Ausstellung im Museum am Schölerberg Forscher: Ozeanversauerung durch Kohlendioxid nimmt zu

Welche Auswirkung hat der Kohlendioxidverbrauch auf die Ozeane? Darüber sprach der Vortrag der Meersbiologe Lennart Bach im Museum am Schölerberg. Foto: Thomas OsterfeldWelche Auswirkung hat der Kohlendioxidverbrauch auf die Ozeane? Darüber sprach der Vortrag der Meersbiologe Lennart Bach im Museum am Schölerberg. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Auf die Tiefe des Klimawandels macht derzeit eine Fotoausstellung im Museum am Schölerberg aufmerksam. Über die Versauerung der Ozeane sprach zur Eröffnung Lennart Bach.

Der Meeresbiologe vom Geomar Helholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel erforscht seit Jahren die Versauerung der Weltmeere. Die Wassermassen der Erde leisten dem industriellen Lebensstil der Menschen bislang einen Service. Organismen speichern Kohlendioxid (CO2), indem sie auf den Meeresgrund absinken und den Treibhausverursacher dabei mitnehmen.

Das funktioniert aber nur, wenn die CO2-Menge im Rahmen bleibt. Tatsächlich ufert sie seit Langem aus. Allein in den letzten knapp drei Jahrzehnten steigerte sich der weltweite Ausstoß von CO2 von knapp über 20 Gigatonnen auf rund 37 Gigatonnen Kohlendioxid. Wohlgemerkt pro Jahr, sagte Lennart Bach. Bildhaft dargestellt bedeute das nur für die letzten zwölf Monate eine Menge von 165 Millionen Kohlenwaggons. „Diese Zuglänge reicht sechzigmal um die Erde.“

Kein Konsens über Auswirkungen

Dass manche Ozeanregionen begonnen haben zu versauern, sei für die Wissenschaft inzwischen ein Fakt. Kein Konsens bestehe bei den Forschern darüber, welche Auswirkungen das für die Ökosysteme im Meer als auch für den Menschen haben kann. Mutmaßlich kippten ganze Nahrungsnetze in den Ozeanen, wenn es wegen der Versauerung zum Aussterben eines wichtigen Organismus wie etwa der unscheinbaren Flügelschnecke kommt, so der Meeresbiologe Bach. Möglich, dass dies Konsequenzen für die Erdbevölkerung haben könnte. „Einer Milliarde von ihnen dient der Fisch als tierischer Eiweißlieferant.“

Was tun? Darüber sprachen die rund 50 Zuhörer mit Bach. Er selbst riet, nicht darauf zu vertrauen, dass Lösungen zum Klimawandel vielleicht irgendwann in der Zukunft erfolgen könnten. Auch das sogenannte marine Bioengineering beurteilte er skeptisch: Dabei beschleunigt man im großen Maßstab die Verwitterung von Mineralien, zermahlt sie und schüttet das Pulver in die Meere – um so den Versauerungsprozess zu stoppen.

Nachhaltiger konsumieren

Der Praxis der meisten Menschen harren bislang aber auch Vorschläge zur Verminderung des eigenen Kohlendioxidverbrauchs – das verdeutlichten Beiträge der Zuhörer. Mehr Radfahren, Kündigung von Stromanbietern, die nicht auf regenerative Energieträger setzten und der Wechsel hin zu Banken, die mit dem Geld der Anleger nachhaltige Klimaprojekte finanzierten, lauteten manche Tipps.

Die Fotografien zur Sonderausstellung „Ozeanversauerung. Das andere Kohlendioxis-Problem“ sind noch bis Sonntag, 28. April 2019 im Museum am Schölerberg zu sehen. Alle Bilder sind mit einem QR-Code versehen, hinter dem sich mittels Smartphone weitere Informationen öffnen lassen.

Tipp: Solvin Zankl, einer der beiden Ausstellungsfotografen, wird am Donnerstag, 28. Februar 2019, um 19.30 Uhr im Museum am Schölerberg, einen Vortrag zum Thema „Ab ins Meer! Von der Küste bis in die Tiefsee“ halten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN