Guter Gott!? Leuchtschriften provozieren im Dom und in der Marienkirche

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Künstler Renke Brandt mit seinen Bildern für die Ausstellung in der Galerie hase29. Foto: Gert WestdörpKünstler Renke Brandt mit seinen Bildern für die Ausstellung in der Galerie hase29. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. „Good God (Take it or leave it)“ lautet der Titel zweier Leuchtschriften, die zurzeit in St. Marien und im Dom für Diskussionen sorgen. Es sind Außenstationen der Ausstellung „Bambi goes art – Das Banale in der Kunst“ im Kunstraum hase29.

Vier Buchstaben, die irritieren: G-O-O-D. Zurzeit sind sie in zwei Kirchen der Stadt in Form einer Leuchtreklame zu sehen. Wer sie im Kreuzgang des Osnabrücker Domes oder im Chorumgang von St. Marien entdeckt, kommt ins Grübeln, weil das zweite „O“ auf- und abblinkt. Mal ist das englische Wort für „Gott“ zu lesen, dann wiederum „good“, das Wort für „gut“. Gerade im Dom, wo das Neon-Objekt in der Nähe eines Epitaphs zu sehen ist, das Christus als Weltenrichter beim jüngsten Gericht zeigt, stellt sich die Frage nach dem „Guten Gott“.

Guter Gott, schlechter Gott? Foto: Gert Westdörp

Via Lewandowsky heißt der Berliner Künstler, der die Objekte schuf und sie in Form eines ökumenischen Kunstkonzepts sowohl in einer katholischen als auch einer evangelischen Kirche prominent positionierte. Das wechselnd leuchtende Wortspiel soll Assoziationen auslösen und Sinnzusammenhänge herstellen, so wird die Intention des Künstlers beschrieben. Bei Hermann Queckenstedt, dem Direktor des Osnabrücker Diözesanmuseums, funktioniert es. „Wenn ich das Kunstobjekt bei uns in der Nikolauskapelle am Kreuzgang des Doms sehe, fühle ich mich an alte Filme erinnert. Da gibt es die flackernden Buchstaben in der Leuchtreklame amerikanischer Motels. Meistens signalisiert die marode Schrift, dass das Haus seine besten Tage bereits hinter sich hat und dass irgendwie Gefahr oder Unheil drohen“, so Queckenstedt. Könnte diese Assoziation in die Frage nach einer antiquierten Institution Kirche oder eines nicht zeitgemäßen Glaubens leiten?

Manch ein Kirchgänger empfindet die Leuchtschrift auch als Provokation. „An mich wurde beispielsweise schon die Bitte herangetragen, doch nicht so viel Strom für das Objekt zu verschwenden“, erklärt Pastor Frank Uhlhorn von St. Marien. Dennoch habe er sich gefreut, als die flackenden Buchstaben während der Weihnachtsgottesdienste durch die Tannenbäume am Altar hindurch im Kirchenschiff zu sehen gewesen sind. „Wir werden tagtäglich mit Botschaften konfrontiert. In der Werbung, durch unsere Politiker, im Internet. Daher begrüße ich es, wenn solche Kunstwerke uns aufrütteln und motivieren, Botschaften zu hinterfragen“, so der Pastor. Mit Hermann Queckenstedt stimmt er in der Überzeugung überein, dass der ökumenische Gedanke, der hinter dem Konzept des Künstlers steht, überaus begrüßenswert ist.

Via Lewandowsky hatte die Objekte, die den Titel „Good God (Take it or leave it)“ tragen, als Kirchen-Satelliten für die Ausstellung „Bambi goes art“ im Kunstraum hase29 konzipiert, mit der Kurator Michael Kröger dem „Banalen in der Kunst“ auf die Spur kommen will. In diesem Zusammenhang weist die Gesellschaft für Zeitgenössische Kunst als Veranstalterin auf ein Künstlergespräch hin, das am 24. Januar in der Hasestraße 29 stattfindet. Dann werden Kröger, Uhlhorn und Queckenstedt mit dem Künstler über das Thema „Good God – Zwischen Banalität und Ökumene“ diskutieren. Darüber hinaus wird der Kurator am 10. Januar mit dem Kunstwissenschaftler und Medienphilosophen Wolfgang Ullrich über das Thema der „Bambi-Ausstellung“ im Allgemeinen diskutieren.


Osnabrücker Dom und Marienkirche: „Good God (Take it or leave it)“. Bis 26. Januar zu den üblichen Öffnungszeiten.

Donnerstag, 10. Januar, 19. Uhr, Kunstraum hase29: Diskussion zum Thema „Bambi goes art – Das Banale in der Kunst“.

Donnerstag, 24. Januar, Künstlergespräch zu „Good God (Take it or leave it)“, Treffpunkt Forum am Dom um 19 Uhr.

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