„Sicherer Hafen“ Osnabrück will Mittelmeer-Flüchtlinge aufnehmen – und darf nicht

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Das Bündnis Seebrücke macht seit Sommer 2018 immer wieder auf die Situation von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam – so auch am Donnerstag vor dem Rathaus. Foto: DornDas Bündnis Seebrücke macht seit Sommer 2018 immer wieder auf die Situation von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam – so auch am Donnerstag vor dem Rathaus. Foto: Dorn

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück will erneut an die Bundesregierung schreiben und ihre Bereitschaft erklären, zusätzlich zur gesetzlich festgelegten Aufnahmequote Geflüchtete aufzunehmen, die im Mittelmeer in Seenot geraten sind. Ein ähnliches Schreiben von Anfang September hat nichts gebracht.

Anlass für die erneute Willenserklärung ist ein Appell des Bündnisses Seebrücke, eines Zusammenschlusses diverser Osnabrücker Hilfsorganisationen, die seit dem Sommer auf die Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam machen. Damals irrten mehrere Rettungsschiffe umher, da unter anderen Italien und Malta die Einfahrt verweigerten.

Wieder irren Rettungsschiffe mit Flüchtlingen umher

Zurzeit kreuzt wieder ein Rettungsschiff der deutschen Organisation „Sea-Watch“ vor der Küste Maltas, ohne in einen Hafen einfahren zu dürfen. Die „Sea-Watch 3“ hatte kurz vor Weihnachten 32 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. 17 weitere hat ein Schiff der deutschen Hilfsorganisation „Sea-Eye“ gerettet, das nun ebenfalls auf dem Mittelmeer umherirrt. Die Niederlande haben sich schon bereit erklärt, einen Teil der Flüchtlinge von der „Sea-Watch 3“ aufzunehmen – allerdings nur, wenn andere EU-Staaten es ihnen gleichtun. Das Bundesinnenministerium hat sich ähnlich geäußert, in einen Hafen einfahren durften die beiden Schiffe bis Donnerstagabend trotzdem noch nicht.

Ratsauftrag

Das Bündnis Seebrücke will daher Taten sehen. Im August hatte die Stadt Osnabrück sich nach dem Vorbild anderer Großstädte per Ratsbeschluss solidarisch mit der Initiative Seebrücke erklärt – gegen die Stimmen von CDU/BOB und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). Griesert schrieb – auch das war Auftrag des Rates – Anfang September einen Brief an die Bundesregierung und erklärte darin „die Bereitschaft der Stadt Osnabrück, als sicherer Hafen für Geflüchtete zu dienen“, wie die Stadt mitteilte. Eine Reaktion blieb jedoch aus.

Aktion vor dem Rathaus

„Wir sind froh, dass wenigstens die Stadt sich bewegt“, sagte Michael Bünte vom Bündnis Seebrücke nach einem Telefonat mit Stadtvorstand und OB-Vertreter Wolfgang Beckermann, der ihm am Donnerstag zusicherte, erneut an die Bundesregierung zu schreiben. Kurz darauf machten Bünte und elf seiner Seebrücke-Mitstreiter vor dem historischen Rathaus noch einmal auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind 2018 mindestens 2242 Menschen im Mittelmeer ums Leben gekommen (Stand: 19. Dezember).

Theaterstück „Das Boot ist voll“ am 9. Januar

Am Mittwoch, 9. Januar, führt die Gruppe „Theater in der List“ aus Hannover um 19 Uhr in der Lagerhalle das Stück „Das Boot ist voll“ auf. Der Eintritt zur Vorstellung um 19 Uhr ist frei, Spenden sind erwünscht. Eingeladen haben dazu die in der Flüchtlingshilfe aktiven Organisationen Outlaw, Exilverein und Caritas.


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