Ab Samstag in "Tosca" auf der Bühne Aus Überzeugung zurück am Theater Osnabrück: Tenor Ricardo Tamura

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Ein bisschen wie zuhause: Tenor Ricardo Tamura kehrt für die Rolle des Mario Cavaradossi in Puccinis "Tosca" zurück ans Theater am Domhof.  Foto: David EbenerEin bisschen wie zuhause: Tenor Ricardo Tamura kehrt für die Rolle des Mario Cavaradossi in Puccinis "Tosca" zurück ans Theater am Domhof. Foto: David Ebener

Osnabrück. Zuletzt war Ricardo Tamura 2012 als Radames in Verdis "Aida" auf der Bühne des Osnabrücker Theaters. Jetzt kehrt er zurück, nach wichtigen Karriereschritten und einer schweren Krankheit.

Ricardo Tamura war im Begriff, nach Japan zu fliegen. Geandet ist er im Krankenhaus, Diagnose: Hirnblutung. Prognose: Komplette Lähmung, vorausgesetzt, er überlebt das Tennisball-große Blutgerinsel im Gehirn überhaupt. Tatsächlich hat er bereits um drei Uhr morgens wieder gesungen; "unter der Dusche konnte ich den kompletten ,Tannhäuser' singen", sagt der Tenor. Und heute, ein gutes Jahr nach dem Unglück, singt er besser denn je. "Was mit dem Beruf zusammenhängt, hat sich verbessert", sagt er. Nur Autofahren darf er nicht mehr: "Meine Augen sehen alles, aber das Gehirn kann nicht alles interpretieren." Deshalb ist sein Gesichtsfeld stark eingeschränkt." Auf die Opernbühne darf er aber, wie diesen Samstag im Theater am Domhof.

Als Puccini-Tenor an die Met

2012 war Tamura zuletzt hier; er sang damals den Radames in Giuseppe Verdis "Aida". Jetzt kehrt er als Cavaradossi zurück, so heißt der Künstler und politische Aktivist, der in Giacomo Puccinis "Tosca" Opfer eines brutalen totalitären Systems wird. Tamura interpretiert damit eine seiner zentralen Partien: Schon einmal sang er sie in Osnabrück; 2004 war das. Damals war er hier fest engagiert, und tatsächlich ist Osnabrück für ihn zum Karrieresprungbrett geworden. Von Osnabrück aus ging es nach Nürnberg ans dortige Staatstheater; er sang in der Folge an der Staatsoper Hannover, an der Welsh National Opera, und schließlich, erstmals im Oktober 2013, an der Metropolitan Opera in New York. 2013 gab er dort sein Debüt mit der Partie des Malers Cavaradossi aus Puccinis "Tosca".

Damit war er auf der Karriereleiter ziemlich weit oben angekommen. So weit, dass ihm seine Agentur in Amerika dringend abriet, nochmal nach unten zu schauen. Ein Engagement in einem kleinen Theater wie Osnabrück? "Das sollte ich nicht machen", sagt Tamura; nach der Erfolgslogik solcher Starfabriken schadet das der Karriere. Tatsächlich war der brasilianische Sänger gut im Geschäft. Bis ihn die Hirnblutung buchstäblich umwarf. Danach hat er eine andere Richtung eingeschlagen.

Meine größte Angst war, weg zu sein, ohne Tschüss sagen zu könnenRicardo Tamura, brasilianischer Tenor


Er ist damals sehr offensiv mit der Krankheit umgegangen. Das steht im krassen Gegensatz zu den Gepflogenheiten der Branche, nach denen man nicht über Krankheit spricht. Man könnte ja in den Verdacht der Unzuverlässigkeit geraten. Nun litt Tamura nicht ein einem Schnupfen - bei ihm ging es um Leben und Tod. "Meine größte Angst war, weg zu sein, ohne Tschüss sagen zu können", sagt er heute. Gleichzeitig mag die Facebook-Aktivität eine Form der Selbsttherapie gewesen sein und sicherlich die beste Art, jeglichen Spekulationen über seinen Zustand entgegenzutreten. Dann lieber ein regelmäßiger Lagebericht auf Facebook.

"Osnabrück und Tosca - das ist die perfekte Kombination."Ricardo Tamura, brasiliansicher Tenor


Heute geht es auf Ricardo Tamuras Facebook-Account wesentlich stiller zu. Denn es gibt weitaus wichtigere Dinge als Socialmedia-Kanäle zu bedienen. Nach Krankenhaus und Reha war er relativ schnell wieder auf den Beinen und bei Stimme sowieso; nach zehn Wochen stand er wieder auf der Bühne, und es dürfte kein Zufall sein, dass er ausgerechnet in einer konzertanten Vorstellung von "Tosca" sang. "Stress vermeiden" ist ihm zur obersten Maxime geworden, und das bedeutet, dass er nur nur noch Engagements annimmt, "die mir Spaß machen". "Fidelio" in Madrid als Neuanfang nach der schweren Krankheit? Das lehnte er ab - "die Agentur hat trotzdem weiter mit mir zusammengearbeitet". Tosca in Osnabrück? "Das Angebot kam während der Reha", sagt Tamura, "da war noch gar nicht klar, ob ich überhaupt jemals wieder auf der Bühne stehen würde." Aber die Oper liegt ihm am Herzen, die Stadt auch: "Osnabrück und Tosca - das ist die perfekte Kombination."

Seit Ende November lebt er jetzt in der kleinen Wohnung, die das Theater für solche Gäste unterhält. Und zwar richtig: Weihnachten und den Jahreswechsel haben er und seine Frau bei Freunden aus alten Osnabrücker Tagen verbracht, freie Stunden sind ebenfalls für Freunde hier reserviert. Zu Osnabrück unterhält Ricardo Tamura eben eine ganz besonders intensive Verbindung. Zu "Tosca" auch.


Tosca:

Premiere am Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, Theater am Domhof.

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