Fusion bleibt ein Prozess Osnabrücker Südstadtgemeinde feiert Zehnjähriges

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Diakon Dirk Hartung, Pastor Hilko Danckwerts, Pastorin Julia Telscher-Bultmann und der Vorsitzende des Kirchenvorstands Daniel Matzner (von links) haben noch viel vor in der Südstadtgemeinde. Foto: Jörn MartensDiakon Dirk Hartung, Pastor Hilko Danckwerts, Pastorin Julia Telscher-Bultmann und der Vorsitzende des Kirchenvorstands Daniel Matzner (von links) haben noch viel vor in der Südstadtgemeinde. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Zehn Jahre ist es her, dass sich die im Süden der Stadt Osnabrück gelegenen evangelischen Kirchengemeinden zu einer großen Gemeinde zusammengeschlossen haben. Aus Lukas, Luther, Margareten und Melanchthon wurde 2009 die Südstadtkirchengemeinde. Sie umfasst heute die Stadtteile Fledder, Kalkhügel, Nahne, Schölerberg und Voxtrup. Ganz abgeschlossen ist die Fusion noch nicht.

Der runde Geburtstag soll an diesem Sonntag, 20. Januar 2019, mit einem Festgottesdienst gefeiert werden. Die Feier findet im Rahmen des Neujahrsempfangs statt. Dann wird in der Lutherkirche auch die Landessuperintendentin Birgit Klostermeier erwartet, die die Predigt halten wird.

Grund für die damalige Fusion waren vor allem die knapper werdenden finanziellen Mittel bei schrumpfenden Mitgliederzahlen. Umfassten die vier Gemeinden im Jahr 1999 noch gut 12.000 Gläubige, sind es 20 Jahre später nur noch 8000. „Die demografische Entwicklung findet sich wieder“, meint Pastor Hilko Danckwerts dazu. Er ist einer der Jüngeren, die die alten Zeiten schon gar nicht mehr kennen. „Die Jungen sind selbstverständlich Pastoren der Südstadtkirchengemeinde“, sagt seine Kollegin Julia Telscher-Bultmann.

Fusion als mutiger Schritt

Diakon Dirk Hartung hat den ganzen Vereinigungsprozess mitgemacht. Und der ist noch keineswegs abgeschlossen. „Die Zuweisungen der Landeskirche an Geld und Personal richten sich nach der Mitgliederzahl. Wir bekamen immer mehr halbe Stellen und Drittelstellen“, erinnert er sich: „Dadurch ist die Arbeit zersplittert. Jetzt haben wir ein Team und können in der Stadt mehr innovative Angebote machen.“ Die Fusion bleibe ein offener Prozess und sei seinerzeit ein durchaus radikaler und mutiger Schritt gewesen. Die Südstadtgemeinde als Vorreiter für die schrumpfende hannoversche Landeskirche. Hartung: „Der Superintendent sagte damals: Ihr macht das mal, und wir gucken zu, wie es läuft.“

Gebäude renovierungsbedürftig

Nach zwei Kirchenvorstandsperioden sei man so langsam dazu gekommen, nicht mehr nach hinten, sondern nach vorn zu schauen, betont Pastorin Telscher-Bultmann. Bis dahin sei auch viel Trauerarbeit im Spiel gewesen. Beispielsweise 2015, als die Melanchthonkirche entwidmet, also von einem Gotteshaus zu einem normalen Gebäude zurückgestuft wurde – „eine traurige Sache, so etwas macht niemand gern“, bedauert Kirchenvorstandsvorsitzender Daniel Matzner. Die Gläubigen mussten lernen, loszulassen. „Wer vorangeht, verursacht immer Scherben“, kommentiert Pastor Danckwerts. Der Gebäudebestand muss zudem weiter verkleinert werden. Das Luther-Gemeindehaus wird wohl abgerissen und durch einen kleineren Neubau ersetzt. Viele andere Immobilien sind dringend renovierungsbedürftig.

Nachdem die Mitgliederzahlen der alten Luthergemeinde zwischen 1950 und 1970 nach oben geschnellt waren und binnen weniger Jahre drei neue Kirchbauten entstanden und Gemeinden in die Selbstständigkeit entlassen wurden, geht es nun den umgekehrten Weg. „Ich erlebe jetzt den gleichen Aufbruch wie vor zehn Jahren. Nur fröhlicher“, sagt Diakon Hartung: „Wir sind als Kirche auf einem ganz offenen Weg und wissen nicht, wie die Gemeinde sich entwickeln wird.“


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