Unbehagen wächst Noch mehr Hotels in Osnabrück?

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Das Hotel am Alando Palais. Das Luftbild entstand im März 2018. Inzwischen steht der Bau vor der Vollendung Foto: Gert WestdörpDas Hotel am Alando Palais. Das Luftbild entstand im März 2018. Inzwischen steht der Bau vor der Vollendung Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Dreht die Hotelbranche jetzt völlig durch? Das mag sich mancher Gast im Osnabrücker Rathaus gefragt haben, als Hotelmanagerin Ira Klusmann anklingen ließ, dass der Bau zweier weiterer Hotels in der Innenstadt geprüft werde.

Klusmann sprach als Vorsitzende des Osnabrücker City-Marketings (OCM) vor gut hundert Gästen beim Marketing-Empfang im Rathaus. Und ihre Worte über das „inflationäre“ Wachstum in der Hotelerie hallten nach. Klusmann, Chefin des Remarque-Hotels, steckt tief in der Materie, und wenn sie „Gerüchte“ zitiert, hat das Gewicht. Nach ihren Informationen sind über die derzeitigen Hotelprojekte hinaus, mindestens zwei weitere Objekte in der Innenstadt in Planung. Details mochte sie öffentlich nicht nennen. Sie äußerte aber ihre „Besorgnis“ über diese Entwicklung, die ruinöse Folgen haben könne.


Am Neumarkt. Hier zieht ein Boutique-Hotel mit 80 Zimmern ein. Baubeginn: Mitte Januar 2019. Grafik: B&B Projekt GmbH


Das Holiday Inn am Alando Palais mit 158 Zimmern steht vor der Vollendung, am Neumarkt stehen zwei Hotelneubauten mit zusammen 210 Zimmern am Start. Im früheren Modehaus Sinn-Leffers an der Johannisstraße ist ebenfalls ein Hotel geplant. Wie es heißt, hat die Münchener Kette „Motel One“ Interesse an dem Standort. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte am Donnerstag dazu nicht Stellung nehmen. „Wir äußern uns zu Projekten erst, wenn Bauanträge gestellt sind oder Genehmigungen vorliegen.“

Wirtschaftlichkeit spielt keine Rolle

Ira Klusmann warnte, sich vom großen Interesse der Hotelketten blenden zu lassen. Sie kämen nicht nach Osnabrück, weil es eine herausragende Stadt sei oder hier besonders viel zu holen wäre. „Diese Ketten haben eine Standortpflicht“, erklärte Klusmann. Wenn sich eine Kette in einer Stadt neu ansiedele, müssten die anderen nachziehen – unabhängig von der Wirtschaftlichkeit. Diese Häuser würden dann von den ertragreichen in Hamburg, Berlin oder München quersubventioniert, sagte Klusmann.

Der Hintergrund: Die Ketten schließen gern Verträge mit großen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter auf Geschäftsreisen unterbringen müssen. Die Großunternehmen achten aber darauf, dass die Hotels an allen wichtigen Plätzen vertreten sind.

Lange Zeit "kettenfrei"

Lange Zeit sei Osnabrück „weitgehend kettenfrei“ gewesen“, sagte Hans Klute, Vorsitzender Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) unserer Redaktion. Es habe sich früher keiner nach Osnabrück getraut, weil der Markt nicht viel herzugeben schien. „Dann ist einer angefangen, und die Dämme sind gebrochen“, so Klute. Er sagt dem Osnabrücker Hotelmarkt eine „Kannibalisierung“ voraus. Und der Kampf um Fachkräfte nehme immer mehr an Schärfe zu.

Auch im Umland sind Hoteliers in Sorge. Deshalb lässt das Regionalmarketing zurzeit einen Hotelmarktbericht für Stadt und Landkreis erstellen. Das Ergebnis soll Ende Februar vorliegen, wie Marketingchefin Petra Rosenbach unserer Redaktion sagte. So viel stehe jetzt schon fest: „Die Experten sehen die Entwicklung ebenfalls kritisch.“ Und die Stadt sollte Wege suchen, die Entwicklung zu steuern und Investition umzulenken.


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