Am Neumarkt deutlich zu hoch Stickstoffdioxid-Grenzwert am Schlosswall 2018 erneut überschritten – aber knapp

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Die Station zur Messung der Luftqualität am Schlosswall in Osnabrück. Archivfoto: Michael GründelDie Station zur Messung der Luftqualität am Schlosswall in Osnabrück. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Knapp vorbeigeschrammt: Der Stickstoffdioxid-Grenzwert ist im vergangenen Jahr am Osnabrücker Schlosswall nur geringfügig überschritten worden. Deutlich schlechter sieht es weiterhin am Neumarkt aus, er bereitet der Stadt Sorgen.

41 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft (µg/m³) maß die Station zur Messung der Luftqualität am Schlosswall im Mittel im vergangenen Jahr. Seit Beginn der Aufzeichnung ist das der beste Wert, dennoch ist damit die Vorgabe überschritten  – wenngleich knapp, wie aus vorläufigen Zahlen des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen hervorgeht. Die EU begrenzt den Jahresmittelwert auf 40 Mikrogramm.


Der höchste Monatsmittelwert wurde am Schlosswall im September mit 48 Mikrogramm erreicht, der geringste im Juni mit 32 Mikrogramm.


Deutlich schlechter sieht es am Neumarkt aus. Dort liegen bislang Werte bis zum 4. Dezember 2018 vor. Bis zu diesem Tag lag der Jahresmittelwert bei 49,0 Mikrogramm – 22,5 Prozent über dem erlaubten Grenzwert. Damit steht fest: Am Neumarkt wird der Jahresmittelgrenzwert deutlich überschritten.


Wert am Schlosswall „erfreulich“

„Erfreulich“, nennt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, den relativ geringen Wert am Schlosswall. Der Neumarkt hingegen „macht uns Sorgen“. Der Wert von aktuell 49 Mikrogramm liegt über dem Vorjahreswert von 48 Mikrogramm – „trotz des noch gesperrten Neumarkts im Januar“, sagt Gerdts.

Auf und zu: Der Neumarkt

  • Gesperrt: 2. Juni 2014 bis 17. Februar 2016: wegen Tunnelabrisses
  • Geöffnet: 17. Februar 2016 bis 18. Juli 2016: Das Verwaltungsgericht gibt einem Kläger recht: Die Bauarbeiten ruhen, deshalb ist eine baustellenbedingte Sperrung unzulässig.
  • Gesperrt: 18. Juli bis zum 18. Oktober 2016: wegen Kanalbauarbeiten
  • Geöffnet: 16. Oktober 2016 bis 13. Oktober 2017
  • Gesperrt: 13. Oktober 2017 bis 2. Februar 2018: Beschluss der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten
  • Geöffnet: seit dem 2. Februar 2018 bis heute. Das Oberverwaltungsgericht sagt: Der Neumarkt muss bis zur rechtskräftigen Entscheidung für Autos geöffnet bleiben. hin

Mehrere Maßnahmen sollen für sauberere Luft sorgen

Der Ende vergangenen Jahres vom Rat verabschiedete überarbeitete Luftreinhalteplan soll für sauberere Luft bis 2020 sorgen; denn Osnabrück steht weiterhin „sehr weit vorne“ auf der Sünderliste der Deutschen Umwelthilfe, die bereits in mehreren Städten Dieselfahrverbote durchgesetzt hatte. 

Maßnahmen zur Einhaltung des Grenzwerts

  1. Erstens die Elektrifizierung und Modernisierung der Busflotte: Die alten Diesel-Busse haben einen erheblichen Anteil daran, dass die Luft so schlecht ist. Ab März sollen die ersten Elektro-Busse der Stadtwerke den Linienbetrieb aufnehmen.   
  2. Zweitens die Reduzierung des Autoverkehrs um vier Prozent bis 2022: Die will die Stadt unter anderem durch die Förderung des ÖPNV und bessere Park-and-ride-Angebote erreichen. Mit diesen beiden Maßnahmen zusammen würde es laut Berechnungen nur noch am Schlosswall zu Überschreitungen der Stickstoffdioxid-Werte kommen.   
  3. Um auch diese auszumerzen, soll drittens ein umweltsensitives Verkehrsmanagement eingeführt werden – der Rat hat das im Sommer bereits beschlossen. Dabei handelt es sich um eine Ampelsteuerung, die nicht nur den Verkehrsfluss (etwa zu Stoßzeiten) berücksichtigt, sondern auch die Schadstoffemissionen. sdo

Am Neumarkt könnte sich das Problem von selbst erledigen, sofern der Platz ab Mitte dieses Jahres baustellenbedingt gesperrt werden würde. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert lässt derzeit prüfen, ob der Platz komplett gesperrt werden könnte, also auch für Busse. Dann, so Grieserts Hoffnung, müsste der Neumarkt womöglich nur ein paar Monate komplett gesperrt werden.

Bei einer Sperrung der Straße sei wiederum damit zu rechnen, dass die Belastung am Schlosswall um zwei bis maximal vier Mikrogramm ansteige, sagt Gerdts.

Unklar bleibt vorerst, was die Umwelthilfe zu den aktuellen Werten sagt und ob sie nun zu klagen gedenkt: DUH-Chef Jürgen Resch war am Donnerstag und Freitag nicht für unsere Redaktion zu erreichen.


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