Wie aus Geräuschen Musik wird Kindertheaterstück „Auge und Ohr“ lässt in Osnabrück Puppen auf Instrumenten tanzen

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Geheimnisse der Klänge gelüftet: Das Musiktheaterstück „Auge und Ohr“ im Theater am Domhof.  Foto: Jörn MartensGeheimnisse der Klänge gelüftet: Das Musiktheaterstück „Auge und Ohr“ im Theater am Domhof. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Als „Strolch-Spezial“ entführte das Musiktheaterstück „Auge und Ohr“ Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren im oberen Foyer des Theaters am Domhof in die Welt der Instrumente und Klänge.

Ausgerüstet mit Stirnlampen, Kescher und Forschungsutensilien schleichen sich zwei Gestalten in klinisch weißen Anzügen durch den Zuschauerraum auf die Bühne im mit schwarzen Vorhängen abgedunkelten oberen Foyer des Theaters am Domhof. So beginnt das Musiktheaterstück „Auge und Ohr“, das von der Puppenspielerin Hendrikje Winter und der Theaterpädagogin Marie-Louise Tralle konzipiert wurde, die auch die Hauptrollen spielen. Das stimmt wiederum nicht ganz, denn im Zentrum der „Strolch Spezial“-Aufführung für Kinder von fünf bis acht Jahren steht die Welt der Klänge, die sie für die Zuschauer und Zuhörer erforschen. Mit einer kleinen Kamera, deren Bilder live auf eine Leinwand projiziert werden, wird zunächst das Geheimnis und der Ursprung der Quietsch- und Klopfgeräusche unter dem einen Bettlaken gelüftet, das danach auch als Bühnenvorhang für ein Schattenspiel dienen sollte. 

Von Kreischen zu Wohlklang

Nach und nach werden dabei Details eines Kontrabasses sichtbar, in dem sich eine kleine schwarze Papierschlange versteckt hat, die sich später auf dem Hals des Zupf- und Streichinstruments synchron zu den mit ihm erzeugten Klängen auf und ab bewegt. Das schrille Kreischen unter dem zweiten Versteck entpuppt sich als Geräusch, das mit einer Klarinette erzeugt wurde. Im Schattenriss tanzt dann ein wie ein Katzenschwanz puschelig erregter Wurm auf dem Blasinstrument hin und her. Seine Bewegungen geraten zunehmend sanfter, je mehr sich die diffusen Töne zu Wohlklang verdichten. Durch die Musik buchstäblich beflügelt, bindet das Forscherinnengespann die beiden Wesen mit Hilfe von Requisiten für die fehlenden Körperteile zu einem Vogel zusammen. 

Fliegende Töne

Parallel dazu werden auch Kontrabassist Matthias Wernecke und Klarinettist Marian Ghisa zu einem tönenden Duo, das nicht nur soliert, sondern auch im Duett Klänge zusammenführt und poetisch durch den Raum fliegen lässt. Wie diese kann schließlich auch das hybride Tier eingefangen werden, um wieder etwas Neues daraus hervorzuzaubern. Die spartanisch nur mit einem nackten Baum, an dem Wäscheklammern wachsen, bestückte Bühne ist nun nicht mehr in kühles weißes Forscherlicht, sondern in ein warmes Rot getaucht. Und auch die Klangfarben haben sich verändert – von spannenden, fast unheimlichen Geräuschen hin zu fröhlichen, unbeschwerten Tönen. 

Musik zum Anfassen

Nach der kindgerecht weniger als einstündigen Aufführung stehen die beiden Musiker des Osnabrücker Sinfonieorchesters noch für Fragen zur Verfügung und laden dazu ein, ihre Instrumente einmal anzufassen oder auszuprobieren. So erleben die Kinder nicht nur, dass man Musik auch sehen kann, sondern auch, wie sie sich anfühlt, wenn die Luft herausströmt und die Saiten vibrieren. Zu den staunenden Augen und aufmerksamen Ohren gesellt sich am Ende also auch noch ein taktiles Erlebnis. So ist es im besten Sinne Musiktheater für alle Sinne. Lehrreich, spannend und unterhaltsam.


"Strolch Spezial" - Musiktheater für Kinder

Weitere Vorstellungen des Kinder-Musiktheaterstücks „Auge und Ohr“ am Sonntag, 20. Januar, um 11 Uhr und Samstag, 26. Januar, um 15.30 Uhr im Theater am Domhof.

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