Sozialplaner soll kommen Stadt Osnabrück hat keine Strategie gegen Armut – noch

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Zur Osnabrücker Tafel kommen täglich Hunderte Kunden, um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen, weil ihr Einkommen zu gering ist. Foto: Archiv/Michael GründelZur Osnabrücker Tafel kommen täglich Hunderte Kunden, um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen, weil ihr Einkommen zu gering ist. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Armutsprobleme gibt es in Osnabrück so einige: Hunderte Rentner müssen aufstocken, die Zahl der Langzeitarbeitslosen bleibt auf hohem Niveau, und Sozialwohnungen sind Mangelware. Was es nicht gibt, ist ein Sozialplaner, der all das analysiert und sich überlegt, wie die Stadt mehr soziale Gerechtigkeit schaffen kann.

So einer soll nun kommen. Bislang hat nämlich niemand im Stadthaus so recht den Überblick – das zumindest darf man annehmen, wenn man Wolfgang Beckermann, Vorstand für Soziales, Bildung und Kultur, Glauben schenkt. „Zu sozialpolitischen Fragestellungen sind wir derzeit nicht wirklich sprachfähig“, sagt er. Für 80.000 Euro jährlich schafft die Stadt daher nun eine neue Personalstelle, dazu hat der Rat einstimmig sein Okay gegeben. 

Armut in Osnabrück in Zahlen

  • Fast jedes vierte Kind in Osnabrück lebt in Familien mit Hartz-IV-Bezug und kann damit als arm gelten.
  • Die Quote der Hartz-IV-Bezieher ist mit knapp elf Prozent höher als bundesweit, da sind es neun Prozent. 
  • Altersarmut ist ebenfalls ein Thema in Osnabrück – knapp 2000 Rentner sind auf staatliche Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen.  


Zwar kümmert sich die Stadt bereits: Um Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung, um Flüchtlinge, Hartz-IV-Empfänger und Wohnungslose. Satte 300 Millionen Euro verwaltet der Fachbereich Soziales und verteilt das Geld gemäß der staatlichen Vorgaben. „Wir sind tätig im Sinne der Erbringung von Leistungen“, sagt Beckermann. „Darüber hinaus müssen wir aber auch vorausschauend handeln und planen.“  

Er wolle nicht falsch verstanden werden, betont der Sozialdezernent:

„Wir haben eine gute Sozialverwaltung, aber es gibt eine Strategielücke.“Wolfgang Beckermann, Vorstand für Bildung, Soziales und Kultur

So müsse beispielsweise die Frage, ob es genügend bezahlbaren Wohnraum in Osnabrück gibt, auch als soziale Frage betrachtet werden. „Und“, betont Beckermann, „wir müssen uns viel stärker um das Thema Altersarmut kümmern und um das Thema Pflege.“ Auch beim Thema Inklusion müsse die Stadt klären, wie sie sich da künftig aufstellen wolle.  

Keine Planung

In anderen Bereichen seines Dezernats, zum Beispiel im Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien oder bei der Schulentwicklungsplanung sehe es besser aus. Nur im Fachbereich Soziales, Integration und Bürgerengagement, „da machen wir keine Planung“, so Beckermann, der seinen Vorstandsposten vor zwei Jahren angetreten ist. „Für eine Stadt unserer Größenordnung ist das ungewöhnlich.“

Wolfgang Beckermann, Vorstand für Bildung, Soziales und Kultur. Foto: Archiv/Jörn Martens


Dabei gibt es sogar Datenmaterial. 2018 erschien zum dritten Mal ein Sozialmonitoring. Die Statistiker der Stadt berechneten darin einen Wert, mit dem sich die soziale Ungleichheit in bestimmten Quartieren in Zahlen fassen und berechnen lässt, wie sie sich in den vergangenen sechs Jahren entwickelt hat. Am schlechtesten schnitten Teile der Stadtteile Schinkel, Eversburg und Dodesheide ab. Es gibt vor Ort einzelne Einrichtungen wie etwa das Heinz-Fitschen-Haus im Schinkel oder den Quartierstreff Dodesheide, deren Angebote sich vor allem an Kinder, Jugendliche und Familien richten. 

Die Beispiele Schinkel und Rosenplatz

Schinkel ist 2018 in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen worden, dort wird nun im Kleinen analysiert, wie die Situation der Menschen vor Ort über bauliche Verschönerungen hinaus mit Hilfsangeboten und Netzwerken verbessert werden kann. Davon wird aber nur der Stadtteil profitieren. Im Rosenplatzquartier, das 2001 bis 2016 in demselben Förderprogramm war, lief es so. 

Der neue Sozialplaner soll die diversen Armuts-, Inklusions oder Integrationsprobleme künftig gesamtstädtisch betrachten, erkennen, woran es mangelt und ermitteln welche Hilfsangebote sinnvoll wären. Die Stellenausschreibung ist laut Beckermann in Arbeit. 


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