Gesetz seit 1. Januar in Kraft Neues Verpackungsgesetz stößt auf Kritik aus Osnabrück

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Getränkeregale in den Supermärkten müssen nun eindeutig mit "EINWEG" und "MEHRWEG" gekennzeichnet sein. Foto: Friedrich NiemeyerGetränkeregale in den Supermärkten müssen nun eindeutig mit "EINWEG" und "MEHRWEG" gekennzeichnet sein. Foto: Friedrich Niemeyer

Osnabrück. Zu viel Müll, zu wenig Recycling – das neue Verpackungsgesetz soll helfen. Es stößt jedoch auf Kritik aus Osnabrück.

Einweg oder Mehrweg? Wer in Deutschland Getränke kauft, der muss sich auch immer entscheiden, was später mit der Verpackung geschehen soll. Das neue Verpackungsgesetz schreibt den Händlern nun vor, die Getränke in den Regalen deutlich zu kennzeichnen. In Großbuchstaben steht dort jetzt "EINWEG" oder "MEHRWEG". Das Gesetz ist seit dem 1. Januar in Kraft.

Kritik aus Osnabrück

Mechthild Möllenkamp, Präsidentin des Handels- und Dienstleistungsverbandes Osnabrück-Emsland, bezweifelt die Wirksamkeit dieser neuen Kennzeichnungspflicht. "Der Kunde hat auch vorher schon gewusst, ob er zu einer Mehrweg- oder Einwegverpackung greift. Das hilft ihm nicht weiter", kritisiert sie.

Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass die Kennzeichungspflicht an den Getränkeregalen den Mehrweganteil erhöhen soll. Auch die Bünting-Unternehmensgruppe hebt das Positive der Kennzeichnungspflicht hervor. So schaffe die Kennzeichnung am Regal Transparenz und helfe dem Kunden, sich zu orientieren. 

Pfandpflicht wird ausgeweitet

Tatsächlich sieht das Gesetz neben der genannten Kennzeichnungspflicht auch eine Ausweitung der Pfandpflicht und eine Erhöhung der Recyclingquoten auf bis zu 90 Prozent vor. "Das Verpackungsgesetz enthält das allgemeine Ziel, die Auswirkungen von Abfällen aus Verpackungen auf die Umwelt zu vermeiden oder zu verringern", schreibt das Umweltbundesamt.

Aktuelle und künftige Recyclingquoten nach dem neuen Verpackungsgesetz in der tabellarischen Übersicht. Grafik: Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH

Die Bünting-Unternehmensgruppe, zu der unter anderem die Supermärkte Jibi, Combi und Famila gehören, weist den Kunden auf die ausgedehnte Pfandpflicht hin. Betroffene Getränke, wie zum Beispiel kohlensäurehaltige Fruchtnektare, seien allerdings klar gekennzeichnet.

Mechthild Möllenkamp, die auch Eigentümerin von fünf Edeka-Supermärkten in Osnabrück ist, stellt die Zweckmäßigkeit des Gesetzes insgesamt infrage. Grundproblem sei das Einwegpfand, welches von der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2003 eingeführt wurde. "Ich habe Jürgen Trittin (damaliger Bundesumweltminister, Anm. d. Red.) damals persönlich vor einer Verschlechterung der Mehrwegquote gewarnt", schildert Möllenkamp. 

"Das Einwegpfand ist eine Gelddruckmaschine für die Pfandautomatenhersteller"Mechthild Möllenkamp, Präsidentin des Handels- und Dienstleistungsverbands Osnabrück-Emsland


Sie schätzt außerdem, dass jährlich fünf Prozent des Einkaufswerts der Pfandautomaten für Reparaturen aufgewendet werden müssten. "Diese Automaten stinken und sind ständig kaputt", moniert die Präsidentin des Osnabrücker Handelsverbands.Es müsse eine Kommission aus Handel, Verbraucher und Industrie gebildet werden, um das Problem des Verpackungsmülls zu lösen.

Die Bünting-Unternehmensgruppe teilt diese Kritik nicht und hebt stattdessen den "verantwortungsvolleren Umgang mit Plastikmüll" hervor, in dessem Sinne der Gesetzgeber das Gesetz geschrieben habe.


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