Bummeln, shoppen, einlösen Osnabrück im Kaufrausch: Warum es so viele Leute in die Geschäfte zieht

Von Sebastian Philipp und Meike Baars

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Sportflitzer im Schritttempo: Der kleine Elyas sucht sich seinen Weg durch die bummelnden Menschenmassen in der Osnabrücker City. Foto: Michael GründelSportflitzer im Schritttempo: Der kleine Elyas sucht sich seinen Weg durch die bummelnden Menschenmassen in der Osnabrücker City. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Zwischen den Jahren ist Bummelzeit: Viele Osnabrücker nutzen ihre freien Tage zum Einkaufen in der Innenstadt. Die Parkhäuser sind voll, die Geschäfte gut besucht. Kunden lösen Gutscheine ein und gehen auf Schnäppchenjagd. Auch bei Ikea ist es voll wie selten. Ein Überblick.

Der zweijährige Elyas pflügt sich mit seinem batteriebetriebenen Sportflitzer durchs Beingewimmel auf der Großen Straße. Aus seiner Perspektive müssten die Menschenmassen, die sich durch die Osnabrücker Innenstadt schieben, bedrohlich aussehen, aber der Kleine macht einen vergnüglichen Eindruck.

Foto: Michael Gründel

Seine Eltern sind wie so viele Menschen aus Stadt und Umland zum Flanieren in die City gekommen. Es scheint ähnlich voll zu sein, wie an den Tagen vor Weihnachten. Den Eindruck bestätigt René Lemoine, Inhaber des Crêpes-Standes an der Ecke zur Georgstraße. Hinter der Theke bekommt er einen guten Überblick, was in der Stadt los ist. "Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester gehören definitiv zu den umsatzstärkeren", sagt er. "Wenn sich viele Menschen durch die Stadt bewegen, bleiben auch mehr vor meinem Stand stehen."

Foto: Michael Gründel

Schräg gegenüber seiner Bude hat der alteingesessene Buchhandel Bücher Wenner seinen Sitz. Auch hier haben die Mitarbeiter gut zu tun – wenn auch nicht vergleichbar mit den Tagen vor Weihnachten. "Das Einpacken fällt weg und damit ein Haufen Arbeit für die Mitarbeiter", sagt Geschäftsführer Jonas Wenner. Vom Kundenaufkommen seien die Tagen zwischen den Jahren vergleichbar mit gut besuchten Samstagen. Viele Leute lösten Gutscheine ein, Umtausche spielten eher keine Rolle. Wenn ein Buch nicht gefällt oder doppelt geschenkt wird, gebe man es eher weiter, als es zurück in den Laden zu tragen, interpretiert Wenner.

Foto: Michael Gründel

Vor den Parkhäusern in der Osnabrücker Innenstadt bilden sich an Donnerstag und Freitag lange Schlangen. Die Schwestern Laura und Olivia Rolf haben sich mit ihrem Kleinwagen in die Autos vor dem L&T-Parkhaus eingereiht. Vom Warten wollen sich die beiden Hagenerinnen die Laune nicht verderben lassen. "Wir kennen das schon", sagt Laura. Andere machen es etwas geschickter. Familie Weigel aus Bissendorf kennt einen Geheimtipp zum Parken. Weil Sohn Damian mit seinen vier Jahren noch nicht der geduldigste Einkaufsbummler ist, wollen sie nach dem Bummel nur noch schnell etwas essen und dann wieder heimwärts fahren. "Ich bin kein Fan von diesen Menschenmassen. Vor allem nicht mit Kleinkind", sagt Mutter Maria Weigel. 

Foto: Michael Gründel

Auch im Gewerbegebiet in Hellern müssen Kunden die Parkplätze suchen wie die Nadel im Heuhaufen – zumindest auf dem Ikea-Gelände." Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester sind für uns die umsatzstärksten Tage im Jahr", sagt Anette Koppenhagen, die Leiterin der Osnabrücker Ikea-Filiale. In der Tat rennen die Besucher dem Möbelhaus am Donnerstag und Freitag förmlich die Türen ein. Für die Mitarbeiter bedeutet der Ansturm ein jähes Ende der geruhsamen Weihnachtszeit. "Im Grunde sind alle Mitarbeiter im Einsatz, vom Parkplatzanweiser bis zum Küchenplaner", sagt Koppenhagen. 

Kundenandrang bis in den Januar

Der Umtausch an Waren halte sich in Grenzen. "Es ist nicht mehr als sonst auch", sagt die Filialleiterin. Allerdings sei momentan die Zeit der Gutscheine. Viele Kunden nutzen die freien Tage zwischen den Jahren, um Gutscheine beispielsweise aus dem Ikea-Adventskalender einzutauschen. Besonders beliebt sind bei den Kunden aktuell Möbel für Schlafzimmer. Koppenhagen rechnet damit, dass der große Kundenandrang bis in die erste Januarwoche anhält. 

Foto: Michael Gründel

Von einem vollen Laden berichtet auch Magdalene Menninghaus. Die Prokuristin des Prelle-Shops in der Krahnstraße hat am Donnerstag und Freitag beobachtet, dass auch und vor allem heruntergesetzte Weihnachtsartikel wie Karten der Renner waren. "Die Kunden decken sich schon einmal für nächstes Jahr ein." Auch hochwertige Schreibgeräte seien vermehrt über den Ladentisch gegangen. Umgetauscht werde momentan nicht mehr als sonst auch. 

Zwar ist Menninghaus mit dem Besucheraufkommen durchaus zufrieden, die besten Tage für das inhabergeführte Geschäft liegen jedoch in der Weihnachtszeit und vor dem Schulanfang.

Foto: Michael Gründel

Im Geschirr-, Geschenke- und Spielwarengeschäft Schäffer sind einige der Weihnachtsaushilfen wohlweislich noch etwas länger beschäftigt worden. Sonst sei der Endspurt des Jahresgeschäfts nur schwer zu bewältigen, glaubt Tobias Schonebeck, geschäftsführender Gesellschafter des Osnabrücker Traditionsgeschäfts. Bei Schäffer werden nach Weihnachten viele Geschenkgutscheine eingelöst. Kinder suchten sich für ihre Geldgeschenke etwas Passendes aus.

"Geiz ist geil" im Internet

Umtausche spielten im Vergleich zu früher nur noch eine sehr untergeordnete Rolle, sagt Schonebeck. "Online scheint es genau umgekehrt zu sein: Da wird nach Geiz-ist-Geil-Mentalität großzügig und günstig geordert und das meiste wieder zurückgeschickt. Wer heutzutage stationär kauft, der entscheidet sich bewusster und lässt sich beraten. Die Kaufentscheidung ist nachhaltiger."  

In den vergangenen Tagen machte die Nachricht die Runde, dass mittlerweile jeder achte Onlinekauf retoure geht. Auf diese Quote kommt der Osnabrücker Einzelhandel bei Weitem nicht – selbst nicht so kurz nach Weihnachten. 


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