Wasserlinsen als Eiweißlieferant Wie die Hochschule Osnabrück mit Entengrütze das Gülleproblem lösen will

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Wasserlinsen als Eiweißlieferant: Die Hochschule Osnabrück forscht an einem Verfahren, um Gülle für die Herstellung eines sojafreien Tierfutters zu nutzen. Foto: Colourbox.deWasserlinsen als Eiweißlieferant: Die Hochschule Osnabrück forscht an einem Verfahren, um Gülle für die Herstellung eines sojafreien Tierfutters zu nutzen. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Können Wasserlinsen, besser bekannt als Entengrütze, das Gülleproblem lösen? Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück forschen an einem Verfahren, um Ausscheidungen von Tieren für die Herstellung eines sojafreien Kraftfutters zu nutzen. Projektleiter Heiner Westendarp findet: "Eine geniale Idee!"

Im Kampf um die Minderung unerwünschter Stickstoffeinträge in die Umwelt sei auch die Landwirtschaft als Hauptverursacher von Ammoniak-Emissionen gefordert, teilt die Hochschule Osnabrück mit. Durch die intensive Viehhaltung stehe vor allem den Betrieben im Nordwesten Deutschlands aber zu wenig Fläche zur Verfügung, um die Gülle ordnungsgemäß und dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen entsprechend auszubringen. Deshalb müsse die Gülle zunehmend für viel Geld exportiert werden. 

Forschungsprojekt "Lemna Protein"

Im Forschungsprojekt "Lemna Protein" arbeitet die Hochschule Osnabrück seit Oktober an einem Verfahren, um die Gülle auf dem eigenen Betrieb als Basis für Futtermittel zu verwenden. So würde aus einer Quelle der Umweltbelastung ein Produktionsfaktor für Futterprotein.

Heiner Westendarp, Professor für Tierernährung, erklärt: 

Der in der Gülle enthaltene Stickstoff soll zur Düngung von Wasserlinsen genutzt werden, die in einem Gewächshaus auf einem landwirtschaftlichen Betrieb kultiviert werden.


Rückführung in den Stoffkreislauf

Die getrockneten Wasserlinsen dienten anschließend als alternative Proteinquelle für Futtermittel von Schweinen und Geflügel. So entstehe eine Rückführung der Gülle in den Stoffkreislauf. 

Die Nährstoff-Überschüsse aus der Tierhaltung würden also nicht mehr auf den Acker gebracht, sondern zur Produktion von Wasserpflanzen eingesetzt. Unerwünschte Nährstoff-Verluste in die Umwelt, insbesondere von Stickstoff und Phosphor, würden minimiert. "Die Idee ist genial und absolut neu“, sagt Projektleiter Westendarp.


Die Grafik des Doktoranden Johannes Demann veranschaulicht den Kreislaufcharakter des Projekts Lemna Protein: Nach der Ausscheidung der Gülle wird sie in eine sogenannte Festphase und eine flüssige Dünnphase aufgeteilt. Die Festphase wird abtransportiert, während der stickstoffreiche Flüssigmist als Nährwasser für die Wasserlinsen verwendet wird. Diese wiederum dienen getrocknet und aufbereitet als Proteinlieferant für Schweine und Geflügel. Grafik: Hochschule Osnabrück


Heimischer Soja-Ersatz 

In der ersten Phase des Projekts, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück mit einer halben Million Euro fördert, wird derzeit ein standardisiertes Produktionsverfahren für Wasserlinsen in den Gewächshäusern am Campus Haste entwickelt. Professor Andreas Ulbrich betreut die Versuche. Er erklärt:  "Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen sich die Wasserlinsen schnell vermehren und gleichzeitig einen hochwertigen Eiweißgehalt aufweisen." Denn neben dem Umweltaspekt gehe es in dem Projekt vor allem darum, einen heimischen Soja-Ersatz für Futtermittel zu schaffen. (Weiterlesen: Belmer Landwirt baut versuchsweise Sojabohnen an)


Die ersten Versuche zur Produktion von Wasserlinsen finden gerade am Campus Haste der Hochschule Osnabrück statt. Foto: Hochschule Osnabrück


Unabhängig vom Weltmarkt werden

Soja ist eine der wichtigsten Eiweiß-Futterpflanzen in der Tierernährung. Es wird jedoch laut Hochschule Osnabrück in Drittländern wie Argentinien und Brasilien unter oft kritischen Bedingungen angebaut, die erheblich zum Fortschreiten des Klimawandels beitragen. Und Rapsextraktionsschrot, das bei der Herstellung von Rapsöl abfällt und nach Angaben von Projektleiter Westendarp "aktuell die beliebteste Alternative" zu Sojaextraktionsschrot darstellt, werde in Zukunft nicht ausreichen, um unabhängig von den internationalen Märkten zu werden. "Deshalb wird auf europäischer Ebene dringend eine Lösung benötigt."

Kraftfutter für Schweine und Geflügel

Nach Angaben der Hochschule Osnabrück ist der Einsatz von Wasserlinsen in der Schweine- und Geflügelernährung bislang unzureichend erforscht. In Phase 2 des Lemna-Protein-Projekts werden die als Futtermittel aufbereiteten Wasserlinsen zunächst auf ihre Verdaulichkeit getestet. Diese Versuche finden in Kooperation mit der Hochschule Bingen statt. Im nächsten Schritt testet Johannes Demann, Doktorand der Hochschule Osnabrück, in zwei Betrieben unterschiedlich hohe Konzentrationen von getrockneten Wasserlinsen im Futtermittel von Schweinen. "Nach den Versuchen wissen wir dann, wie viel Sojaextraktionsschrot durch Wasserlinsen ersetzt werden kann."


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