Themen: Neumarkt, Theater, Zoo Was Osnabrücker Schüler von Oberbürgermeister Griesert wissen wollen

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert besuchte die BBS Schölerberg. Foto: Philipp HülsmannOberbürgermeister Wolfgang Griesert besuchte die BBS Schölerberg. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. 120 Schüler hatten die einmalige Chance, den Osnabrücker Oberbürgermeister nach allen Regeln der Kunst zu löchern. Was wollten sie von ihm wissen? So viel vorweg: Seine Schuhgröße (44 1/2) hat er ganz von selbst verraten.

Wie funktioniert eigentlich Kommunalpolitik? Diese Frage haben sich die Schüler des elften Jahrgangs der Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung Ende 2018 im Unterricht gestellt. Im Neuen Jahr bekamen sie dazu einen kompetenten Ansprechpartner: Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert besuchte die Schule am Schölerberg und stellte sich den Fragen der 16- bis 19-Jährigen. Und die hatten es durchaus in sich:

1. Was passiert mit dem Neumarkt? 

Der Neumarkt im Herzen Osnabrücks ist eine Dauerbaustelle – und wird es in der nächsten Zeit auch bleiben. Foto: David Ebener

"Das ist eine gute Frage", entgegnete Griesert der Schülerin, die sich als eine der ersten gemeldet hatte. Zumindest auf der Freifläche vor H&M tue sich nun mit dem Bau des sogenannten "Zauberwürfels" endlich etwas. Für den Platz selbst erstelle ein Berliner Büro gerade konkrete Pläne, die Entscheidung darüber solle noch in diesem Monat fallen, so Griesert. Dann müsste die Ausschreibung der Baumaßnahmen erfolgen, die Bauzeit werde auf 12 bis 14 Monate geschätzt. "Ende 2020 soll die Fläche dann fertig sein."

2. Was bedeuten die Baumaßnahmen für Schüler, die täglich mit dem Bus in die Stadt pendeln?

Der Neumarkt ist ein Verkehrsknotenpunkt, auch für viele Schüler, die mit dem Bus in die Stadt fahren. Foto: David Ebener

Derzeit gebe es verschiedene Pläne, den Verkehr wegen der Baustellen auf dem Neumarkt umzuleiten, so Griesert. Einer davon sehe vor, den Platz "nur etwa drei Monate für die Busse zu sperren, wovon ein Teil in die großen Ferien fallen würde". Ob dieser Plan auch umgesetzt wird, sei allerdings noch nicht entschieden. Ziel sei es aber in jedem Fall, den ÖPNV so lange wie möglich über den Neumarkt laufen zu lassen. 

3. Warum investiert die Stadt 80 Millionen Euro in das Theater, anstatt eine Veranstaltungshalle zu bauen?

Noch dauert es wohl ein bisschen, bis das Osnabrücker Theater zur Baustelle wird. Foto: Michael Gründel

Auch in diesem Fall sei noch keine Entscheidung gefallen, erklärte Griesert den Schülern, vielmehr habe das Theater zunächst einen entsprechenden Bedarf angemeldet. Er selbst könne sich eine solch teure Kernsanierung "nur vorstellen, wenn wir als Stadt am Ende ungefähr ein Drittel der Kosten zahlen. Der Rest muss aus Landes- und Bundesmitteln kommen". Für den Bau einer Multifunktionshalle – etwa als Ort für Konzerte – fehle in Osnabrück die entsprechende Fläche.

4. Wie stehen Sie dazu, dass die Stadt den Osnabrücker Zoo mitfinanzieren soll?

Der Osnabrücker Zoo braucht dringend Geld, unter anderem um die Elefantenanlage zu modernisieren. Foto: David Ebener

"Der Zoo ist gut aufgestellt und wir unterstützen ihn gerne", sagte Griesert und erinnerte an die Grundstücke und Bürgschaften, die die Stadt Osnabrück dem Tierpark bereits in den letzten Jahren hatte zukommen lassen. Aber: "Wir gehen davon aus, dass wir uns in Zukunft noch stärker finanziell engagieren müssen." Der Zoo diene den Osnabrückern schließlich zur Erholung und Freizeitgestaltung und spiele mit seinem Zuchtprogramm auch eine wichtige Rolle für die Erhaltung gefährdeter Tierarten.

5. Sie haben angekündigt, bei der nächsten Bürgermeisterwahl erneut zu kandidieren, wenn der Neumarkt bis dahin nicht fertig ist...

Da war er gerade gewählt: Wolfgang Griesert feierte 2013 seine Wahl zum Oberbürgermeister Archivfoto: Michael Gründel

Dieses Zitat aus einem Interview anlässlich seiner Halbzeit als Bürgermeister wollte Griesert als "eine versteckte Drohung an den Rat" verstanden wissen. Zu dem Zeitpunkt habe es unter den Fraktionen große Unstimmigkeiten über den Neumarkt gegeben, zum Teil blockierten sich Verwaltung, Rat und Bürgermeister gegenseitig bei der Suche nach einer gemeinsamen Lösung. Da habe er seinen Kollegen mitgeben wollen: "Wenn wir nicht vorankommen, dann müsst ihr mich noch länger ertragen."

In der gut einstündigen Diskussion wollten die Schüler aber natürlich etwas über die Person Wolfgang Griesert erfahren. So wollte ein Schüler wissen, welches Auto der Oberbürgermeister fährt (einen 7er BMW), ein anderer fragte nach seinem Erfolgsrezept (gerne Arbeiten, die Dinge verstehen, viel Einsatz zeigen) und eine Schülerin wollte wissen, ob er schon immer Bürgermeister werden wollte (Nein.). Als Politik-Lehrer Roland Ziegler seine Schüler zu noch mehr persönlichen Fragen ermunterte, winkte Griesert ab. "Meine Schuhgröße ist 44 1/2, das verrate ich auch so."


Die Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung...

... gehört zu den Berufsbildenden Schule der Stadt Osnabrück am Schölerberg. Jugendliche, die mindestens einen Realschulabschluss oder einen vergleichbaren Bildungsstand nachweisen können, werden hier nach insgesamt 12 Schuljahren zum Fachabitur geführt. Parallel zum Unterricht absolvieren die Schüler Praktika, um erste Berufserfahrungen zu sammeln. Die meisten streben Jobs im öffentlichen Dienst an, etwa bei Polizei und Zoll oder in der Verwaltung von Städten und Gemeinden. Das Fach Politik hat im Unterricht der Jahrgangsstufe elf einen Anteil von einer Stunde pro Woche. 

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