Initiative fordert Gutachten Mit der Stadtbahn in Osnabrück zum autofreien Campus?

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ÖPNV im Wandel: "Der Campus gehört ans Schienennetz!", fordert die Stadtbahn-Initiative Osnabrück mit Blick auf eine von Uni und Hochschule geplante autofreie Zone am Westerberg. Bislang wird der Standort unter anderem von Bussen der Linie 21 angefahren. Die Fotomontage von 2013 zeigt sie auf dem Neumarkt neben einer fiktiven Tram. Fotomontage: Stefan van LenteÖPNV im Wandel: "Der Campus gehört ans Schienennetz!", fordert die Stadtbahn-Initiative Osnabrück mit Blick auf eine von Uni und Hochschule geplante autofreie Zone am Westerberg. Bislang wird der Standort unter anderem von Bussen der Linie 21 angefahren. Die Fotomontage von 2013 zeigt sie auf dem Neumarkt neben einer fiktiven Tram. Fotomontage: Stefan van Lente

Osnabrück. Pläne der Osnabrücker Hochschulen für einen autofreien Campus lassen den Ruf nach einer Stadtbahn lauter werden. Zumindest müsse die Option Tram endlich seriös geprüft werden, fordert die Stadtbahn-Initiative. Und wähnt im Rat eine große Offenheit für das einstige "Tabuthema".

Wer autofreie Zonen wolle wie Universität und Hochschule auf dem Campus Westerberg, solle bei seinen Planungen die Stadtbahn nicht vergessen, mahnt die Stadtbahn-Initiative (SBI) Osnabrück. Sie fordert: "Der Campus gehört ans Schienennetz!" Gleichzeitig drängt die Initiative auf ein Gutachten, das Kosten und Nutzen einer neuen Stadtbahn für Osnabrück verlässlich ermittelt.

Größere Transportmittel, mehr Komfort

Auch wenn Hochschule und Uni eine baldige Umsetzung ihres Mobilitätskonzepts Campus Westerberg anstreben, so wirbt die SBI dafür, das System Stadtbahn "perspektivisch" zu berücksichtigen. Der Campus Westerberg als Anlaufstelle für bis zu 15.000 Menschen täglich sei Ziel und Quelle sehr großer Verkehrsmengen. Das verlange ausreichend große Transportmittel und hohen Komfort. 


Die rote Linie zeigt eine mögliche Stadtbahn-Strecke, die vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zum Campus Westerberg führt. Die Skizze stammt aus der Ausstellung "Die moderne Tram in Europa", die die Stadtbahn-Initiative Osnabrück im September 2018 im Stadthaus präsentierte. Foto: Swaantje Hehmann


Schiene hat einen Bonus

Zwar werde der Campus Westerberg schon jetzt von den Linien 21 und 22 ab Hauptbahnhof und Innenstadt im Zehnminutentakt angefahren, und zwar in aller Regel mit Gelenkbussen oder Buszügen mit Anhänger. Eine Stadtbahn aber kann nach Meinung der Initiative mehr Platz auch in Spitzenzeiten bieten. Außerdem habe eine Bahn gegenüber dem Bus eine wesentliche höhere Akzeptanz, wie allgemeine Erfahrungen seit Jahren belegten. Rolf Brinkmann von der SBI erklärt: 


Dieser sogenannte Pull-Effekt trägt dazu bei, das Auto eher stehen zu lassen, als wenn nur der Bus die Alternative ist.


Campus-Linie sicher wirtschaftlich

Die Stadt müsse das System Stadtbahn "endlich gutachterlich prüfen lassen, um passende Korridore und Linienführungen zu bestimmen". Die Initiative ist davon überzeugt, dass insbesondere die Strecke Hauptbahnhof–Innenstadt–Westerberg "bei einer Kosten-Nutzen-Betrachtung mit Leichtigkeit eine hohe Wirtschaftlichkeit erzielt". In Städten, die auf die Stadtbahn setzen, stellten Hochschulen immer besonders wichtige Ziele mit hohem Fahrgastaufkommen dar. Zu sehen sei das beispielsweise bei einer Streckenerweiterung in Ulm oder einem kompletten Stadtbahn-Neubau wie in Regensburg.


Ein Traum von einer Tram: die R1 des russischen Herstellers OKB Atom, derzeit modernste Straßenbahn der Welt, hier illustriert für Regensburg. Grafik: LTE Heidelberg


Bahnhalt Römereschstraße mitplanen

Mit Blick auf Osnabrück und die Vision "Grüner Campus" sagt SBI-Mitglied Thomas Haarmann: "Es sollte möglichst verhindert werden, dass jetzt Fakten geschaffen werden, die die Trassierung einer künftigen Stadtbahn erschweren."  

Darüber hinaus sei die Stadt gut beraten, das für den regionalen Zugverkehr entwickelte OS-Bahn-Konzept um einen Haltepunkt in Höhe Römereschstraße zu erweitern. Dieser neue Bahnsteig läge etwa 1000 Meter vom Campus Westerberg entfernt und würde außerdem weite Teile des Hafengebietes erschließen. Im Masterplan Mobilität von 2010 werde der Standort bereits als Möglichkeit genannt.




Stadtbahn kein Tabuthema mehr

SBI-Vordenker Thomas Polewsky zeigt sich nach vielen Gesprächen mit Kommunalpolitikern optimistisch, dass nun eine öffentliche Debatte darüber in Gang kommt, inwiefern eine Stadtbahn zur Lösung der Osnabrücker Verkehrs- und Umweltprobleme beitragen kann und soll. 


Das Tabu, über die Stadtbahn ernsthaft nachzudenken, besteht offenbar nicht mehr generell.


Ratsfraktionen offen für Prüfung

Die Initiative habe "Signale aus allen Ratsfraktionen außer CDU und BOB, sich für eine seriöse Untersuchung der Perspektive Stadtbahn auszusprechen". Wobei sich bei der CDU immerhin "ein wichtiges Mitglied gegenüber der SBI als Freund der Stadtbahn zu erkennen gegeben" habe. (Weiterlesen: Eine Stadtbahn für Osnabrück zum Sonderangebot?)

Im Herbst hatte die Stadtbahn-Initiative zudem versucht, mit einer Informationskampagne auch möglichst viele Bürger für ihr Anliegen zu sensibilisieren. Unter anderem war im Stadthaus wochenlang die Ausstellung "Die moderne Tram in Europa" zu sehen. Sie wurde von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) entwickelt und von der SBI mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Spender ausgeliehen. Die Ausstellung veranschaulichte, warum die Tram in vielen Städten eine regelrechte Renaissance erlebt. Auch historische Fotos von der früheren Osnabrücker Straßenbahn sowie Bilder von der neu gebauten Tram in der französischen Partnerstadt Angers wurden gezeigt. 


Die Ausstellung "Die moderne Tram in Europa" im Stadthaus in Osnabrück war Teil einer Informationskampagne der Stadtbahn-Initiative im Herbst 2018, zu der auch eine Reihe von Vorträgen gehörte. Foto: Swaantje Hehmann


Gutachten von 2013 unzulänglich

"Wir haben mit der Ausstellung Interesse geweckt", resümiert Polewsky. An mehreren Vortragsabenden setzten sich darüber hinaus Verkehrsexperten aus ganz Deutschland mit dem Thema Stadtbahn auseinander. 

Einer davon war der Osnabrücker Verkehrsgeograf Jürgen Deiters. Er stellte fest, dass im Jahr 2013, als das Düsseldorfer Gutachterbüro Lindschulte & Kloppe im Auftrag der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) eine Machbarkeitsstudie zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Osnabrücker ÖPNV durchführte, kein aussagekräftiger Nutzen-Kosten-Vergleich für die Option Stadtbahn vorgenommen worden war, sondern ihre Unwirtschaftlichkeit nur "vermutet" wurde. Was fehle, sei eine Prognose der Fahrgastzahlen für die Zeit nach Fertigstellung der Straßenbahn. 

Radverkehr hat großes Potenzial

"Für einen Nutzen-Kosten-Vergleich sind Angaben zur erwarteten Verlagerung von Pkw-Fahrten auf den ÖPNV unerlässlich", erklärte Deiters und forderte "sorgfältige empirische Erhebungen und Analysen". Gleichzeitig wies der Professor darauf hin, dass Osnabrück im Radverkehr über "erhebliche Wachstumspotenziale" verfüge. "Diese systematisch zu erschließen erfordert weitaus geringere Investitions- und Folgekosten als ein schienengebundenes Nahverkehrssystem."



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