Aktion Freifahrt Bus und Bahn gratis nutzen? Geht, macht in Osnabrück aber kaum einer

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Kostenlos Busfahren? Geht auch in Osnabrück, wenn man an der Haltestelle einen Teilnehmer der Aktion Freifahrt trifft. Erkennungszeichen ist ein kleiner, roter, runder Anstecker. Foto: NOZ-Archiv/Michael GründelKostenlos Busfahren? Geht auch in Osnabrück, wenn man an der Haltestelle einen Teilnehmer der Aktion Freifahrt trifft. Erkennungszeichen ist ein kleiner, roter, runder Anstecker. Foto: NOZ-Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Viele Zugfahrkarten und Bustickets bieten die Möglichkeit, weitere Personen kostenlos mitzunehmen. Unter dem Motto "Solidarisch durch Osnabrück" fordern ÖPNV-Aktivisten, davon stärker Gebrauch zu machen. So richtig gezündet hat die "Aktion Freifahrt" anscheinend aber auch nach über einem Jahr noch nicht.

Ein kreisrunder roter Anstecker dient bei der am 1. Oktober 2017 gestarteten Aktion Freifahrt als Erkennungsmerkmal. Wer ihn an der Kleidung trägt, signalisiert, dass er mit seinem Fahrausweis jemanden gratis mitnehmen kann. 8000 dieser kleinen Buttons seien inzwischen in Osnabrück verteilt worden, berichten die Macher. 

Klein, rund, rot

"Ich weiß von Leuten, die andere mitgenommen haben, wir bekommen positives Feedback. Aber es ist schwer zu beurteilen, wie erfolgreich die Aktion wirklich ist", sagt Timothy Leach, der sich im Autonomen Zentrum Substanz engagiert und alles mit eingestielt hat. Die Anstecker gebe es an mehreren Orten in der Stadt. Die Studentenvertretung der Universität packt sie als Beigabe in ihre Erstitüten. Leach trägt seinen an der Mütze. Die Freifahrt-Buttons sollen nicht zu auffällig sein, da das potenzielle Träger abschrecken könnte. Darum das dezente Design: klein, rund und rot. 

Für diese Tickets gibt es eine Mitnahmeregelung

Nach Angaben der "Aktion Freifahrt" kommen folgende Tickets und Abos für eine kostenlose Mitnahme in Osnabrück infrage:
  • Semestertickets an Wochenenden und Feiertagen ganztägig; freitags ab 19 Uhr
  • Wochen- und Monatsticket an Wochenenden und Feiertagen ganztägig
  • Jobticket an Wochenenden und Feiertagen ganztägig
  • Basis-Abo an Wochenenden und Feiertagen ganztägig
  • Premium-Abo an Wochenenden und Feiertagen ganztägig; werktags ab 19 Uhr
  • Basis-Abo Region an Wochenenden und Feiertagen ganztägig; werktags ab 19 Uhr
  • Premium-Abo Region an Wochenenden und Feiertagen ganztägig; werktags ab 19 Uhr
  • Tagesticket Familie an Wochenenden und Feiertagen ganztägig; werktags ab 9 Uhr
  • Mobil-Abo an Wochenenden und Feiertagen ganztägig; werktags ab 19 Uhr 
  • P+R-Ticket zwischen Kinderhospital und Neumarkt zu jeder Zeit
  • Schwerbehindertenausweis mit dazugehörigem Vermerk (als Begleitperson) zu jeder Zeit


Initiator Timothy Leach wirbt für die Aktion Freifahrt in Osnabrück. Foto: Markus Strothmann

Im Ruhrgebiet bereits etabliert

Die Idee zu der Aktion Freifahrt ist schon etwas älter. "Im Ruhrgebiet ist das total etabliert. Da haben viele das Ticket 2000, damit kann man ab 19 Uhr im ganzen Pott Leute mitnehmen", sagt Leach. Dort sei es aber auch nicht unüblich, auf Fremde zuzugehen, die keinen roten Button tragen, und einfach zu fragen, ob man auf deren Fahrschein mitfahren dürfe. (Weiterlesen: So viel kostet Busfahren in Osnabrück ab 1. Januar 2019)

Leach findet, dass die Aktion gut in die Zeit passt: "Die politische Entwicklung geht weg vom motorisierten Individualverkehr, die Aktion hat eine soziale und eine ökologische Komponente." Mobilität dürfe keine Frage des Geldes sein, und es könne nicht jeder ein eigenes Auto fahren, allein aus Platzgründen.

Was sagen die Verkehrsunternehmen?

Doch trotz Tausender verteilter Buttons hat die Aktion Freifahrt anscheinend keine große Welle gemacht. Die Stadtwerke Osnabrück haben zwar davon gehört und sehen die Sache an sich positiv, wie Sprecher Marco Hörmeyer sagt. Aber: "Die Aktion scheint bislang öffentlich noch nicht sehr bekannt zu sein, auch wenn wir keine Zahlen dazu haben." Eine Bewertung sei schwierig, über Details solcher Initiativen könne man diskutieren. 

Aber wir begrüßen grundsätzlich Aktivitäten, die dazu führen, dass der ÖPNV mehr genutzt wird.

Ganz unten im Regal

Ähnlich äußert sich Nordwestbahn-Sprecherin Karin Punghorst. "In unseren Zügen, die in Osnabrück ankommen und abfahren, tritt die Aktion Freifahrt so gut wie gar nicht in Erscheinung. Fahrgäste mit roten Buttons gibt es, wenn überhaupt, nur sehr, sehr vereinzelt."

Im Internet listen die Aktivisten unter www.aktion-freifahrt-os.de auf, wo die roten Buttons ausliegen. Allerdings ist die Übersicht nicht auf dem neuesten Stand, wie eine Stichprobe unserer Redaktion bestätigt. Beispielsweise werden Kiosks in der Hasestraße genannt. Dort aber seien die Anstecker seit Monaten vergriffen, wie Mitarbeiter sagen. Im Geschäft "Scheherazade" (Kamp 10) dagegen gibt es noch welche – was unter anderem daran liegen könnte, dass sie dort weit unten im Regal stehen.



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