Prozess in Osnabrück Wie Polizisten dem mutmaßlichen Mutter-Mörder auf die Schliche kamen

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Vor dem Landgericht Osnabrück verantwortet sich derzeit ein 32-Jähriger wegen Mordes an seiner Mutter. Foto: André HavergoVor dem Landgericht Osnabrück verantwortet sich derzeit ein 32-Jähriger wegen Mordes an seiner Mutter. Foto: André Havergo

Osnabrück. Im Prozess gegen einen wegen Mordes angeklagten 32-jährigen Osnabrücker haben nun mehrere Polizeibeamte als Zeugen vor dem Landgericht ausgesagt. Am 29. März 2018 soll der Angeklagte seine 61-jährige Mutter mit einem Kuhfuß getötet haben.

Nachdem die Vorgesetzte der älteren Frau eine Vermisstenanzeige erstattet hatte, wurde am 11. April ihre Leiche gefunden – und ihr Sohn als dringend tatverdächtig festgenommen. Was an diesem Tag geschah, schilderten vor dem Landgericht Polizisten, die am Tatort waren.

Gegen 19 Uhr trafen demnach zunächst zwei Beamte an dem Haus im Stadtteil Schinkel-Ost ein. Der Sohn sagte auf ihre Nachfrage, er wisse nicht, wo seine Mutter sei. Er habe eine Nachricht auf dem Küchentisch gefunden, in der es sinngemäß geheißen habe: „Ich bin mal für ein paar Tage weg. Ich muss mal verreisen.“ Auf die Frage, warum er keine Vermisstenanzeige gestellt habe, gab der Mann den Polizisten zufolge keine plausible Antwort.

Auffällig sei gewesen, dass in der Küche das Handy und die EC-Karte der Frau gefunden worden seien, obwohl diese doch angeblich verreist war. Zudem habe dort auch ein handschriftlich verfasstes Testament der Mutter gelegen. Er habe dieses vorsorglich herausgeholt, habe der Angeklagte später in seiner polizeilichen Vernehmung angegeben.

„Ein komisches Gefühl“

Zunächst seien die Beamten zur Wache zurückgekehrt. Er habe aber „ein komisches Gefühl gehabt“, erinnerte sich einer der Polizisten. Denn der Angeklagte habe unter anderem angegeben, dass seine Mutter kein Auto besitze, was sich dann aber als falsch herausgestellt habe. „Wir müssen da noch mal hin“, habe er schließlich zu seinen Kollegen gesagt.

Im Weiteren nahmen die Beamten die Wohnung der Mutter im Untergeschoss und die Wohnung des Sohnes im oberen Teil genauer unter die Lupe. Letztere habe einen verdreckten und ungepflegten Eindruck gemacht.

Feuerwehr öffnet die Garage

Als die Beamten die Garage hätten untersuchen wollen, sei der 32-Jährige merklich nervös geworden und habe behauptet, dass der Schlüssel verloren gegangen sei. Dort stünden aber sowieso nur einige Gartenmöbel. Allerdings half der Mann dann dabei, den angeblich verlorenen Schlüssel zu suchen, und ließ es später widerspruchslos zu, dass die Garagentür durch die Feuerwehr geöffnet wurde.

Ein 32-jähriger Polizist schilderte seine Eindrücke, als er die Garage betrat. In der Nähe der Tür habe ein umgeschlagener Teppich gelegen, auf dem Blutanhaftungen zu erkennen gewesen seien. Außerdem habe er eine Wäschewanne und zwei Eimer gefunden, in denen sich gelbe Tüten befunden hätten. Eine davon habe er geöffnet und Leichenteile gefunden. Ein weiterer Polizist sagte später aus, er habe nahe dem Teppich ein Beil mit einer blutbefleckten Klinge liegen sehen. In der Garage habe sich auch das Auto der Mutter befunden. Die Motorhaube sei geöffnet gewesen, und im Motorraum habe eine Heckenschere gelegen.

Blutflecken übertüncht?

Ein anderer Beamter berichtete von Blutspritzern, die vor allem im Flur des Hauses gefunden worden waren. Zudem habe es dort offenbar laienhaft durchgeführte Renovierungs- und Malerarbeiten gegeben.

Einem 36-jährigen Polizeibeamten war unter anderem in Erinnerung geblieben, dass bei einer Temperatur von 15 bis 16 Grad in dem Haus ein Feuer im Kamin brannte, und ein Kollege ergänzte, dass „der Kamingeruch so war, als ob da etwas drin war, was da nicht reingehört“.

Der Angeklagte schweigt weiter zu den Vorwürfen.


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