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„Es gibt noch viel,viel zu tun“ Friedensaktivist Mohssen Massarrat verlässt Osnabrück

Von Thomas Wübker

Zum Abschied übergab Prof. Dr. Mohssen Massarrat (Mitte) seine Unterlagen zur friedenspolitischen Arbeit in Osnabrück an Thomas Müller von der OFRI (links) und Dr. Thomas Schneider vom Remarque-Archiv. Foto: Jörn MartensZum Abschied übergab Prof. Dr. Mohssen Massarrat (Mitte) seine Unterlagen zur friedenspolitischen Arbeit in Osnabrück an Thomas Müller von der OFRI (links) und Dr. Thomas Schneider vom Remarque-Archiv. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Es gibt noch viel, viel zu tun.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Professor Mohssen Massarrat von langjährigen Mitstreitern aus der Friedensarbeit. Er verlegt seinen Lebensmittelpunkt von Osnabrück nach Berlin. Der Osnabrücker Friedensinitiative (OFRI) vermachte er bei seinem Abschied seine Materialien über die mehr als 30 Jahre seiner Arbeit in der Hasestadt. Sie lagern nun im Remarque-Archiv und sind für die Öffentlichkeit einsehbar.

Vom NATO-Doppelbeschluss über den Europäischen Friedenskongress 1998, der anlässlich des 350. Jahrestages des Westfälischen Friedens in Osnabrück zusammenkam, bis zu heutigen Aktivitäten der Arbeitsgruppen und Sympathisanten der OFRI ist einiges in den Aktenordnern enthalten. „Mit Mohssen Massarrat verlässt viel Wissen Osnabrück“, sagte Thomas Müller von der OFRI.

Im Remarque-Archiv lagern etliche Dokumente zur Friedensarbeit – nicht nur in Osnabrück. Dessen Leiter Thomas Schneider lud Schüler, Studenten und Interessierte ein, dort zu recherchieren. Das Archiv ruft zudem dazu auf, Unterlagen zur Friedensarbeit in Osnabrück dort abzugeben.

Das hat Mohssen Massarrat am Dienstag schon getan. In einer Altpapier-Tragetasche aus den Achtzigerjahren übergab er seine Dokumente. Auf einer Seite der Tasche war zu lesen: „Der beste Zivilschutz ist ein atomwaffenfreies Europa.“ In dieser Tüte liege einiges, was für die Forschung interessant sei, verriet Massarrat.

Der 1942 in Teheran geborene Diplom-Ingenieur für Bergbau und Professor für Politikwissenschaft arbeitete seit 1975 an der Osnabrücker Universität. Vorher hatte er in Berlin studiert. Die Schwerpunkte seiner Arbeit lagen in der Friedens- und Konfliktforschung, in der jüngsten Zeit vermehrt im Mittleren und Nahen Osten.

In Osnabrück hat Massarrat zusammen mit dem Pastor Otto Meyer die OFRI ins Leben gerufen. In einem Aufruf vom Oktober 1980 appellierten sie an die Osnabrücker, sich für „die Eindämmung der weltweiten Kriege“ und „die Verhinderung eines atomaren Infernos“ zu engagieren. „Es gibt noch viel, viel zu tun“, sagte Massarrat.

Er stellte in diesem Zusammenhang die Frage, was passiert wäre, wenn es die Friedensbewegung nicht gegeben hätte. Dann wäre zum Beispiel der Kalte Krieg nicht beendet worden, so Massarrat. Er fühle sich verpflichtet, für den Frieden im Mittleren und Nahen Osten zu kämpfen. „Deswegen gibt es die OFRI noch, weil es Menschen gibt, die nicht aufgeben.“