Prozess um Mord im Schinkel geht in die Verlängerung Dem Opfer einen Namen geben

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Im Prozess um den vermeintlichen Muttermord in Schinkel hat das Gericht drei zusätzliche Verhandlungstage angesetzt. Foto: André HavergoIm Prozess um den vermeintlichen Muttermord in Schinkel hat das Gericht drei zusätzliche Verhandlungstage angesetzt. Foto: André Havergo

Osnabrück. Müssen Rechtsmediziner hartgesottene Menschen sein? Wenn man sehen muss, was sie sehen, möchte man schon glauben, dass der Job ohne dickes Fell nicht zu machen ist. Um so schöner ist es, wenn ein Rechtsmediziner dem von ihm untersuchten Opfer einen Namen gibt, wie jetzt im Prozess um den vermeintlichen Muttermord in Schinkel.

Detailliert schildert der Facharzt für Rechtsmedizin, der die sterblichen Überreste der 61-Jährigen im rechtsmedizinischen Institut in Oldenburg obduziert hatte, die Ergebnisse seiner Untersuchung. Dadurch, dass er die ehemalige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung stets beim Namen nannte, gab er der Toten ein Stück ihrer Identität zurück, die der Täter, laut Staatsanwaltschaft der angeklagte Sohn, ihr durch seine Tat und die anschließende Zerstückelung der Leiche genommen hatte.

Mit brutaler Gewalt

Ruhig und sachlich trägt der Mediziner vor, wie er gemeinsam mit Vertretern der Polizei und seinen Institutskollegen Körperteil für Körperteil untersucht hat, um den Geschehnissen an diesem 29. März 2018 auf den Grund zu gehen. Dabei war die Todesursache offensichtlich: Mit brutaler Gewalt hat der Täter der 61-Jährigen den Kopf eingeschlagen, von vorne. "Das waren ganz, ganz ausgeprägte Kopfverletzungen, die weit jenseits dessen lagen, was normalerweise bei Tötungsdelikten zu beobachten ist", so der Gutachter. Er habe so etwas in seinem Berufsleben bislang noch nicht gesehen. Die Verletzungen seien vergleichbar mit denen, die Selbstmörder davon trügen, die den Tod auf den Schienen suchten.

Vielzahl von Schlägen

Im Fazit seiner Ausführungen kam der Rechtsmediziner zu dem Schluss, dass wohl schon der erste von einer Vielzahl von Schlägen – die Rede war von einer Anzahl im zweistelligen Bereich – zur Bewusstlosigkeit geführt haben muss. Der Tod selber dürfte laut Obduktionsergebnis etwa 20 Minuten später eingetreten sein, was anhand der biologischen Abläufe an den wahrscheinlichen Abwehrverletzungen festgemacht werden könne. 

Motiv bleibt weiter unklar 

Folgte der Angeklagte dem Prozess an den vergangenen vier Verhandlungstagen eher teilnahmslos, so hörte er den Ausführungen des Rechtsmediziners mit erheblich größerem Interesse zu. Seine als Nebenklägerin ebenfalls an allen Terminen anwesende Schwester ertrug die Ausführungen zum Tod ihrer Mutter neben ihrem Rechtsbeistand mit Fassung. Ihr ist die Anspannung, die der Prozess verursacht, anzumerken. Das Motiv für die Tat bleibt für sie ebenso unklar wie für die übrigen Prozessbeteiligten, da der Angeklagte nach wie vor jegliche Einlassung zum Geschehen verweigert. Wie schwer die Belastung durch dieses Fehlen von Erklärungen für Angehörige, Freunde und Kollegen der Getöteten ist, kann nur vermutet werden.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 15. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt. Zusätzliche Verhandlungstage hat die Schwurgerichtskammer für den 4., 14. und 28. Februar angesetzt.


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