Was den Jazz im innersten zusammen hält Denis Gäbel stellt im Blue Note neues Album und neue Band vor

Suchen und finden: Denis Gäbel (Saxofon) mit Pianist Sebastian Sternal, Bassist Reuben Rogers und Clarence Penn am Schlagzeug. Foto: Philipp HülsmannSuchen und finden: Denis Gäbel (Saxofon) mit Pianist Sebastian Sternal, Bassist Reuben Rogers und Clarence Penn am Schlagzeug. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. In schöner Regelmäßigkeit gastiert Denis Gäbel mit seinen Formationen im Blue Note. Jetzt war er da, um eine neue Tour zu starten und das neue Album "The Good Spirits" vorzustellen.

Jazzer suchen ja gerne, was die Welt so in ihrem Innersten zusammenhält. In den seltensten Fällen tun sie das allein; Denis Gäbel, der Saxofonist, Komponist und Bandleader aus Ibbenbüren, hat im Blue Note bereits in den unterschiedlichsten Konstellationen vorgeführt, mit welchem Spürsinn er die roten Fäden der Musik aufspüren und gemeinsam mit seiner Band verfolgen kann. Aber manchmal ist die Suche eben auch ein längerer Prozess, der viel mit Selbstfindung zu tun hat.

Deutsch-amerikanisches Treffen

So war das beim aktuellen Konzert an diesem Mittwoch, dem Auftakt einer kleinen Tour mit zehn Konzerten. Dafür hat er vergangenes Jahr in New York das Album „The Good Spirits“ aufgenommen und sich nun eine neue Band zusammengestellt. Dabei treffen die beiden Amerikaner Reuben Rogers (Bass) und Clarence Penn (Schlagzeug) auf den Kölner Pianisten Sebastian Sternal und eben Denis Gäbel am Tenorsaxofon.

„Es war ungeheuer spannend, was da von Anfang an passiert ist“, sagt Sternal nach dem Konzert. Aus der Wahrnehmung des Zuhörers schimmert dieses Potenzial durch, doch es braucht seine Zeit, bis die Band eine gemeinsame Dynamik entwickelt. Zum ersten Mal klingt sie im „Wistfully Waltz“ an, einem ruhigen, gefühlvollen Stück. Bahn bricht sich der gemeinsame Geist aber erst beim letzten Stück vor der Pause: „Scoop“ heißt es, und es klingt, als würden dieFunk- und Rockrhythmen jenen Sturm entfachen, der den Kopf freibläst. Ab jetzt sucht die Band nicht mehr nur, sie beginnt zu finden und ihre kollektive Identität auszubilden.

Die Freude nach der Pause

Deshalb bereitet der zweite des Abends uneingeschränkte Freude. Plötzlich beginnt Gäbel, in seinen Soli Geschichten zu erzählen, plötzlich bekommt es Sinn, wenn Clarence Penn das Grundmetrum der Musik auf seine Standfestigkeit hin austestet. Rogers' Soli lassen sich mitvollziehen, Sternal entwickelt Sinnzusammenhänge. Die Band findet ihre gemeinsame Linie.

Übers eigene Solo hinaus suchen die Musiker nun die Interaktion mit den Bandkollegen. Sie hinterfragen die klassischen Songstrukturen, ohne sie jemals aufzulösen, sie nehmen sich den Raum, sich instrumental auszudrücken. Dabei lässt der Bandleader seinen Mitmusikern viel Freiheit – er macht das traditionell so. Sie wissen mit diesem Platz umzugehen: Sternal kann atemberaubend virtuos spielen, hüllt Melodien in bezaubernde Akkorde und kann urplötzlich aus dem Fluss der Musik ausbrechen und die ganze Struktur in Frage stellen. Dann aber spielt sich Gäbel wieder in den Fokus: mit einem kraftvollen Ton, der aber auch ganz sanft streicheln kann. Damit wird er zum variantenreichen Geschichtenerzähler des Jazz, und zusammen mit seiner Band ist er dem Innersten des Jazz ganz dicht auf der Spur.


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