Studentische Rechtsberatung boomt Anwälte der Armen: Osnabrücker Jurastudenten helfen Bedürftigen

Seit Juli 2015 bieten fortgeschrittene Jurastudenten der Universität Osnabrück eine kostenlose und unverbindliche Rechtsberatung für Menschen mit wenig Geld an. Foto: Colourbox.deSeit Juli 2015 bieten fortgeschrittene Jurastudenten der Universität Osnabrück eine kostenlose und unverbindliche Rechtsberatung für Menschen mit wenig Geld an. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Knapp 180 Bedürftige haben sich im Jahr 2018 von Jurastudenten der Universität Osnabrück kostenlos rechtlich beraten lassen – am häufigsten zu den Themen Arbeit, Wohnen und Soziales. Für den neu gegründeten Verein ein großer Erfolg, der beinahe mit dem Niedersachsenpreis für Bürgerengagement belohnt worden wäre.

Seit Juli 2015 bieten fortgeschrittene Jurastudenten der Universität Osnabrück eine kostenlose und unverbindliche Rechtsberatung für Menschen mit wenig Geld an. Die regelmäßigen Sprechstunden im Haus der Diakonie werden von zugelassenen Rechtsanwälten beaufsichtigt. 

Bedarf stark steigend

Das gemeinsame Angebot kommt an: Bislang machten rund 530 Bedürftige aus Stadt und Landkreis davon Gebrauch. Allein im Jahr 2018, als aus der Initiative ein eingetragener Verein wurde, stieg die Zahl der Beratungsgespräche um gut ein Drittel. 

Sprecher Nico Gill sagt:

Insgesamt lässt sich feststellen: Die Rechtsberatung für Bedürftige Osnabrück e.V. ist ein voller Erfolg!


Mitgliederzahl mehr als verdoppelt

Sämtliche Ziele, die sich der Verein zu Beginn gesetzt hatte, seien erreicht worden – unter anderem eine Verdopplung der Mitgliederzahl von knapp zwei Dutzend auf ungefähr 50. 

Vereinssprecher Nico Gill auf der Preisverleihung für den "Niedersachsenpreis für Bürgerengagement" am 24. November 2018 in Hannover. Foto: Rechtsberatung für Bedürftige Osnabrück


Ärger mit Behörde, Vermieter oder Chef

Laut Mitteilung führten in den vergangenen zwölf Monaten 26 Jurastudenten an 29 Terminen insgesamt 177 Beratungen durch. Das entspricht im Durchschnitt sechs Beratungen pro Sitzung. (Weiterlesen: Osnabrücker Jurastudenten gehören zu den besten im Land)

Auslöser waren für die Klienten meist Streitigkeiten mit Behörden, insbesondere dem Jobcenter, aber auch Probleme mit Vermieter oder Chef. Jedes fünfte Gespräch (37) drehte sich den Angaben zufolge um arbeitsrechtliche Themen. Daneben kamen vor allem Fälle aus den Bereichen Mietrecht (33) und Sozialrecht (29) zur Sprache. Strafrechtliche Angelegenheiten sind grundsätzlich von der Beratung ausgenommen. (Weiterlesen: Juraprofessorin Mary-Rose McGuire ist Osnabrücks beste Uni-Dozentin 2018)

Nominierung für Landeswettbewerb

Die Resonanz aller Beteiligten falle weiterhin sehr positiv aus, berichtet Gill. "Wir bekommen laufend Zuspruch für unser Projekt."

Besonders gefreut habe sich der Verein über seine Nominierung für den "Niedersachsenpreis für Bürgerengagement". Der von Sparkassen, VGH-Versicherungen und Landesregierung gemeinsam ausgerichtete Wettbewerb würdigt seit 15 Jahren unter dem Motto "Unbezahlbar und frei­willig" das vielfältige Ehrenamt in Niedersachsen und unterstützt es auch finanziell. Bei der Abschlussveranstaltung Ende November in Hannover wurden elf Preise im Gesamt­wert von 33.000 Euro vergeben. (Weiterlesen: Osnabrücker Juraprofessor vergibt Preise für beste Klausuren)

Ansporn und Inspiration

"Zwar haben wir den Preis nicht gewonnen, aber wir fühlen uns angespornt, auch künftig alles zu tun, um bedürftigen Menschen eine kompetente und kostenfreie Rechtsberatung anzubieten", sagt Vereinssprecher Gill. Inspiration für die eigene Arbeit hätten führende Mitglieder, darunter die Vorsitzenden Dominik Kreke und Matthias Petka, auch bei einem Empfang des Landkreises Osnabrück gewonnen, zu dem Ende Oktober in Oesede alle regionalen Teilnehmer des Landeswettbewerbs eingeladen waren. 

Vertreter der Osnabrücker Rechtsberatung für Bedürftige und andere Ehrenamtliche aus der Region gemeinsam mit Landrat Michael Lübbersmann (3. von links) bei einem Empfang für heimische Teilnehmer des Landeswettbewerbs "Unbezahlbar und freiwillig" Ende Oktober 2018 in Oesede. Foto: Landkreis Osnabrück


Zweimal im Monat Sprechstunde

Sprechstunden des Vereins Rechtsberatung für Bedürftige Osnabrück finden zweimal im Monat statt: an jedem ersten und dritten Donnerstag jeweils von 14 bis 16 Uhr in der Lohstraße 11 (Einlass von 13.45 bis 15 Uhr). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


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