Klingender Weihnachtsmarathon Blues Company rockt unter dem Weihnachtsbaum im Blue Note

Die Blues Company um „Toscho“ Todorovic gibt  im Blue Note gleich mehrere Konzerte. Foto: Michael GründelDie Blues Company um „Toscho“ Todorovic gibt im Blue Note gleich mehrere Konzerte. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Erst akustisch, dann elektrisch, dann mit Bläsern und schließlich zusätzlich mit Backgroundsängerinnen trat die Osnabrücker Musikinstitution Blues Company an vier Abenden im Blue Note auf.

Wir wissen es alle: Die Welt dreht durch, die Leute werden immer verrückter, sie beschäftigen sich nur noch mit Twitter, Facebook und Instagram. Was kann man gegen diese Entwicklung tun? Tosho weiß Rat: „All I can do is sing the blues!“ Tosho, mit richtigem Namen Todor Todorovic, ist der Sänger der Blues Company. Seit mehr als zehn Jahren feiert die Blues-Institution Weihnachten, indem sie zum „Rock Around The Christmas Tree“ einlädt. Wie schon im vergangenen Jahr findet die „Blues Company Festwoche“ auch diesmal im XL-Format statt: Satte vier Tage am Stück treten Tosho und seine Mannen im Blue Note auf: Am 1. Weihnachtstag startete das Blues-Paket besinnlich mit einem Akustik-Set, in dem tatsächlich sehr viele Weihnachtslieder untergebracht wurden. Am zweiten Abend wurde die Band im Quartett-Modus elektrifiziert, am dritten und vierten sollten die Fabulous BC-Horns sowie abschließend die Soul Sistaz zu der Truppe stoßen.

Am Donnerstag trifft man tatsächlich vor dem Konzert Saxophonist Volker Winck vor dem Blue Note, der sich seine Hand massiert: „Hoffentlich kann ich gleich richtig spielen, ich habe gerade 200 Schallplatten signiert“, meint er. Im Januar soll nämlich das schätzungsweise 25. reguläre Album der Blues Company erscheinen: „Ain´t Givin´ Up“ heißt das Werk, das jetzt auch den dritten Abend des Weihnachts-Bluesmarathons bestimmen soll.

Beherzt startet das Konzert: „We gonna rock this house till the lights go out” singt Tosho. Rock´n´Rollig drängt der Sound in den Saal. Die Bläser befeuern die Songs und bisweilen setzen ihnen Trompeter Uwe Nolopp und Sax-Mann Winck mit Soloeinlagen ein verführerisches Sahnehäubchen auf. Zwischendurch vermeldet der britische Gitarrist und Sänger Mike Titré, dass er aus Angst vor einem „harten Brexit“ Deutscher geworden sei. „Sonst hätte ich demnächst im Stadthaus ein Visum beantragen müssen“, sagt er kopfschüttelnd und stimmt eine alte Nummer von Canned Heat an, die er als Kommentar zum derzeitigen Zustand Europas verstanden haben will: „Let´s Work Together“.

Als Appetithäppchen serviert die Blues Company dann diverse Songs vom neuen Album. So singt Titré sein Lied „Sticks and Stones“, das auf einem englischen Sprichwort basiert und das er denkwürdigen Mechanismen im Internet widmet: „Stöcker und Steine können meine Knochen brechen, aber Worte können mich nicht verletzen!“ Dazu lässt er sein Bottleneck über die Saiten gleiten, Bassist Arnold Ogrodnik sorgt für ein grooviges Tieftonfundament, derweil Schlagzeuger Florian Schaube die Instrumentierung, die den Zuhörer nach Louisiana zu entführen versucht, mit einem dezenten Rasselrhythmus unterlegt. Mitreißenden Rhythm´n´Blues bietet dagegen die Nummer „One Shot“, mit der die Band das Publikum in die Pause entlässt.

Natürlich darf auch der „erfolgreichste Song der Blues Company“ an diesem Abend nicht fehlen: „Silent Night“ wurde bereits über sechs Millionen mal verkauft, gehört, geklickt“, sagt Tosho voller Stolz. Und einmal mehr intoniert er mit seinen Kollegen als Aufruf gegen alle Kriege in der Welt den schon als Klassiker zu bezeichnenden Song „Red Blood“. Ein zünftiges „Run Rudolph Run“, dann entlässt die Blues Company das Publikum mit dem besinnlichen „Albatross“ von Fleetwood Mac - bis zum nächsten „Rock unterm Weihnachtsbaum“.


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