Trendtthema Gesundheitsmanagement Wie Unternehmen in der Region ihre Mitarbeiter fit halten

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Die Mitarbeiter des Büros Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW) trainieren regelmäßig im FFS Fitness und Saunacenter – donnerstags und freitags, jeweils für eine halbe Stunde. Foto: Swaantje HehmannDie Mitarbeiter des Büros Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW) trainieren regelmäßig im FFS Fitness und Saunacenter – donnerstags und freitags, jeweils für eine halbe Stunde. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Obstschalen am Empfang, ein E-Bike für die Außendienstler oder Sportkurse im Fitnessstudio gegenüber: Unternehmen lassen sich heutzutage einiges einfallen, um auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter Acht zu geben – Stichwort „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM).

„BGM ist natürlich wichtig und wünschenswert“, sagt Magdalena Knappik von der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. „Wir merken, dass die Aktivität in den letzten Jahren zunimmt. Größere Unternehmen haben eigene Gesundheitsmanager angestellt.“ Bei kleineren mache es Sinn, zu kooperieren. Die IHK bietet deshalb Weiterbildungen und Infoveranstaltungen an.

Rücken, Entspannung, Kreislauf

Unternehmen aus der Region sind mittlerweile verstärkt im Bereich Gesundheitsmanagement unterwegs. So wie die Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW). Geschäftsführer Marius Sobkowiak hat das FFS Fitness und Saunacenter von Inhaber Jürgen Berner direkt gegenüber liegen – da bietet sich eine Zusammenarbeit an. „Das BGM ist wie eine Bombe eingeschlagen“, freut sich Sobkowiak. Im Oktober ist man hier in Kooperation mit der Barmer GEK gestartet. Alle drei Monate beginnt ein neuer Block mit Seminaren und Übungen bei FFS, mit jeweils anderer Schwerpunktsetzung: Rückentraining, Entspannung oder Herz-Kreislauf-Checks wechseln sich so ab.

Dass die Arbeitgeber dabei nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit handeln, überrascht nicht. „Wir wollen eine gewisse Bindung aufbauen. Ein gutes Gehalt ist das Eine, Spaß an der Arbeit das Andere“, sagt Marius Sobkowiak. Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass die Firmen ihren Mitarbeitern etwas bieten müssen. „Unternehmen erhoffen sich wirtschaftliche Effekte“, bestätigt IHK-Frau Knappik. Sie betreut auch das Netzwerk GewiNet, in dem sich Institutionen aus der Region über geeignete BGM-Maßnahmen austauschen. Hellmann, Hansalog und Koch sind dabei, auch die McDonald‘s-Filialen oder die Polizeidirektion.

Vorreiter in der Region

Über ganz Norddeutschland erstreckt sich das Netzwerk von Hansefit. Das Modell: „Das Firmenfitnessprogramm sieht vor, dass Unternehmen nur für einen geringen Teil ihrer Belegschaft Beiträge zahlen und damit das Recht erwerben, alle Beschäftigten bei den Verbundpartnern von Hansefit trainieren zu lassen.“ Mittlerweile hat Hansefit über 1500 Verbundpartner, 160 davon im Umkreis von 50 Kilometern. „Wir nehmen in unserem Verbund keine Discounter auf. Unsere Verbundstudios sind größtenteils inhabergeführte Studios mit einer kontinuierlichen Trainerbetreuung“., erklärt Marketingleiterin Jennifer Rauch.

In Stadt und Landkreis Osnabrück betreut Hansefit derzeit 191 Firmenkunden. Die Palette ist breit gefächert: Kleine Mittelständler mit 20 Beschäftigten stehen neben Großunternehmen mit bis zu 2000 Angestellten.

Schon seit 2008 beschäftigt sich die GMH Gruppe aus Georgsmarienhütte mit BGM. Die Hütte führt vierteljährlich Gesundheitsaktionen durch. „Das waren in 2018 beispielsweise ein Vortrag zu stoffungebundenen Süchten, ein Erste-Hilfe-Fresh-Up, ein Vortrag zum Umgang mit Stress und ein Hautcheck“, so Pressesprecher Marcus Wolf. Außerdem beteiligt man sich an Mitgliedschaften von Mitarbeitern bei Therapieeinrichtungen und arbeitet mit der Diakonie in einem kostenlosen und anonymen Beratungsservice zusammen.

Krankenkassen können helfen

Allerdings ist BGM kein geschützter Begriff. Was das jeweilige Unternehmen darunter versteht, hängt daher von den Umständen des Einzelfalls ab. Das ist vor allem rechtlich bedeutsam – denn für einige Maßnahmen sind Unterstützungsleistungen der Krankenkassen möglich.

„Die Obstschale oder das E-Bike können zwar zum BGM gehören, werden aber nicht automatisch von uns bezuschusst“, sagt Birgit Horwege, Referatsleiterin Kommunikation der BKK Firmus, die bundesweit etwa 17 500 Unternehmen betreut. Sie spricht lieber vom „BGM nach Gesetz“. 2016 ist das Präventionsgesetz in Kraft getreten. Ein Schwerpunkt: „ Die Krankenkassen fördern mit Leistungen zur Gesundheitsförderung in Betrieben (betriebliche Gesundheitsförderung – BGF) gesundheitsförderliche Strukturen“, wie es in Paragraf 20b des Sozialgesetzbuches V heißt.“

Viel Geld im Spiel

Um eine Unterstützung der Krankenkassen zu erhalten, müssen die Betriebe aber bestimmte Vorgaben einhalten: Am Anfang steht eine Absichtserklärung des Betriebs, ein Arbeitskreis muss eingesetzt werden und die Bedarfe analysieren, die Maßnahmen können nur bei zertifizierten Partnern durchgeführt werden und zum Abschluss muss eine Evaluation stattfinden. Einen „ganz normale Managementkreislauf“, nennt das Horwege. Sie weiß aber auch: „Viele Betriebe trauen sich da noch nicht ran, weil sie das Thema noch nie mit Kennzahlen belegt haben.“ Wer den Aufwand scheut, verpasst jedoch viel Geld. Die Kassen sind verpflichtet, pro Versichertem eine gewisse Summe zurückzuhalten, die innerhalb eines Jahres für BGF-Leistungen ausgegeben werden muss. Der Richtwert liegt derzeit knapp über 2 Euro, sodass allein die BKK Firmus nach Horweges Angaben 180000 Euro zu vergeben hat – während sich die Zahl der Unternehmen, die sie bei BGF aktiv betreuen, sich im zweistelligen Bereich bewegt. Allerdings: Die Kassen dürfen nur unterstützen, die Betriebe müssen einen Teil der Kosten selbst tragen.

Ingenieur Sobkowiak ist die Gesundheit seiner Kollegen eine fünfstellige Summe wert: „Der Bedarf bestimmt das Budget.“ Ganz nach dem Motto: Gesundes Team – gesundes Unternehmen. Und ganz nebenbei gehen auch gute Vorsätze fürs neue Jahr in Erfüllung.


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