Indie-Quintett aus Osnabrück Hi! Spencer feiert Jahresabschluss in der Lagerhalle


Osnabrück. Mit einem furiosen Heimspiel in der Lagerhalle beendete die Osnabrücker Indie-Rock-Formation Hi! Spencer ihr Konzertjahr – und blickte mit voller Kraft nach vorn.

Eröffnet wurde der Abend durch den Osnabrücker Song-Tüftler Elektro Strothmann. Mit entspannten Grooves und pointiert getextetem Sprechgesang betrauerte er „Tweety“, ließ die „Untergrundbahn“ tuckern oder stellte zu bezaubernden Klangstrukturen die alles entscheidende Frage „Wattata“. Auch das Köln-Dortmunder Quartett Drens erwies sich als hervorragende Wahl für das Vorprogramm. Angesiedelt irgendwo zwischen fröhlich melodiösem Surfpunk und dreckig schrammelndem Garagenrock sorgten die vier in orangefarbenen Shorts sommerlich gekleideten Herren für mächtig einheizende Partystimmung. Zu einem beherzten „No“ sagte das Publikum gern Ja, zum „Best Friend“ klatschte es und ein rasanter „Bicycle Rider“ bediente schon mal den tanzenden Moshpit, der auf Hi! Spencer wartete.  

Weitermachen als Programm

Weitermachen ist Programm bei den agilen Jungs um den Hagener Frontmann und Sänger Sven Bensmann, der auch als Comedian erfolgreich ist. Stand ihr vor drei Jahren erschienenes Debutalbum bereits unter dem Motto „Weiteratmen“, so heißt der im Februar erscheinende neue Longplayer „Nicht raus, aber weiter“. Nicht nur deshalb war das Jahresabschlusskonzert in der mit 500 Besuchern restlos ausverkauften Lagerhalle auch Aufbruch und Ausblick. Und der hatte es in sich. 

Nicht nur der mit einem äußerst eingängigen Mitsing-Refrain und einem Chor-Part am Schluss gesegnete Titeltrack des kommenden Albums war exklusiv als Live-Premiere zu hören, sondern auch das inhaltlich umweltbewegte und musikalisch melodieverliebte Stück „Deponie“. Außerdem spielten Hi! Spencer erst- und einmalig ihre obligatorische Zugabe „Sie tanzt“ in einer neu arrangierten Akustikversion auf Barhockern. So schön das auch war, durfte damit der letzte Auftritt in diesem Jahr natürlich nicht enden. Deshalb gab es noch ein paar Scheiben Spaß-Punk obendrauf – in Form der makabren Anti-Spießer-Hymne über den „lieben“ Nachbarn und Blockwart „Herr Schlüter“, des Nostalgie-Stücks über „Platten“ und des programmatischen Finishs „Schalt mich ab“. So wurde aus dem Jahresabschluss- am Ende doch noch ein für die Indie-Rocker standesgemäßes Jahresabrisskonzert. 

Musik zum Abheben

Bis auf das maximal schnörkellos geradeaus rockende „Tel Aviv“ zeichneten sich die Songs aber auch durch kraftvoll durchgesetzte Pop-Qualitäten aus. Die aktuelle Single „Wo Immer Du Bist“ etwa besticht durch betörende Gitarrenriffs und Melodiebögen – ein starkes Stück Power-Pop mit Indie-Hit-Potenzial. Aber auch Titel wie die textsicher von den Fans mitgesungene Selbstfindungshymne „Trümmer“ oder das kraftstrotzend treibende Sehnsuchtsstück „Richtung Norden“ zeigten, wohin die Reise geht, zu der Hi! Spencer auch weiterhin einladen werden. 

Mit „Kopf in den Wolken“ beschrieben sie selbstreflexiv ihre Motivation, Musik zu machen – nicht irgendwelche, sondern eine, die einen in der Tat abheben lässt. Das ist auch der von der Bundesregierung mit Projektmitteln ausgestatteten Initiative Musik nicht entgangen, in deren Förderprogramm die Band jüngst aufgenommen wurde. „Geschworen, schöner zu scheitern“ heißt es in „Nicht raus, aber weiter“. Nach aktuellem Stand der Dinge wird das nicht passieren. Denn schön ist das, was Hi! Spencer machen, zwar allemal. Zum Scheitern verurteilt aber keineswegs.


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