Eine Beraterin berichtet Flüchtlingsfrauen in Osnabrück: Erst traumatisiert, dann unterdrückt

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Najlaa Jlilati, selbst geflüchtet, berichtet davon, mit welchen Problemen andere Flüchtlingsfrauen zu ihr kommen. Foto: Gert WestdörpNajlaa Jlilati, selbst geflüchtet, berichtet davon, mit welchen Problemen andere Flüchtlingsfrauen zu ihr kommen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Es gibt in Osnabrück geflüchtete Frauen, die von ihren Männern unterdrückt und misshandelt werden. Aus Angst vor den Behörden, vor Abschiebung oder dem Verlust ihrer Kinder schweigen viele. Najlaa Jlilati, Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle, berichtet von ihrer Arbeit mit ihnen.

"Die meisten sind Syrerinnen", sagt Jlilati, die selbst aus dem von Bürgerkrieg zerrütteten Land stammt. Seit Februar 2018 bietet sie in der Frauenberatungsstelle auch Hilfe in arabischer Sprache an. Die meisten der 175 Frauen, die sie seitdem beraten hat, wollten sich von ihren Ehemännern trennen. Selten geht es nur um Streitigkeiten, meist ist Gewalt mit im Spiel.

Interveniert die Polizei bei häuslicher Gewalt, wird die Frauenberatungsstelle automatisch per Fax über den Einsatz informiert und nimmt telefonisch Kontakt auf, bietet Hilfe an. Bevor Jlilati dort arbeitete, war die Sprache eine Hürde; seit sie das Team der Frauenberatungsstelle unterstützt, steigt die Zahlen der Beratungen für Geflüchtete an. Sie spricht ihre Sprache, kennt die Kultur. 

14 Prozent aller Gewaltopfer 

14 Prozent: So hoch ist der Anteil von Frauen aus arabischsprachigen Ländern an allen Frauen, die von Januar bis Ende November 2018 in Osnabrück von häuslicher Gewalt betroffen waren und bei denen die Polizei eingriff. "Die meisten sind über den Familiennachzug nach Deutschland gekommen", sagt Jlilati. Neben Syrerinnen berät sie Frauen aus Marokko, Tunesien, dem Libanon oder Irak. Und kaum eine kenne ihre Rechte.  "Die Frauen sind oft erstaunt, dass sie ihre Männer anzeigen können", berichtet Jlilati. Oft sind zudem Kinder im Spiel: "Die größte Angst der Frauen ist, dass sie ihre Kinder verlieren", so Jlilati.

Mal abgesehen davon, dass viele Frauen allein schon durch die Flucht traumatisiert sind – sei es durch gefährliche Fluchtwege oder durch Vergewaltigungen auf ihrem Weg nach Deutschland –, sehen sie sich hier mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Oft haben sie den Ehepartner, ein bis drei Jahre nicht gesehen und stellen dann fest, dass er sich verändert hat. Einerseits sollen sie nach dem Willen der Bundesrepublik einen Deutschkurs besuchen, andererseits wollen die Ehemänner, dass sie zu Hause bleiben. Die Familie, spricht Eltern, Schwiegereltern, Tanten, Geschwister, unterstützten die Frauen im Heimatland – doch in Deutschland stehen sie plötzlich alleine da. "Da ist keiner, der dem Mann sagt: Das geht so nicht", berichtet Jlilati. 

Verheiratet mit deutschen Männern

Sie hatte in den vergangenen Monaten auch mit Fällen zu tun, wo deutsche Männer Frauen aus Syrien geheiratet haben. Kennengelernt hatten sie sie über das Internet. Sobald die Frauen in Deutschland angekommen waren, nahmen sie ihnen die Papiere weg und drohten: "Wenn du dich von mir trennen willst, wirst du nach Syrien abgeschoben." Die Person, die sich eigentlich um sie kümmern sollte, entpuppte sich also als Gefährder. Und das in einem fremden Land, in dem die Frauen ohnehin verunsichert sind, gibt Jlilatis Kollegin Maria Meyer zu bedenken. 

In einem Fall half Najlaa Jlilati einer Frau, die an solch einen deutschen Mann geraten und zu ihrem Bruder nach Osnabrück geflüchtet war, bei der Ummeldung, der Beantragung eines neuen Ausweises, den Gängen zum Jobcenter. Der bürokratische Aufwand war hoch, zumal die Betroffene mit dem Deutschen auch ein Kind bekommen hatte. Es klappte trotzdem. "Sie hat jetzt Aufenthaltsrecht, besucht einen Deutschkurs und hat eine Wohnung."






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