das Lied Amazing Grace vorgesungen hat, und dass er auf der rechten Schulter das Tattoo einer Windmühle hatte", sagt George Winterhoff. 

Mitglied einer Spezialeinheit?

Als er sechs Jahre alt war, fiel ihm einmal ein Bild herunter. Der Rahmen sei zerbrochen, und hinter dem Bild habe ein weiteres gesteckt; es ist das einzige Foto, das er von seinem leiblichen Vater besitzt. 

Durch Herumstöbern habe er weitere Fotos gefunden, habe einen Namen in einem Adressbuch ausfindig gemacht, und meint daher zu wissen, dass sein Vater George Cumming heißt und am 26. März 1951 in Schottland, vermutlich Aberdeen, geboren wurde. Aus Erzählungen wisse er, dass sein Vater wohl kein einfacher Soldat war. "Sergeant, Mitglied der Militärpolizei, Fallschirmspringer, irgendeine Spezialeinheit. Ich weiß es nicht genau", sagt George Winterhoff. 

Zeigt dieses Foto den leiblichen Vater von George Winterhoff? Foto: Jörn Martens

Sein Stiefvater, zu dem er ein schwieriges Verhältnis hatte, habe alle Versuche, mehr über seinen leiblichen Vater zu erfahren, unterbunden. Auch mit seiner Mutter sei es damals nicht einfach gewesen, mittlerweile sei sie schwer erkrankt und könne daher auch keine weiteren Auskünfte über den Verbleib von George Cumming geben. 

Auf der Geburtsurkunde, die der 35-Jährige unserer Redaktion vorlegt, ist nur seine Mutter aufgeführt. Und auch das Einwohnermeldeamt der Stadt kann bei der Suche nicht weiterhelfen – die britischen Soldaten mussten sich hier nicht registrieren lassen. 

Keine finanziellen Interessen

Zehn Jahre liegt der Abzug der Briten aus Osnabrück zurück. Doch George vermutet, dass sein Vater die Stadt eher verlassen hat. Womöglich hätte sich George Winterhoff schon früher auf die Suche nach seinem Vater gemacht, wenn er weniger mit sich selbst beschäftigt gewesen wäre. Die Situation zu Hause wurde George unerträglich, so dass er im Alter von 16 Jahren auszog und für eine kurze Zeit in einem Schrebergarten lebte, ehe die Behörden ihm eine gesetzliche Betreuerin beiordneten, die ihn in einem Wohnheim in Belm unterbrachte. George Winterhoff will sich öffentlich nicht weiter zu dem Vorgefallenen äußern, seine Angaben wurden unserer Redaktion jedoch von anderen Seiten bestätigt. 

"Ich will nur gerne wissen, was für ein Mensch er ist"George Winterhoff über seinen Vater

So richtig "angekommen" ist der 35-Jährige eigentlich erst vor Kurzem: Seit 2014 arbeitet er als Hauswirtschafter bei der St. Elisabethpflege der Caritas. Er heiratete, nahm den Nachnamen seiner Frau an und wurde Vater von zwei Kindern sowie Stiefvater eines Mädchens, das seine Frau mit in die Beziehung brachte. Da er nun selbst eine Familie hat, ist der Wunsch groß, mehr über die eigenen Ursprünge zu erfahren. Um irgendwelche finanziellen Forderungen geht es ihm dabei nicht. "Ich will nur gerne wissen, was für ein Mensch mein Vater ist", sagt George Winterhoff. Denn wenn er seine beiden Halbbrüder betrachte oder seine Mutter, dann seien sie äußerlich charakterlich so anders als er, dass er glaubt: "Ich muss viel von meinem Vater haben."

Suche in sozialen Netzwerken

Trotz Namen und Geburtsdatum blieb die Suche nach seinem Vater bislang ohne Ergebnis. "Den Namen George Cumming findet Google mehrere tausend Male", sagt der Osnabrücker. Auch Aufrufe bei Facebook hätten bislang keinen Erfolg gebracht. Mit Hilfe seiner ehemaligen sozialen Betreuerin verfasste er einen Brief an die British Forces – bislang ebenfalls ohne Resonanz. Auch ein Rechtsanwalt konnte nicht weiterhelfen. 

Nun hofft er, durch diesen Artikel eine größere Zielgruppe zu erreichen und vielleicht jemanden zu finden, der ihm sagen kann: Wo steckt George Cumming? Wer hatte in den 1980er Jahren Kontakt zu ihm oder weiß mehr über seinen Verbleib? 



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