Häufigster Krebs bei Männern und Frauen Nach Rekordsommer mit viel Sonne: Zunahme an Hautkrebs?

Swen Malte John (Gastautor)

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Osnabrück. Die gute Nachricht: Hautkrebs kommt nicht von heute auf morgen. Die schlechte Nachricht: Die Haut vergisst nichts. Wer also in diesem Rekordsommer ungeschützt draußen gewesen ist, hat sein Hautkrebsrisiko erhöht. Und noch etwas ist sicher: An den vielen sonnigen Tagen 2018 ist die UV-Bestrahlung auch in unseren Breiten erheblich gewesen.

UV-Strahlung spielt im Sommer zwar auch bei Bewölkung eine Rolle (bis zu 70 Prozent), aber ein weitgehend wolkenloser Himmel bedeutet maximale Exposition. Problemlos sind hier die Äquivalente von zehn Sonnenbränden für Hellhäutige an einem einzigen solchen Sommertag zu erreichen. Wenn man dann noch bedenkt, wie heiß wir es hatten, war die Verlockung für viele groß, auch tatsächlich große Körperpartien der Sonne auszusetzen. Das rächt sich. Allerdings kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis der Körper die Rechnung präsentiert. Für Hellhäutige gibt es da auch keine Rabattregelung. Besonders problematisch ist das für die vielen Menschen, die sich beruflich der Sonne aussetzen müssen; hier sind wir froh, dass seit 2015 Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt wird. Nur wissen das viele Außenarbeiter, zum Beispiel Landwirte, Bauarbeiter oder auch Kindererzieherinnen, bisher noch nicht.

11. Osnabrücker Wissensforum

Beim 11. Osnabrücker Wissensforum im November 2018 haben 33 Professoren der Universität Osnabrück Fragen von Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung beantwortet. Heute als Beitrag: Nach Rekordsommer mit viel Sonne. Zunahme an Hautkrebs?

Keine aufwendige Diagnostik

Eine weitere gute Nachricht ist, dass man Hautkrebs immer rechtzeitig entdecken kann, und es dafür auch keiner aufwendigen Diagnostik bedarf. Das bloße Auge reicht. Man muss es halt nur tun. Die meisten Hauttumoren werden von Ehepartnern entdeckt. Anschließend führt der Weg dann zum Hautarzt, den in Deutschland auch jeder direkt ansteuern kann. Das ist in Holland anders und einer der Gründe, warum Hautkrebs in unserem Nachbarland sehr viel später entdeckt wird und leider häufiger zum Tode führt.

Swen Malte John ist Professor für Berufsdermatologie. Foto: André Havergo


Ein weiterer Grund ist, dass es in der Bundesrepublik das gesetzliche Hautkrebs-Screening gibt. Es erlaubt, sich ab dem Alter von 37 alle zwei Jahre von Kopf bis Fuß auf Hautkrebs untersuchen zu lassen. Dies wird allerdings überwiegend von Frauen wahrgenommen, gerade die Risikogruppe älterer Männer erweist sich hier leider als Vorsorgemuffel. Hautkrebs weist seit Jahren dramatische Zuwachsraten auf, sowohl schwarzer als auch heller Hautkrebs sind im Zeitraum zwischen 2009 und 2015 zwischen 40 bis 50 Prozent angestiegen.

Häufigster Krebs bei Männern und Frauen

Hautkrebs ist mit Abstand der häufigste Krebs bei Männern und bei Frauen, mit etwa 250.000 Neuerkrankungen jedes Jahr und vielen Millionen Betroffenen. Es lohnt sich also, die bestehenden Vorsorgeangebote zu nutzen und sich aktiv zu schützen. Im Vordergrund steht hier: Schatten aufsuchen, gerade in der UV-intensivsten Zeit des Tages (80 Prozent) von 11:00 bis 15:00 Uhr. Am besten schützt Kleidung vor der Sonne; die verbleibenden unbedeckten Körperpartien wie Hände und Gesicht sollten durch hohen Lichtschutzfaktor (50+) geschützt werden, der VORHER aufgetragen wird. Zusammenfassend: Hose, langärmeliges Hemd, breitkrempiger Hut mit Nackenschutz, hoher Lichtschutzfaktor!

In Australien haben diese Maßnahmen die Krebshäufigkeit eindämmen können, gerade dadurch, dass dort in frühester Jugend mit Lichtschutzerziehung begonnen wird. Außerdem sind dort Solarien verboten; hierzulande leider nur für die unter 18-Jährigen, und auch das wird häufig nicht befolgt.

Wann muss man sich schützen: Hilfreich ist hier der UV-Index. Ab einem UV-Index von drei wird es Sonnen-brenzlig (die UV-Check App gibt Ratschläge). Wenn Sie dies beachten, kommen Sie auch sicher durch den nächsten Rekordsommer. Schützen Sie sich und Ihre Haut, Sie haben nur eine!


Über das Internetangebot der Universität Osnabrück sind die Beiträge des 11. Wissensforums auch als Video abrufbar unter www.uni-osnabrueck.de/wissensforum.

Das 12. Wissensforum findet am Freitag, 15. November 2019, statt.

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