Akademische Hebammenausbildung Professorin: Studium für Hebammen ist unerlässlich

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Osnabrück Seit zehn Jahren gibt es an der Hochschule Osnabrück einen Hebammen-Studiengang. Mit großem Erfolg, wie Professorin Claudia Hellmers sagt. Dass künftig alle Hebammen akademisch ausgebildet werden sollen, hält die Expertin für einen längst überfälligen Schritt.

Mit der Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn, Hebammen in Deutschland künftig in einem dualen Studium mit einem Abschluss als Bachelor auszubilden, komme endlich Bewegung in die Sache, meint die Professorin für Hebammenwissenschaft. Mit der Akademisierung setze Spahn eine Richtlinie der Europäischen Union um, nach der die Ausbildung für das Berufsfeld bis zum Januar 2020 reformiert sein muss. Dass das bis dahin klappt, bezweifelt Hellmers. Deutschland werde für die Umsetzung vermutlich eine Übergangsfrist benötigen.

Bisher 138 Absolventinnen

138 Absolventinnen wurden ab seit dem Wintersemester 2008/2009 in dem bundesweit ersten Studiengang für Hebammen in Osnabrück qualifiziert. Zum Jubiläum an der Hochschulen seien viele Absolventinnen (bisher gab es noch keinen männlichen Studenten) gekommen, berichtet die Expertin. Sie seien heute vorwiegend in der originären Hebammenarbeit, aber auch als Hebammen in Leitungsfunktionen, als Lehrerinnen an Berufsfachschulen oder als Praxisanleiterinnen tätig.

Geburtshaus gegründet

Zu den Handlungsfeldern, die sich nach dem Studium ergeben haben, gehören beispielsweise auch die Gründung eines Geburtshauses, ein anschließendes Masterstudium und die Umsetzung von Promotionsvorhaben. Die Absolventinnen des Midwifery-Studienganges (der englische Begriff steht für das gesamte Spektrum von Hebammentätigkeiten in der Geburtshilfe) unterstützen Veränderungen in der Praxis und nutzen zum Beispiel Betreuungskonzepte aus anderen Ländern bei der Begleitung von Schwangeren bis nach der Geburt.

Kompetenzprofil erweitern

Eine verbesserte und erweiterte Ausbildung hält Hellmers auch angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen und der damit einhergehenden Versorgungslage für unerlässlich. Migration, Armut, chronische Erkrankungen und Gewalt führt sie als Beispiele an. Hinzu komme, dass Frauen nach der Geburt schneller als früher entlassen würden. Es sei an der Zeit, neue und höhere Ausbildungsstandards zu schaffen, um das Kompetenzprofil der Hebammen zu erweitern. Ein Studium, das unter anderem evidenzbasiertes Arbeiten und familienorientierte Betreuungs- und Beratungskonzepte sowie ethische Entscheidungsfindung, Personal- und Qualitätsmanagement umfasse, biete den Studentinnen die Chance, die Praxis anders zu gestalten und flexibler auf Veränderungen zu reagieren.

Konkrete Zahlen fehlen

Die Osnabrücker Hochschulprofessorin hofft zudem, dass die Akademisierung der Ausbildung zu einem besseren berufs- und gesundheitspolitischem Bewusstsein führe. Leider gebe es auch keine Hebammenkammer nach dem Vorbild etwa der Ärztekammer. Als Folge fehlten konkrete Zahlen darüber, wie viele Hebammen es in Deutschland gebe und welches Tätigkeitsspektrum sie ausfüllen. Eine solche Erfassung würde eine Bedarfsplanung ermöglichen, um Fehlversorgungen zu vermeiden, so Hellmers. Derzeit gebe es bedauerlicherweise unterversorgte Gebiete, in denen aus Mangel an Hebammen Kreißsäle über Nacht geschlossen würden oder Frauen keine Betreuung für das Wochenbett in Anspruch nehmen könnten.

Deutschland sei das letzte Land der EU, das Hebammen nicht an Hochschulen ausbilde. Für die umfassende Reform müssten Hochschulen bundesweit Midwifery-Studiengänge anbieten, sagt Hellmers. Derzeit gebe es an der Hochschule Osnabrück 454 Studienplätze in diesem Bereich.


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