Mutmaßlicher Muttermörder schweigt Tote im Schinkel: Leichenteile in Säcken zur Obduktion gebracht

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Akribisch untersuchten die Ermittler im Frühjahr 2018 den Tatort im Haus Weitkamweg 89. Foto: David EbenerAkribisch untersuchten die Ermittler im Frühjahr 2018 den Tatort im Haus Weitkamweg 89. Foto: David Ebener

Osnabrück. Detailliert hat ein an den Ermittlungen beteiligter Polizeibeamter am vierten Prozesstag beschrieben, wie die sterblichen Überreste der im März im Schinkel getöteten städtischen Mitarbeiterin zur Obduktion nach Oldenburg gebracht und wie akribisch sie dort untersucht wurden.

Ein Tötungsdelikt ist immer eine Herausforderung für die Ermittler. Die Tat vom 29. März 2018 in dem Einfamilienhaus im Weitkampweg 89 im Osnabrücker Stadtteil Schinkel öffnet aber das Tor in eine neue Dimension. Nicht in einem Sarg, sondern verteilt in Leichensäcken und Plastiktüten wurde das Opfer von einem Osnabrücker Bestattungsunternehmen nach Oldenburg gebracht. Dabei beließ die Polizei die Körperteile in den Behältnissen, in denen der mutmaßliche Täter, der 32-jährige Sohn der Getöteten, seine Mutter lagerte, nachdem er ihren Leichnam zerlegt hatte. Dazu gehörten einen Plastikwanne, ein Zinkeimer, und das Unterteil eines Kaminsaugers, in dem Knochen aufbewahrt wurden, nachdem einzelne Gliedmaße offensichtlich im Kaminofen verbrannt worden waren.

Zehn Stunden Beweisaufnahme

Zehn Stunden habe die Beweisaufnahme in Oldenburg gedauert, gab der Ermittler vor Gericht an. Alle Körperteile wurden demnach genauestens untersucht, nachdem zuvor die Säcke geröntgt worden waren, um zu definieren, was sich in ihnen befand. Danach wurden die Säcke nach und nach geöffnet und ihr Inhalt zunächst von den Beamten und in der Folge dann vom Rechtsmediziner untersucht. 

Blutspuren trotz Reinigung und Renovierung

Auch der Untersuchung des Wohnhauses widmete sich die Polizei über mehrere Tage. Am Ende konstatiert ein vom Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer am Landgericht verlesenes Gutachten des Landeskriminalamtes, dass die gefundenen Blutspuren trotz Reinigung und Renovierung auf den Eingangsbereich des Hauses als Tatort hindeuten.

Alles andere ist Schweigen

Während der sehr detaillierten und zum Teil auch verstörenden Beschreibungen durch den Ermittler zeigte der Angeklagte keine Regung. Wie schon an den ersten drei Prozesstagen verfolgte er die Verhandlung völlig teilnahmslos. Nur einige wenige, kurze Wortwechsel mit seinem Verteidiger – alles andere ist Schweigen. Auf den Hinweis des Gerichts, dass er sich jederzeit äußern dürfe, reagiert der Sohn des Opfers mit Kopfschütteln. Ob er denn vielleicht mit dem psychiatrischen Gutachter sprechen wolle, will der Richter wissen. "Nein", ist die kurze Antwort des Angeklagten, der sich bislang gegenüber niemandem zu der Tat geäußert hat.

Und dabei wird es nach jetzigem Stand der Dinge wohl auch bleiben. Also müssen allein die ermittelten Fakten sprechen. Zu denen gehört auch, dass sich der Angeklagte im Internet über verschiedene Möglichkeiten zur Beseitigung von Leichen informiert hat.

Kein Klinikaufenthalt vor der Tat

Fest steht mittlerweile wohl, dass ihr Sohn nicht, wie vom Opfer gegenüber einer Freundin geäußert, vor der Tat einen stationären Klinikaufenthalt wegen Herzproblemen hatte. Die Ermittler konnten hierfür keinen Beleg finden. Warum das Opfer trotzdem einen Krankenhausbesuch des Sohnes behauptet hat, bleibt wahrscheinlich ebenso ungeklärt, wie die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mutter und Sohn. War es tatsächlich normal bis ungetrübt wie die Zeugenaussagen am ersten Verhandlungstag vermuten ließen? Oder spielte sich hinter der für alle sichtbaren Fassade am Weitkampweg 89 ein ganz anderes Leben ab? So lange der Angeklagte schweigt, wird es auf diese Fragen wohl keine Antwort geben. Für den Gutachter, vor allem aber für das Gericht bedeutet dies eine nicht unerhebliche Einschränkung ihrer Arbeit. Darauf hat der Vorsitzende Richter den Angeklagten am Dienstag hingewiesen: "Ob Sie uns oder dem Gutachter gegenüber eine Aussage machen, kann relevant sein dafür, wie wir im Ergebnis entscheiden was mit Ihnen passieren soll." Der 32-Jährige aber schweigt weiter.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN