Freikirchler in der Kritik Kulturkampf am Osnabrücker Güterbahnhof: Neuer Eigentümer nennt Schwule und Lesben „Sünder“

Von Daniel Benedict

Erregen Anstoß: Ralf Gervelmeyer und Günter Strunk bei os1.tv. Screenshot: os1.tvErregen Anstoß: Ralf Gervelmeyer und Günter Strunk bei os1.tv. Screenshot: os1.tv

Osnabrück. Heftiger Gegenwind für den neuen Eigentümer des Güterbahnhofs: Im os1.tv-Interview hatte Unternehmer Ralf Gervelmeyer Schwule und Lesben als Sünder bezeichnet. Die Ratsfraktion der Grünen ist empört, der Kulturverein „Gay in Mai“ protestiert. Hacker attackierten sogar eine Firmenhomepage Gervelmeyers.

Kulturkampf am Güterbahnhof: Wo heute die Osnabrücker Clubszene tobt, plant Ralf Gervelmeyer ein Gemeindezentrum für die Evangelische Freikirche Lebensquelle . In der os1.tv-Sendung „Osnabrücker Land und Leute“ stellten der Unternehmer Gervelmeyer, Geschäftsführer der Zion GmbH, und Günter Strunk, Pressesprecher und Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinschaft „Lebensquelle“, ihre Pläne vor.

„Wir hassen die Sünde“

Schon die bloße Frage von TV-Redakteur Marcel Trocoli Castro, ob schwul-lesbische Kultur in dem geplanten Zentrum einen Platz haben könnte, empfand Gervelmeyer als „provokativ“. Dann sagte er: „Wir hassen oder verachten nicht die Menschen, sondern wir verachten die Sünde.“ In der Bibel stehe „klar geschrieben“, so Gervelmeyer, „wie es zu funktionieren hat“. Genauso wenig könne man sich vorstellen, dass Mercedes in seinen Häusern einen VW präsentiere.

Die Gay-in-May-Veranstalter reagierten empört: „Wir hoffen, dass sich die Verantwortlichen der Stadt Osnabrück, auch als Unterstützer der schwul-lesbischen Kulturtage, eindeutig von solchen Äußerungen distanzieren“, schrieb der Verein in einer Pressemitteilung. „Gerade im Wahljahr 2013 ist es wichtig, Stellung zu beziehen und Minderheiten nicht auszugrenzen.“ Auch die Ratsfraktion der Grünen griff das Interview auf. In einer Pressemittelung erklärten die Grünen, dass „Homophobie unter religiösem Deckmantel nicht tolerierbar“ wäre. Im Internet sorgen die Interview-Äußerungen ebenfalls für Aufregung, wie os1.tv berichtete . Eine Firmenseite von Gervelmeyer wurde sogar gehackt, sodass hier zeitweilig ein Bekenntnis zu schwul-lesbischer Gleichberechtigung zu sehen war.

In seiner aktuellen Nachrichtensendung geht os1.tv dem Eklat weiter nach. Einen Bericht über die Reaktionen der Kulturszene lesen Sie in der Freitagsausgabe Ihrer Zeitung und auf www.noz.de.


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