Handgiftentag klingt nach SPD und Grüne kritisieren Grieserts Vonovia-Verteidigung

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert am Rednerpult beim Handgiftentag 2019 in Osnabrück. Foto: Swaantje HehmannOberbürgermeister Wolfgang Griesert am Rednerpult beim Handgiftentag 2019 in Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. SPD und Grüne distanzieren sich von den Vonovia-Äußerungen von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), der in seiner Handgiftenrede den Wohnungskonzern in Schutz genommen hatte.

„Völliges Unverständnis" äußerte SPD-Fraktionschef Frank Henning über den "Kuschelkurs" Grieserts mit dem DAX-Unternehmen Vonovia. Ohne jede Not nehme er ein Finanzunternehmen in Schutz, "welches aktuell in Osnabrück auf dem Wohnungsmarkt verbrannte Erde hinterlässt“, so Henning in einer Pressemitteilung. 

Vonovia gehe es offensichtlich ausschließlich um Gewinnmaximierung. „Vor diesem Hintergrund ist die SPD-Fraktion um so fassungsloser über die Aussagen unseres Stadtoberhauptes, dessen vorrangige Aufgabe es doch sein muss, eine Stadtgesellschaft zu unterstützen, die alle Bürgerinnen und Bürger mit einbezieht. Großkonzernen nicht weh zu tun und nach dem Mund zu reden, gehört sicherlich nicht dazu“, so Henning. 

Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Volker Bajus. "Wer mit extremen Mietsteigerungen und unklarer Abrechnung bei Nebenkosten und Modernisierung einseitig nur Profitinteressen verfolgt, muss sich nicht wundern, wenn ihm Wucher und Abzocke vorgeworfen wird", so Bajus. Der sozialen Verantwortung des Eigentums, wie es das Grundgesetz fordert, komme Vonovia offensichtlich nicht nach.

Auch den vom OB gelobten Beitrag zum Klimaschutz durch Modernisierung können die Grünen "kaum erkennen". Das Erneuern unzuverlässiger, fast 40 Jahre alter Heizungstechnik stuft Bajus als "längst überfällige Instandhaltung". Mit Klimaschutz habe das wenig zu tun. Bajus: "Vonovia macht nur das, was zwingend geboten ist. Vom Einsatz erneuerbarer Energien oder Passivhausstandards hört man nichts."

Ein Lob gibt's von Rot-Grün dennoch für den Oberbürgermeister: Seine Aussagen zu den Baustellen in der Stadt seien "wohltuend" (Henning) und "lange überfällig" (Bajus). Griesert hatte die Baustellenkoordinatoren verteidigt und die Autofahrer zu mehr Gelassenheit im Umgang mit den Verkehrsbehinderungen aufgerufen. "Die Mitarbeiter erwarten zu Recht, dass sich ihr Chef hinter sie stellt. Baustellen sind für uns Ausdruck des Modernisierungswillens der Stadt", so Bajus. Henning begrüßte, dass Griesert sich gegen "Schwarzmaler" und "Rummoserei am Baustellenmanagement" gewandt habe. 

(Der Hintergrund: Grieserts Handgiftenrede in der Zusammenfassung)


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