NOZ-Monatsrückblick Missbrauch und zwei Leichen – Osnabrück im Dezember 2018


Osnabrück. Gewaltverbrechen bestimmten die Schlagzeilen in der Vorweihnachtszeit. Ein Pfarrer hat jahrelang Kinder missbraucht, in Hasbergen und Glandorf wurden zwei Leichen gefunden und drei Westerkappelner wurden wegen versuchten Totschlags verurteilt. Mehr zu diesen und anderen Themen in unserem Monatsrückblick.

Eine Woche vor Weihnachten wird bekannt, dass ein katholischer Priester während seiner 30-jährigen Tätigkeit in seinen Gemeinden mehrere Kinder sexuell missbraucht hat. Bischof Franz-Josef Bode entschuldigt sich im Pontifikalamt am ersten Weihnachtstag öffentlich für die Verfehlungen der Kirchenleitungen und räumt ernste Versäumnisse und Fehler ein. Im Jahr 1996 hatte es Gerüchte über die Vergehen des Geistlichen gegeben. Daraufhin hatte Bode ihn in den vorzeitigen Ruhestand nach Hagen-Gellenbeck versetzt, mit der Auflage, sich künftig ausschließlich um die Altenheimseelsorge zu kümmern. Überwacht wurde das vom Bistum aber nicht. Der Bischof ernannte den Geistlichen sogar zum zeitweiligen Leiter der Pfarrei und zum unterstützenden Priester. Nachdem sich Ende 2017 Zeugen mit konkreten Vorwürfen gegen den Pfarrer beim Bistum gemeldet hatten, wurden die Beschuldigungen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese stellte zwar die Strafbarkeit der geschilderten Vorgänge fest, nahm aber aufgrund von Verjährung keine Ermittlungen auf. Auch in Rom wurden die Vorwürfe gegen den heute 85-jährigen Mann geprüft und die Schuld des Priesters festgestellt. Inzwischen hat der Geistliche die gegen ihn erhobenen Vorwürfe eingeräumt.

Für bundesweite Schlagzeilen sorgt eine ungewöhnliche Werbeaktion des Rechtsanwalts Frank Otten. Er beklebt einen Aktenordner, mit dem sich sein Mandant, der seine Mutter getötet haben soll, vor den Kameras im Gerichtssaal schützen will, auf der einen Seite mit dem Namen seiner Kanzlei und auf der anderen mit einem Stellenangebot für eine Bürokraft. Ob diese Form der Werbung im Gericht zulässig ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Drei Jahre lang lag das Werksgelände der ehemaligen Coca-Cola-Fabrik in Haste brach. Jetzt kauft die Hochschule das 16.500 Quadratmeter große Gelände für zwei Millionen Euro. Wie die Hochschule das Grundstück nutzen will, steht noch nicht fest. Denkbar sind Forschungslabore, Büros, Seminar- und Werkstatträume, aber auch Studentenwohnungen sowie Appartements für Professoren, so der Stiftungsratsvorsitzende Manfred Hülsmann.

Für die Hebammenzentrale Osnabrück gibt es dagegen keine Zukunft mehr. 17 Jahre lang haben Hebammen Schwangeren und jungen Familien Unterstützung vermittelt. Grund für die Schließung ist der Hebammenmangel in Osnabrück. Die wenigen verbliebenen Hebammen sehen sich nicht mehr in der Lage, die Mehrarbeit zu leisten. Der gemeinsame Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück versucht, eine Lösung zu finden.

Es gibt auch gute Nachrichten in der Vorweihnachtszeit. Die Schausteller ziehen ein positives Fazit des Weihnachtsmarkts. Die Umsätze sind zwar etwas zurückgegangen, dafür sind in diesem Jahr besonders viele auswärtige Besucher in Bussen auf den Weihnachtsmarkt gekommen. Auch das neue Winterdorf im Schlossinnenhof wird von den Besuchern gut angenommen und soll im nächsten Jahr wiederholt werden.

Rund um Osnabrück

Im Landkreis Osnabrück endet das Jahr mit zwei Mordfällen. In der Nähe des Augustaschachts in Hasbergen entdecken Spaziergänger die Leiche einer 75-jährigen Frau aus Melle. Die Ermittler gehen von einem gewalttätigen Tötungsdelikt aus. Zu den Fragen wie die Frau ums Leben kam und ob es Tatverdächtige gibt, wollen Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen keine Aussagen machen. Gleiches gilt für den Fall eines 55-Jährigen, der tot in seiner Wohnung in Glandorf gefunden wird. Auch er starb infolge von Gewalteinwirkung. Der Mann hatte womöglich bis zu drei Wochen tot in seiner Wohnung gelegen.

Die Eurobahn und ihr Mutterkonzern Keolis stehen wie am Jahresanfang wieder in der Kritik. 2100 Zugausfälle im Monat, Verspätungen und zu kurze Züge führen zu einer Abmahnung durch den Auftraggeber Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Der Bahn werden „massive und anhaltende Nicht- und Schlechtleistungen“ in allen von ihr betriebenen Netzen vorgeworfen. Grund für die Probleme sei „Organisationsversagen.“ Keolis-Geschäfsführerin Magali Euverte begründet die Schwierigkeiten mit einem Mangel an Lokführern, fehlenden Zügen, Vandalismus, Unfällen und Schäden an Rädern. Nach einer Untersuchung durch einen unabhängigen Gutachter muss der Bahnkonzern alle festgestellten Organisationsmängel beheben. Andernfalls droht der NWL Keolis mit der Kündigung.

Bei der Landratswahl im Mai 2019 gibt es nun doch mehrere Kandidaten. Im Oktober hatte die SPD erklärt, keinen eigenen Kandidaten gegen Amtsinhaber Michael Lübbersmann (CDU) aufstellen zu wollen und war dafür vom Bürgermeister der Samtgemeinde Bersenbrück, Horst Baier, der als SPD-Kandidat favorisiert worden war, scharf kritisiert worden. Jetzt erklärt Baier, dass er als unabhängiger Kandidat antreten will – und wird dabei von der SPD unterstützt. Der SPD-Kreisvorstand sieht in der Kandidatur Baiers als Einzelbewerber „die große Chance, ein breites Bündnis verschiedener Parteien und Wählergemeinschaften zu bilden“, so Parteichef Werner Lager. Bereits im November hatte der Polizeidirektor und Bürgerinitiativen-Sprecher Frank Vornholt angekündigt als unabhängiger Landratskandidat antreten zu wollen. Die Grünen haben noch keinen Kandidaten benannt.

Die Genehmigung für ein geplantes 200 hohes Windrad in Belm-Haltern muss nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg überarbeitet werden. Der Naturschutzbund Nabu hatte gegen das Genehmigungsverfahren geklagt, weil er Vögel und Fledermäuse nicht ausreichend geschützt sieht. In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück 2015 die Genehmigung aufgehoben. So weit geht das OVG nicht. Es erklärt die Genehmigung zwar für „rechtswidrig und nicht vollziehbar“, sie kann aber nachgebessert werden.

Für die Mitarbeiter der „Freund Verpackungen“ in Georgsmarienhütte-Harderberg endet das Jahr mit einem Schock. Das Traditionsunternehmen wird Ende Februar 2019 geschlossen. 100 Beschäftigte werden ihren Arbeitsplatz verlieren. In den vergangenen Monaten gab es noch Hoffnung, da die Produktion deutlich gesteigert werden konnte. Jetzt stellt das Unternehmen einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren in Eigenverantwortung. Die Zentrale der Weig Packaging Group, zu der Freund seit 2012 gehört, sieht kaum Möglichkeiten, den Betrieb weiterzuführen.

Im Prozess um eine versuchten Tötung in Westerkappeln fällt das Urteil. Das Landgericht verurteilt drei junge Männer wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags und der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. In der Nacht zu Ostermontag hatten sie versucht, einen 22-Jährigen in seiner Wohnung durch mehrere Schüsse zu töten. Zuvor hatten sie auf einem Spielplatz eine Grube ausgehoben, in der sie die Leiche verscharren wollten. Das von zwei Kugeln getroffene Opfer überlebte schwer verletzt.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.

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