Franziskus und Klinikum Wie Osnabrücker Kliniken den Prothesenskandal spüren

Künstliche Kniegelenke  (hier eines aus Titan-Nitrit) werden in Osnabrück und Georgsmarienhütte eingesetzt. Foto: dpaKünstliche Kniegelenke (hier eines aus Titan-Nitrit) werden in Osnabrück und Georgsmarienhütte eingesetzt. Foto: dpa

Osnabrück. Ende November hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück Anklage in einem Korruptionsfall um Bandscheibenprothesen erhoben. Fehlerhafte Implantate sorgen seitdem wieder für Diskussionen. Die Verunsicherung von Patienten mit künstlichen Gelenken nimmt zu, wissen die Fachleute der beiden regionalen Endoprothetikzentren.

Zur Erinnerung: Mitte 2015 ist ein Bandscheibenskandal am Klinikum Leer aufgeflogen. Zwischen 2010 und 2014 soll der ehemalige Chefarzt Patienten andere Prothesen eingesetzt haben, als zuvor abgesprochen. Die verwendeten Implantate unterschieden sich hinsichtlich des Materials, der Konstruktion und der Funktionsweise von den angedachten Prothesen. Die Folge: Implantate zerbröselten im Laufe der Zeit in der Wirbelsäule. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück Anklage wegen Vorteilnahme und Vorteilsgewährung sowie Bestechung und Bestechlichkeit gegen die Beteiligten erhoben.

Das Franziskus-Hospital Harderberg und das Klinikum Osnabrück sind Endoprothetikzentren der Maximalversorgung und setzen seit Jahrzehnten künstliche Gelenke ein. Dr. Olaf Rolf ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Franziskus-Hospital Harderberg und Leiter des dortigen Zentrums. Der Mediziner rät angesichts des Prothesenskandals zur Ruhe. Zwar seien in den Wochen nach der Anklage im Fall aus Leer bei ihm viele Anrufe von besorgten Patienten eingegangen, darunter waren aber keine Menschen, denen fehlerhafte Endoprothesen eingesetzt worden seien. Bei Endoprothesen handelt es sich um Implantate, die dauerhaft im Körper verbleiben und ein geschädigtes Gelenk ganz oder teilweise ersetzen. 

"Keine Betroffenen in Osnabrücker Zentren"

"Jeder Fall, der durch eine fehlerhafte Prothese auftritt, ist ein Fall zu viel," sagt Rolf. "Wir selbst haben bis heute keine Erfahrungen mit fehlerhaften Implantaten bei Hüft-, Knie-, oder Schultergelenksprothesen gemacht."

Professor Dr. Martin Engelhardt ist Chefarzt des Endoprothetikzentrums am Klinikum Osnabrück. Er sagt: "Gelegentlich haben wir mit verunsicherten Patienten zu tun. Das ist aber nicht die Regel." Häufiger seien hingegen Anfragen, bei denen es um multiresistente Keime gehe. Natürlich tausche er auch immer wieder Gelenke aus. Dies hänge aber nicht mit mangelhafter Qualität, sondern mit dem normalen Verschleiß zusammen. Auch dürfe man nicht vergessen, dass die neuen Produkte, die heute am Markt sind, eine längere "Standzeit" als noch vor 20 Jahren haben. Als Standzeit bezeichnet man die Lebensdauer von Prothesen.

"Gesicherte Langzeiterfahrungen"

Mit bekannten Herstellern von Endoprothesen, wie beispielsweise Zimmer Biomet oder Link, arbeiten beide Zentren zusammen. "Ich setze grundsätzlich nur künstliche Gelenke ein, von denen es gesicherte Langzeiterfahrungen gibt", sagt Rolf. Implantiert würden nur hochwertige Produkte. Ebenfalls wichtig bei der Wahl der Implantate sei, dass Austauschteile noch viele Jahre vom Hersteller zu bekommen seien. 

Auch Engelhardt ist bei neuen Produkten nach eigener Auskunft immer kritisch. "Seit einiger Zeit werden zusätzlich alle Endoprothesen, die eingesetzt werden, im nationalen Register EPRD erfasst, welches Aufschluss über die Funktionstüchtigkeit von künstlichen Gelenken gibt", sagt Engelhardt.



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