Silvesterpredigt in Osnabrück Bischof Bode über hohe moralische Ansprüche und Vertrauensverlust

Der Osnabrücker Bischof und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Franz-Josef Bode. Foto: Michael GründelDer Osnabrücker Bischof und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Franz-Josef Bode. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat in seiner Silvesterpredigt über seine Krankheit und Lehren aus dem Missbrauchsskandal gesprochen – und die Kirche kritisiert.

In seiner Predigt im Osnabrücker Dom ging Bode zunächst auf seine zehnmonatige Abwesenheit ein: „In dem nun zu Ende gehenden Jahr habe ich ganz eigene Grenzerfahrungen machen müssen auf dem langen Weg der schweren Krankheit mit starken Schmerzen, vielen Rückschlägen und Enttäuschungen, auch in Ohnmacht trotz allem Können der Ärzte und trotz aller moderner Medizin.“ Bis heute müsse er in dem langen Prozess der Genesung lernen, mit Schwächen und Beeinträchtigungen zu leben und die weiteren Jahre seines Dienstes anders zu gestalten als zuvor gedacht. 

Mit Blick auf das Thema Missbrauch sprach der Bischof von „Grenzen, Verfehlungen, ja Verbrechen“ in der Kirche, die „so hohe moralische Ansprüche an sich und die Menschen hat“. Der damit verbundene Vertrauensverlust führe „alle, die in dieser Kirche Verantwortung tragen und sich engagieren, an die Grenzen ihrer Möglichkeiten“. Menschliche Grenzüberschreitungen hätten die Kirche mitgeprägt, „auch dort, wo Kirche immer schon wusste, was für alle gut und richtig ist“, sagte Bode. Er verwies dabei auf eine Sexualmoral, die „Menschen krankgemacht“ habe und die sich auch heute noch schwer tue „mit den Zeichen und Erkenntnissen der Zeit“.

Bode kündigte an, im kommenden Jahr das Konzept des Bistums gegen Missbrauch, sexuelle Gewalt und spirituelle Nötigung weiterzuentwickeln. „Wir werden es in Ehrlichkeit, Offenheit und Demut tun, um alles einzusetzen, damit Vertrauen wieder wachsen kann. Dazu bedarf es allerdings auch der Versachlichung und der Differenzierungen.“


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