Schwitzen und spucken Dagmar Schönleber mag den Kontakt zum Publikum

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Sie mag die Nähe zum Publikum: Dagmar Schönleber würde ungern im Stadion auftreten. Foto: imago/Future ImageSie mag die Nähe zum Publikum: Dagmar Schönleber würde ungern im Stadion auftreten. Foto: imago/Future Image

Osnabrück. Sie stammt aus Lemgo, lebt in Köln und wurde durch die Sendung "NightWash" bekannt: die Kabarettistin Dagmar Schönleber. Anlässlich ihres Auftritts am 19. Januar in Osnabrück sprachen wir mit der Künstlerin über Kultur, Kneipen und Respekt.

Frau Schönleber, am 19. Januar sind Sie mit Ihrem Programm „Respekt“ in der Lagerhalle zu Gast. Bisweilen sind Sie aber auch in so genannten „Mixed Shows“ zu sehen. Wie treten Sie lieber auf, solo oder im Paket mit Kollegen?

Die Mischung macht´s. Der Vorteil an einem Soloprogramm ist, dass man Zeit hat, sich zu entfalten und die Leute mitzunehmen. Man muss nicht eine Pointe nach der nächsten raushauen und Marken setzen, damit man beim Publikum in Erinnerung bleibt. Solo kann man auch mal über längere Strecken Inhalte vermitteln und in die Tiefe gehen.


Spielt Politik in Ihrem Programm eine Rolle?

Ich mache kein politisches Kabarett. Ich exerziere nicht das Geschehen im Bundestag von A bis Z durch. Aber ich bin durchaus gesellschaftspolitisch. Es geht in meinem Programm um unser Zusammenleben. Da thematisiere ich den Rechtsruck in unserem Land und wie sich die Menschen dazu positionieren. Ich frage, was Toleranz bedeutet. Ich glaube übrigens, dass kein Mensch, der auf die Bühne geht, von sich behaupten kann, er sei nicht politisch.


Ist das Thema Respekt der rote Faden im Programm

Ja, es geht um unseren Umgang miteinander aus verschiedenen Perspektiven: Paarbeziehungen, Gruppenstrukturen, kulturelle Zusammenhänge, es geht um Popkultur und es hat mit Vorbildern zu tun. Das geht uns alle an: Wo schwingen wir hohle Reden und wann sind wir gute Vorbilder.


Werden Sie denn auch wieder singen, wie wir es aus ihren früheren Auftritten in Osnabrück kennen?

Ja, das Programm besteht zu 60 Prozent aus Text, zu 40 Prozent aus Musik. Ohne potentiellen Zuschauern Angst machen zu wollen: Ich habe auch ein Mitsinglied dabei.


Um das Programm in Form zu bringen, haben sie sich einem Regisseur anvertraut?

Regisseur ist der falsche Begriff. Ein Regisseur inszeniert. Das ist bei mir nicht nötig, weil ich durchaus weiß, was ich da auf der Bühne mache. Lutz Rosenberg Lipinsky ist für mich eine Art Sparringspartner beim Schreiben. Er sagt mir, wenn er etwas nicht versteht. Oder er weist mich auf besonders interessante Stellen hin, die ich dann ausarbeite. Außerdem unterstützt er mich bezüglich der Dramaturgie, also: Wo kann man etwas verknüpfen oder verdichten? Wenn man selbst Texte schreibt, hat man ja einen Tunnelblick. Da ist es wichtig, dass jemand von außen darauf guckt, der ein bisschen mehr Distanz hat.


Sie wuchsen in Lemgo auf und zogen bald nach Köln. Färbt die Großstadt als Wohnort auf jemanden ab, der aus dem Ostwestfälischen kommt?

Wie das bei gelungener Integration so ist: Man behält seine Wurzeln, arrangiert sich allerdings mit den Gegebenheiten des neuen Umfelds. Gewöhnen musste ich mich beispielsweise daran, dass der Kölner dir gern sehr schnell sehr private Dinge erzählt, ohne dass du ihn darum gebeten hat. So etwas macht der Ostwestfale nicht. Der erzählt Privates frühestens nach 15 Jahren. Dann aber richtig und fürs Leben. Andererseits empfinde ich es als angenehm, dass nicht alle Gäste schlagartig verstummen und wie auf Kommando zur Tür schauen, wenn ich in Köln in eine Kneipe komme. Das kann einem in Ostwestfalen heute nämlich durchaus noch passieren. Dort erwartet man, dass jemand aufsteht und fragt: Was tust Du hier, Fremde?


Frau Schönleber, Silvester steht vor der Tür. Wie feiern Sie?

Weihnachten und Silvester sind die einzigen Tage im Jahr, an denen ich grundsätzlich nicht auftrete. Das liegt auch daran, dass mein Mann Silvester Geburtstag hat. In diesem Jahr war so viel los, dass wir uns mal vom Trubel fernhalten und gemütlich zuhause feiern.


Welche Wünsche haben Sie für das Jahr 2019? Mehr Auftritte, mehr Erfolg?

Wie, noch mehr Erfolg? (Sie lacht herzlich). Ach, wissen sie, ich kann von dem, was ich tue, sehr gut leben. Daher freue ich mich einfach, wenn weiterhin Menschen, wünschenswert wären mehr als drei, zu meinen Auftritten kommen. Das hat bisher ja auch ganz gut geklappt hat.


Also streben sie nicht an, so wie einst Mario Barth die Stadien zu füllen?

Nein. Ich glaube, die Kleinkunst, die ich betreibe, lebt von einer gewissen Nähe. Wenn mehr als 700 Leute im Saal sind, wird die Distanz zu groß. Ein Liveauftritt lebt doch davon, dass der Zuschauer dem Künstler relativ nah ist. Ich finde es gut, wenn man die Leute auf der Bühne schwitzen und spucken sieht.


Dagmar Schönleber: „Respekt“. 19. Januar, 20 Uhr, Lagerhalle

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